Musik-Tipp
Das neue „Bleachers“-Album folgt in den Spuren von Bruce Springsteen
Wenn man sich die Karriere von Musikproduzent Jack Antonoff anschaut, wirkt seine Indie-Band Bleachers beinahe nur wie eine kleine Fußnote: Am Anfang seiner Karriere erzielte er mehrere Hits mit der Band Fun. Nachdem diese sich auflöste, wurde Jack zu einem der gefragtesten Talente in der Musikindustrie: Er produzierte für Sabrina Carpenter, The 1975 und steht auch im Kleingedruckten bei jedem zweiten Song von Taylor Swift. Und selbst das deckt nur im Ansatz ab, wie allgegenwärtig Jack Antonoffs Arbeit ist. Doch wie klingt es, wenn sich der Mann hinter dem Studiotisch selbst in den Mittelpunkt stellt?
Darum geht’s: Dafür hat Jack die Band Bleachers gegründet. Angefangen hat die Gruppe 2014 mit trendigem Alternative-Rock, sanften Synthesizern und explosiven Refrains. Doch spätestens seit der Pandemie zeigt die Musik der Band, welchem Star Jack Antonoff am meisten hinterhereifert: Bruce Springsteen. Jedes neue Album von Bleachers nähert sich immer mehr dem Sound vom Boss an. Genauso wie er versucht Jack Antonoff, seine persönlichen Erlebnisse an ein nostalgisches und gleichzeitig kaputtes Amerika zu knüpfen. Seitdem er im Song „Chinatown“ sogar ein Lied unter dem Bleachers-Namen mit Bruce Springsteen als Feature veröffentlicht hat, verstellt Jack häufig seine Stimme, um ein bisschen mehr wie sein Idol zu klingen. Bietet das neue Album der Band nun aber weiter nur eine billige Kopie von Bruce Springsteen oder erfrischenden Retro-Rock?
Die Musik: „everyone for ten minutes“ heißt das Werk und es erinnert an vielen Stellen an Jack Antonoffs Arbeit aus den vergangenen Jahren: Der erste Song „sideways“ klingt stark wie „About You“ von The 1975, das der Bleachers-Frontmann vor einigen Jahren produzierte und zu einem großen TikTok-Hit wurde. Auf den anderen Songs kollidieren Saxofon und Akustikgitarren mit atmosphärischen Synthesizern und Autotune-Gesang. Retro- Instrumentals mit modernen Produktionstechniken: ein spannender Gegensatz, der gut funktioniert.
„dirty wedding dress“ ist Bruce Springsteen durch und durch. Jack Antonoff singt wieder mit einem aufgesetzten, raueren Ton. Dass das ein bisschen lächerlich klingt, kann man aber ziemlich einfach ignorieren. Denn das Lied ist ansonsten grandios. Der Chorus ist ein absoluter Ohrwurm und das Lied explodiert immer wieder aufs Neue, wenn es zu ihm zurückkehrt. Vor allem das Saxofon, das sich durch das ganze Album zieht, untermalt den Text perfekt.
Jack Antonoff singt über seine chaotische Hochzeit mit der Schauspielerin Margaret Qualley. Die Feier machte Schlagzeilen, nachdem sich die Presse und wahnsinnig gewordene Swifties auf das Ereignis stürzten, weil Taylor Swift unter den Gästen war. Mit viel Biss und lustigen Szenen lästert Jack Antonoff über respektlose Journalisten und beschreibt liebevoll, wie es trotzdem der schönste Tag seines Lebens war.
Fazit: Leider hat das neue Bleachers- Album dasselbe Problem wie jedes andere Werk der Band: Ungefähr ab der Hälfte ist die Luft raus. Die ersten sechs Lieder tragen viel Energie, machen Spaß und bei „everyone for ten minutes“ schafft es Jack Antonoff auch mal, ein paar kreative Texte zu schreiben. Aber danach kommt eine mittelmäßige Ballade nach der anderen.
Zumindest für den letzten Song lohnt es sich aber, „everyone for ten minutes“ ganz durchzuhören: Bei „upstairs at els“ geht es nämlich um Jacks illustre Karriere als Produzent. Er beschreibt lange Nächte in den legendären Studios von Electric Lady und gibt ein wenig Einblick, wie die ganzen Pop-Hits entstanden sind, an denen er mitgearbeitet hat. Ist das vielleicht ein wenig selbstverliebt? So viel Einfluss wie Jack Antonoff in den vergangenen Jahren über die bekanntesten Songs auf dem Planeten hatte, ist dieser kleine Ego-Trip eigentlich auch verdient.










