Künstliche Intelligenz

Warum Gregor Schmalzried findet, dass KI auch nett kann

Mit einem ungewöhnlich zuversichtlichen Blick analysiert Wissenschaftsjournalist Gregor Schmalzried den Hype um KI. In seinem Buch „Wir, aber besser“ sieht er die Technologie vor allem als Chance für den Menschen.

Journalist Gregor Schmalzried blickt erstaunlich optimistisch in die Zukunft mit KI.

Journalist Gregor Schmalzried blickt erstaunlich optimistisch in die Zukunft mit KI.

Darum geht’s: Die Kernaussage von Gregor Schmalzrieds Buch lässt sich in einem Satz zusammenfassen: „Das Internet ist aufgewacht.“ Denn dank KI ist das dort gesammelte Wissen nicht nur so schnell abrufbar wie noch nie zuvor, sondern es lässt sich vertiefen, verknüpfen und abwandeln. Gregor Schmalzried geht davon aus, dass künstliche Intelligenz den Menschen nicht nur besser und schneller arbeiten lässt, sondern eine Digitalisierung 2.0 auslösen könnte, in der sich viele Fehler aus der ersten Welle vermeiden lassen. Und dass die Nutzung von KI das Potenzial hat, die Welt letztlich wieder menschlicher werden zu lassen.

Wie das gelingen kann, schildert der Autor mit vielen persönlichen Beispielen. Er erklärt, wie die heutigen Large Language Models (LLM), die gängigerweise als KI bezeichnet werden, entstanden sind und wie sie funktionieren. In den folgenden Kapiteln gibt es konkrete Beispiele, wie der menschliche Nutzer KI als Ergänzung zu seinen eigenen Möglichkeiten benutzt und sie dabei mehr oder weniger zu einem Supertool macht. „Wir haben uns zu sehr angewöhnt, neue Technologien wie eine Naturkatastrophe zu betrachten, mit der wir uns irgendwie abfinden müssen – nicht wie neue Werkzeuge und Infrastrukturen, die wir selbst gestalten können“, sagt der Autor im Interview. Aber das könne man. „Wenn wir die KI-Revolution meistern, dann verlieren wir unsere Menschlichkeit nicht, sondern wir stärken sie. Wir sind immer noch wir, nur eben etwas besser.“

Besonders für Schüler bietet KI seiner Meinung nach viele Chancen: unter anderem die, passiven Internetkonsum durch aktives Lernen zu ersetzen. Gregor Schmalzried: „Das Internet versprach uns Wissen, aber lieferte uns stattdessen jede Menge Ablenkung. KI-Chatbots hingegen ermöglichen eine Rückkehr zur ‚sokratischen Methode‘: Lernen durch Dialog, durch Nachfragen, durch Diskutieren.“

„Wir, aber besser“ von Gregor Schmalzried, Goldmann-Verlag.

„Wir, aber besser“ von Gregor Schmalzried, Goldmann-Verlag.

Das Besondere: Zu künstlicher Intelligenz hat Gregor Schmalzried viel Erfahrung. Seit 2018 arbeitet der Münchner als Berater und Techjournalist, unter anderem für den Bayerischen Rundfunk. Inzwischen hat sich der freie Journalist auf KI spezialisiert: Für die ARD hostet er zum Beispiel den „KI-Podcast“, an der Hochschule Landshut ist er Lehrbeauftragter für das Thema Generative KI. Daneben ist der 30-Jährige mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden, unter anderem hat ihn das Medium-Magazin 2024 zu einem der Wissenschaftsjournalisten des Jahres gekürt und er wurde für den Grimme-Preis nominiert.

Fazit: Der größte Vorteil an „Wir, aber besser“ ist ohne Zweifel der Schreibstil von Gregor Schmalzried. Der Autor schreibt entspannt und unaufgeregt über künstliche Intelligenz, ihre Nachteile und vor allem über ihre Vorteile. So nimmt er den sonst üblichen Druck aus dem vielschichtigen Thema. Durch persönliche Anekdoten und angenehm wenig Fachjargon wird das Buch auch für alle interessant, die keine IT-Profis sind. Oder, wie Gregor Schmalzried es selbst ausdrückt: „Paradoxerweise macht uns KI menschlicher, indem sie uns zwingt, uns von ihr abzugrenzen.“ Sie sei exzellent in „Maschinensprache“ – dem generischen, unpersönlichen Stil von Pressemitteilungen oder Behördendeutsch. Sein Fazit: „Um nicht ersetzt zu werden, müssen Menschen das Gegenteil liefern: menschlicher, persönlicher, individueller sein als je zuvor.“ So gesehen sind das gute Nachrichten für die Zukunft.

Im Rahmen des Utopia-Festivals stellt Gregor Schmalzried sein Buch „Wir, aber besser“ im Januar 2026 in der Attenkofer Akademie in Straubing vor. Karten gibt es bald im Vorverkauf.
 

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