Neue Jugendstudie
Junge Menschen sind politisch gespalten und haben immer öfter Schulden

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Die Studie „Jugend in Deutschland 2026“ hat die Lebenssituation von jungen Menschen unter die Lupe genommen.
Leben
Dass Smartphones, das Internet und nun auch künstliche Intelligenz unser Leben immer mehr bestimmen, ist keine neue Erkenntnis. Dennoch sind die Ergebnisse der Studie erschreckend. Sie zeigen: 60 Prozent der 14- bis 29-Jährigen weisen eine suchtähnliche Smartphonenutzung auf. Viele greifen außerdem bei persönlichen Problemen zunehmend auf KI-gestützte Beratung zurück. Social Media stresst die Generationen Alpha und Z. Als Ausgleich setzen sie auf Sport, Schlaf, Zeit an der frischen Luft und ausreichend Wassertrinken.
Politik
Die Studie zeigt eine deutliche Verschiebung hin zu den politischen Rändern. Die Linke ist derzeit laut verschiedener Umfrageinstitute die beliebteste Partei unter jungen Menschen. Sie erzielt dort ein Viertel der Stimmen. Während die Linke besonders bei jungen Frauen beliebt ist, schlagen junge Männer ins andere Extrem: Hier gewinnt die AfD an Zustimmung.
Damit öffnet sich eine immer stärkere politische Kluft zwischen den Geschlechtern. „Der Protest der Jugend ist nicht laut, aber unter der Oberfläche braut sich etwas zusammen, was langfristig Wirtschaft, Regionen und soziale Sicherungssysteme gefährden kann“, betont Studienautorin Nina Kolleck von der Universität Potsdam. Haben die Menschen innerhalb einer Generation so unterschiedliche politische Einstellungen, fällt es schwer, Entscheidungen zu treffen, die beide Seiten zufriedenstellen.
Zufriedenheit
Der Anteil junger Menschen, die angeben, psychologische Unterstützung zu benötigen, erreicht laut der Studie mit 29 Prozent einen neuen Höchstwert. Noch höher sei dieser Wert bei jungen Frauen (34 Prozent), Studierenden (32 Prozent) und Erwerbslosen (42 Prozent).
„Die Ergebnisse der Trendstudie zeigen auf dramatische Weise, wie sehr die Belastungen der letzten Jahre den jungen Menschen zusetzen – in Form von Stress, Erschöpfung und wachsender Perspektivlosigkeit“, betont Studienleiter Simon Schnetzer.
Wohlstand
Die wirtschaftliche Situation bei Jugendlichen bleibt angespannt. Das zeigt auch der Anteil junger Menschen, der Schulden hat: 23 Prozent – ein neuer Höchststand. Der Wunsch nach finanzieller Bildung und vor allem nach stabilen Zukunftsaussichten, um sich langfristig abzusichern, ist groß.
Das Thema Wohnen verschärft diese Entwicklung: Teure Mieten und knapper Wohnraum erschweren die Lebenssituation. So müssen nach Angaben des Bauministeriums Menschen, die eine Wohnung suchen, vor allem in Großstädten, knapp doppelt so viel zahlen wie noch vor zehn Jahren. Dazu kommt, dass weniger Wohnungen als benötigt gebaut werden.
Die Folgen sind enorm: „Mit 21 Prozent plant jede fünfte junge Person konkret, Deutschland zu verlassen, um im Ausland bessere Lebensbedingungen zu finden“, betont Studienautor Kilian Hampel von der Universität Konstanz. Noch deutlicher fällt der langfristige Trend aus: 41 Prozent können sich grundsätzlich vorstellen, auszuwandern. „Die Studie unterstreicht, wie dringend junge Menschen verlässliche Perspektiven für Arbeit, Wohnen und finanzielle Sicherheit benötigen“, erklärt Kilian Hampel.
Arbeit
Die große Mehrheit der 14- bis 29-Jährigen ist bereit, zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Motivation liefern Geld (51 Prozent), Spaß (37 Prozent) und Zielerreichung (33 Prozent). Gleichzeitig wachsen laut Befragung jedoch Zweifel, ob sich Leistung in Deutschland noch lohnt.
Gerade in der Arbeitswelt zeigen sich überraschende Verschiebungen: Aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten und des voranschreitenden Einflusses von KI bewerten die Generationen Alpha und Z ihre beruflichen Chancen deutlich schlechter als noch zuvor.
Dies führe auch dazu, dass die berufliche Ausbildung gegenüber einem Studium wieder deutlich an Attraktivität gewinne. So würden viele junge Menschen stärker auf praxisnahe Qualifikationen und sichere Berufsperspektiven setzen. Der Grund: die zunehmende Sorge vor Arbeitslosigkeit. Die Leute kaufen weniger, Unternehmen stellen vermehrt aus und besetzen die Stellen nicht nach und haben mit zusätzlichen Belastungen wie hohen Energiekosten zu kämpfen. Das sind alles Faktoren, die sich laut dem Deutschen Gewerkschaftsbund auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen.














