Weltverband in der Krise

FIFA-Experte: „Infantino wird einen Ausweg suchen“

Er hat sich viel Respekt erarbeitet: Hans-Joachim Eckert. (Archivbild)

Er hat sich viel Respekt erarbeitet: Hans-Joachim Eckert. (Archivbild)

Von dpa

Der frühere Vorsitzende der FIFA-Ethikkommission, Hans-Joachim Eckert, erwartet in der FIFA-Krise weiter erbitterten Widerstand von Weltverbandschef Gianni Infantino. Infantino hat mit seinem gescheiterten Plan, WM-Rechte an private Investoren zu verkaufen, massive Kritik ausgelöst. Bei einer Krisenrunde in Marokko erhielt er Rückendeckung seines Führungszirkels und warnte bei Angriffen auf die Integrität der FIFA mit Konsequenzen.

„Das ist eine Drohung. Angriff ist das beste Mittel der Verteidigung, das war schon immer so. Er macht damit klar, dass Angriffe aus der FIFA heraus oder auf die FIFA von anderen Seiten geahndet werden. Er will weichspülen, er möchte die FIFA nicht in schlechtem Licht dastehen lassen“, sagte Eckert (78) der Deutschen Presse-Agentur.

Hans-Joachim Eckert (l) arbeitet auch heute noch vor Gericht. (Archivbild)

Hans-Joachim Eckert (l) arbeitet auch heute noch vor Gericht. (Archivbild)

Infantino steht massiv unter Druck, denkt offensichtlich aber nicht an einen Rückzug. „Infantino wird einen Ausweg suchen, dazu gehört dieses Krisentreffen. Ob es der Anfang vom Ende ist? Es kann sein, muss aber nicht sein. Infantino wird kämpfen“, sagte Eckert.

Dieses Verhalten sei jedenfalls „typisch für alle diese Leute, die auch in Unternehmen hohe Positionen haben. Da hebt er sich von der Masse der anderen nicht ab, dass man um sein Amt kämpft. Er verdient einen Haufen Geld mit seinem Job und da will er dabei bleiben“, erklärte Eckert.

„Also ist es ein völlig normales Verhalten von ihm, dass er gegensteuert und sagt: Wir entschuldigen uns mal. Ob das die FIFA-Community schluckt, wage ich zu bezweifeln.“

Eckert leitete von 2012 bis 2017 die rechtsprechende Kammer der FIFA-Ethikkommission. In seine Amtszeit fielen die langjährigen Sperren des damaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter und des damaligen UEFA-Chefs Michel Platini.

Sanktionen ohne Rücksicht auf Ämter brachten Eckert mit dem damaligen Chefermittler Cornel Borbély großen Respekt ein. Unmittelbar vor dem FIFA-Kongress im Mai 2017 in Bahrain unter der neuen FIFA-Führung um Blatter-Nachfolger Infantino mussten beide gehen.

Eckert befürwortet das Vorgehen der Europäischen Fußball-Union (UEFA), der FIFA im Zusammenhang mit dem gescheiterten Investorendeal mit rechtlichen Schritten zu drohen. Technologieinvestor Joshua Kushner, dessen Bruder Jared mit der Tochter von US-Präsident Donald Trump, Ivanka, verheiratet ist, hätte über seine Investmentfirma eine Schlüsselrolle übernehmen sollen.

„Es ist durchaus gängig, dass man belastende Dokumente verschwinden lässt. Man wird sehen, was dann herauskommt, wie weit diese Vorgespräche waren, ob es Vorverträge gegeben hat, ob Geld geflossen ist etc. Ich glaube nicht, dass ein Herr Kushner mit Hintergrund Trump sich die Butter vom Brot nehmen lassen wird, wenn hier schon irgendetwas in Vorbereitung gegangen ist und er vielleicht auch schon Geld investiert hat“, erläuterte Eckert.

„Da müssen die Verträge auf den Tisch, und das ist auch Sache der FIFA, das offenzulegen, und zwar in allen Einzelheiten. Wer hat wann angefangen mit diesem Gedanken, wer hat es vorangetrieben und so weiter“, erklärte er weiter. „Das ist die Transparenz, die Infantino 2016 versprochen hat. Die soll er gefälligst auch einhalten.“

Eckert erinnerte daran, dass Infantinos jüngster geplanter Deal nicht neu ist. „Er hat es ja 2018 schon einmal mit dem Verkauf von Anteilen probiert und ist damit nicht durchgekommen. Das Council hat damals so reagiert, wie es reagieren musste: Wer investiert denn da Geld? Dann hat Infantino gesagt, das könne er jetzt noch nicht sagen. Darauf erwiderte das Council: Dann halt nicht“, erzählte Eckert.

„Diesmal wollte es Infantino ohne Council machen. Er hätte das so weit vorangetrieben, bis man dann gesagt hätte: Ja, dann schluckt man halt die Kröte. “

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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