Buntes
Vor 50 Jahren erschien der "Räuber Hotzenplotz"

Der erste Band über den Räuber Hotzenplotz, den Räuber mit den sieben Messern, ist in 30 Sprachen übersetzt worden. (Foto: Thienemann Verlag)

Otfried Preußler, Jahrgang 1923, ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Autoren deutscher Sprache. Er hat über 25 Bücher geschrieben, die in mehr als 50 Sprachen übersetzt wurden. Auch sein "Räuber Hotzenplotz", der heuer 50. Geburtstag feiert, kennen Kinder von China bis Frankreich und von Griechenland bis Slowenien - wenn auch unter etwas anderem Namen: Dadao Huochenbuluci (chinesisch), le brigand Briquambroque (französisch), o Kapetan-Tremulas (griechisch), Razbojnik Rogovilez (slowenisch).
Herr Preußler, wie kamen Sie auf die Idee, die Geschichte mit dem klassischen Personal einer Kasperlgeschichte zu besetzen?
Preußler : Auf dem Dachboden meines Elternhauses in Reichenberg in Nordböhmen haben Kasperl und Seppel mein Herz ein für alle Mal erobert. Zum gemeinsamen Zeitvertreib mit den Nachbarskindern haben sich mein Bruder und ich gelegentlich eine Kasperliade ausgedacht und dann auch in eigener Regie, mit allem Drum und Dran, aufgeführt. Seit dieser Zeit weiß ich um die unwiderstehliche Anziehungskraft dieser Geschichten.
Was fasziniert Sie an der Figur des Räubers?
Preußler : Sagen wir mal so: ich mag den Räuber Hotzenplotz. Denn, er ist eigentlich nicht wirklich böse und gefährlich, er ist eher ein polterndes Großmaul, das zwar Polizisten in Angst und Schrecken versetzt, nicht aber meine Freunde Kasperl und Seppel. Und schon gar nicht Kinder, für die meine "Räuberpistole" nun mal gedacht war.
Wie kamen Sie auf die Namen Hotzenplotz, Dimpfelmoser und Petrosilius Zwackelmann?
Preußler : Als Geschichtenerzähler weiß ich: Erst wenn du den Namen hast, stimmt die Geschichte. Erst dann, und nur dann verselbstständigen sich die Personen, sie beginnen zu leben. Beim Hotzenplotz hab ich mich ein bisschen geplagt. Doch plötzlich war er da, der Name, und er passte wie der Hut auf den Schädel meines bärbeißigen Freundes. Damit begann Hotzenplotzs Eigenleben. No, und der Wachtmeister Dimpfelmoser und der Zauberer Petrosilius Zwackelmann gesellten sich dann wie von selbst dazu.
Der Räuber Hotzenplotz muss Ihnen sehr am Herzen gelegen haben, sonst hätten Sie ihn im dritten Band nicht eine ehrliche Karriere einschlagen lassen. Warum will er ein ehrliches Leben führen? Oder führt er uns alle gar an der Nase herum?
Preußler: Da fragen Sie ihn am besten selber, denn er führt seit nunmehr 50 Jahren sein eigenes Leben. Ab und zu schaut er gern bei uns zu Hause vorbei, genießt die gute Küche, meinen Weinkeller und die Zentralheizung. Und er freut sich an seiner vielen freien Zeit. Gelegentlich - wenn ich nicht aufpasse - stöbert er auch in meinen Manuskripten herum, oder er beantwortet meine Leserpost.
Hätten Sie sich vorstellen können einen vierten Teil zu schreiben?
Preußler: Nein, definitiv nicht. Ich wollte eigentlich schon gar keinen zweiten Band schreiben, aber die begeisterte Leserschaft hat mich solange bekniet, bis ich mich schließlich zu einer Fortsetzung durchgerungen hab. Und bei dem zweiten Band ist mir leider ein unverzeihlicher Fehler passiert. Ich hab versäumt, den armen Krokodilhund Wasti aus seiner misslichen Lage zu befreien. So musste ein dritter Band her, um den Wasti wieder in einen Dackel zurückverwandeln zu können. Und bei dem dritten und letzten Band habe ich tunlichst doppelt und dreifach aufgepasst, nur ja keinen Handlungsfaden offen zu lassen. Und, um es ganz klar zu sagen, mit dem 3. Band habe ich den Räuber Hotzenplotz in den Ruhestand geschickt. Punktum!
Wie ist es Ihnen gelungen, nach den traumatischen Kriegserfahrungen und der Gefangenschaft Ihren Humor zu bewahren und etwas derart Leichtes, Unterhaltendes und Lustiges zu Papier zu bringen?
Preußler: Lachen, am besten auch über sich selber, ist ein probates Mittel, um in schwierigen Situationen nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Ohne meinen Humor - oftmals rabenschwarz, bis heute - ohne meinen unerschütterlichen
Optimismus hätte ich den Krieg und die Gefangenschaft wohl nicht überlebt.
Glauben Sie, dass die Kinder von heute die Geschichte ebenso lesen und verstehen wie Kinder in den 1960er-, 70er- oder 80er-Jahren?
Preußler : Die Kids von heute tragen vielleicht andere Kleidung, sie sind ständig von vielen, damals noch unbekannten Dingen gefordert. Und trotzdem: Sie brauchen gute Geschichten. Und gute Geschichten erkennen und verstehen sie, immer und überall und zu jeder Zeit!
Sie sind einer der wichtigsten deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren und Vater von Buchhelden, die die Kindheit von - inzwischen einigen - Generationen verkörpern. Was bedeutet Ihnen das?
Preußler: Dafür bin ich dankbar!
Was wünschen Sie sich für die Kinder von heute?
Preußler : Es gibt hinreichend viele Schulen auf Gottes Welt, zumindest hier bei uns in Deutschland. Aber, an Spielwiesen für Kinder herrscht leider Mangel. Und an Spielwiesen für die Fantasie kann es nie genug geben!
Info:
Am 1. August 2012 feiert das Kinderbuch "Der Räuber Hotzenplotz" von Otfried Preußler seinen 50. Geburtstag. Es erschien am 1. August 1962 im Thienemann Verlag, die Fortsetzungen "Neues vom Räuber Hotzenplotz" 1969 und "Hotzenplotz 3" 1973. Das Jubiläum feiert der Thienemann Verlag mit einer Sonderausgabe von
allen drei Bänden, in denen Mathias Weber die schwarzweißen Originalzeichnungen von Franz Josef Tripp koloriert hat. Vom 17. Juli bis 15. September zeigt die Württembergische Landesbibliothek eine große Ausstellung zum "Räuber Hotzenplotz". Die drei Bände um den "Räuber Hotzenplotz" haben sich weltweit über 7,5 Millionen Mal verkauft, allein in Deutschland über fünf Millionen Mal. Der erste Band ist in über 30 Sprachen übersetzt worden, darunter Koreanisch, Litauisch, Russisch, Chinesisch und Afrikaans. Zurzeit befindet sich dieser in der 64. Auflage.








