Streaming-Tipp

Comedian Nathan Fielder macht Fremdscham in seinen Serien extrem lustig

Comedian und Schauspieler Nathan Fielder macht Reality-TV, bei dem die Realität vor allem eines ist: peinlich und unangenehm. Seine Serien zeigen, wie lustig Fremdscham und Alltagssituationen sein können.

Nathan Fielder spielt Kunstfiguren, die nicht verstehen, wie peinlich und seltsam sie wirken. 

Nathan Fielder spielt Kunstfiguren, die nicht verstehen, wie peinlich und seltsam sie wirken. 

Nathan Fielder sieht nicht auffällig aus. Und erst recht nicht wie einer der spannendsten Schauspieler und Comedians in Hollywood. Schwarze Haare mit Standardfrisur, Drei-Tage-Bart, einfarbige Klamotten und ein angestrengtes Lächeln. Irgendwie wirkt er immer, als würde er sich in jeder Situation unwohl fühlen. Vor der Kamera ist er ein Max Mustermann mit fehlender sozialer Kompetenz. Wie viel davon tatsächlich Schauspiel und nicht einfach Nathans Persönlichkeit ist, weiß man nicht: Und genau das hat der Schauspieler zu seiner Stärke gemacht.

In seinen drei Serien „Nathan For You“, „The Rehearsal“ und „The Curse“ stellt Fielder seine unangenehme Kunstfigur in seltsame und gleichzeitig alltägliche Situationen und lässt dabei oft die Grenzen zwischen Realität und Fernsehen verschwimmen. Das Ergebnis? Zum Fremdschämen, aber vor allem zum peinlich berührten Lachen.

„Nathan For You“

Die Kunstfigur „Nathan Fielder“ beginnt in dieser Serie als übereifriger Business-Experte, der kleinen Unternehmen helfen möchte, die sich kaum über Wasser halten können. Seine Ideen sind auf dem Papier ein absolutes Desaster: Einem Frozen-Yogurt-Laden schlägt er vor, die neue Sorte „Dünnschiss“ einzuführen, um Schlagzeilen zu machen. Und einer Boutique, die mit Dieben zu kämpfen hat, empfiehlt er, attraktive Frauen ein Kleidungsstück stehlen zu lassen – sozusagen als kostenlose Werbung, wenn die Frauen gefragt werden, woher sie ihre Outfits haben.

Das Spannende: Die Unternehmen und ihre Besitzer sind echt und lassen sich meist auf Nathans Ideen ein. Vielleicht, weil sie wirklich an ihn glauben. Oder auch nur, weil ihnen eine Kamera ins Gesicht gehalten wird.

So verschwimmt die Realität zunehmend, auch weil die Situationen immer seltsamer werden: Denn manchmal funktionieren Nathans seltsame Vorschläge sogar. Andere Male macht er allen Beteiligten nur das Leben schwer. Für den Zuschauer ist es sehr spannend, zu erraten, was wirklich passiert ist und was vielleicht doch gestellt ist. Also eigentlich wie bei gewöhnlichen Realityshows.

„Nathan For You“, vier Staffeln, 32 Folgen à 21 Minuten, verfügbar bei Paramount+, freigegeben ab sechs Jahren.

„The Rehearsal“

Nathan Fielder hat eine neue Geschäftsidee, die er gleich in einer Serie umsetzt: Er will Menschen die Möglichkeit geben, mit realistischen Nachstellungen wichtige Momente in ihrem Leben durchzuspielen, bevor sie überhaupt passieren. Unangenehme Gespräche mit Freunden, das wichtige Bewerbungsgespräch und so weiter: Nathan will seine Klienten auf alle möglichen Szenarien vorbereiten, die dabei passieren könnten. Dafür bildet er Schauspieler aus, baut riesige Sets nach und recherchiert jede Kleinigkeit.

In Staffel eins bittet ihn eine Frau, dass sie das Leben als Mutter simulieren möchte – um herauszufinden, ob das etwas für sie ist. Die aufwendige Probe findet über mehrere Tage statt. Währenddessen lernt Nathan auch immer mehr über sich selbst. Spätestens als er die Rolle des Vaters in der Simulation übernimmt, verschwimmen Rollenspiel und das echte Leben ...

In Staffel zwei geht es Nathan um ein ganz anderes Thema: Flugsicherheit. Denn er ist der Meinung, dass alle Flugzeugabstürze verhindert werden können, wenn er die Kommunikation zwischen Pilot und Co-Pilot verbessert. Das Problem: Die Politik nimmt ihn durch seine Arbeit als Comedian nicht ernst. Also muss er das Steuer selbst in die Hand nehmen.

Die Menschen, mit denen Nathan arbeitet, sind wieder echte Personen und keine Schauspieler: sowohl die Mutter in Staffel eins als auch die Piloten und Politiker in Staffel zwei. Doch auch hier weiß man nie so genau: Was ist geskriptet? Sind die echten Menschen in der Serie nur so seltsam, weil sie vor einer Kamera stehen? Und wo hört die Kunstfigur „Nathan Fielder“ auf und wo beginnt der echte Nathan Fielder?

„The Rehearsal“, zwei Staffeln, zwölf Folgen à 30 bis 60 Minuten, verfügbar bei Sky und HBO Max, freigegeben ab 16 Jahren.

„The Curse“

In der dritten Serie von und mit Nathan Fielder geht es um eine Realityshow – sie ist aber selbst keine. „The Curse“ hat ein Skript und Nathan spielt keine Kunstfigur, sondern eine feste Rolle, die nicht so heißt, wie er selbst: nämlich Asher Siegel, der mit seiner Frau Whitney (grandios gespielt von Emma Stone) umweltfreundliche Häuser in der Stadt Española baut. Der Ort hat tiefe Verbindungen zu indigenen Völkern.

Zusammen mit dem problematischen TV-Produzenten Dougie arbeiten sie an einer Realityshow über die modernen Gebäude und die historische Region. Doch als Asher von einem jungen Mädchen verflucht wird, geht immer mehr schief: bei der Produktion der Serie, beim Verkauf der Häuser und auch in Ashers und Whitneys Ehe.

„The Curse“ greift viele Themen auf, um die es auch in den anderen Serien von Nathan Fielder geht: Wie Medien unsere Realität verzerren und wie Menschen miteinander umgehen. Gleichzeitig kommt viel des schwarzen Humors der Serie aus den peinlichen Situationen, in die die Figuren geraten: Auch hier muss man oft Pause drücken – entweder vor Lachen oder um den Fremdscham zu verarbeiten.

„The Curse“, eine Staffel, zehn Folgen à 40 bis 70 Minuten, verfügbar bei Paramount+, freigegeben ab zwölf Jahren.

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