Fußball-Nationalmannschaft
„Kaugummi“ Raum sieht Luxusproblem für Nagelsmann

Christian Charisius/dpa
Ridle Baku (l.) und David Raum (r.) sprechen bei der DFB-Pressekonferenz über ihre Rollen.
Julian Nagelsmann ist bei der Nationalmannschaft nicht nur als Fußball-Lehrer gefordert. Vor dem Endspurt um das WM-Ticket musste der Bundestrainer auch Nachhilfe in Regelkunde für einen falsch informierten TV-Reporter leisten. Warum er für einen vierten Torhüter auf einen Feldspieler im aktuellen Aufgebot verzichte, und ob ihm dieser nicht fehle, wollte dieser wissen.
„Wieso soll der fehlen? Wir haben ja 21 Feldspieler dabei“, antwortete Nagelsmann nach einem Moment der Verwunderung freundlich und erklärend. „Es gibt ja Regularien, wie viele Torhüter auf der Bank sitzen dürfen. Also das ist immer gleich, ob du jetzt acht Torhüter mitnimmst oder vier, das ist immer gleich“, sagte Nagelsmann.
Tatsächlich ist es so, dass der Bundestrainer für das Training so viele Feldspieler und Torhüter nominieren kann, wie er will. Bei den Partien am Freitag (20.45 Uhr/RTL) in Luxemburg und am Montag (20.45 Uhr/ZDF) in Leipzig gegen die Slowakei dürfen dann aber nur 23 Spieler auf dem Spielberichtsbogen stehen, drei davon müssen Torhüter sein.
Nagelsmann wird also wie in den Oktoberspielen gegen Luxemburg (4:0) und in Nordirland (1:0) Spieler nicht berücksichtigen können. Derzeit hat er 25 Akteure im Kader. In Oliver Baumann als Nummer eins, Alexander Nübel, Finn Dahmen und Noah Atubolu sind vier Torhüter dabei. Einer muss auf die Tribüne, auf der gegen Luxemburg auch der gelb-gesperrte Karim Adeyemi sitzen wird. So kommt Nagelsmann auf 23 Akteure.
Die Fehlannahme über die Kadergröße basiert noch auf der EM-Regel aus dem Vorjahr. Damals durfte Nagelsmann laut UEFA-Vorgabe 26 Spieler nominieren, darunter drei oder vier Torhüter. Der Bundestrainer nominierte zunächst die Schlussmänner Manuel Neuer, Marc-André ter Stegen, Baumann und Nübel - strich dann aber letzteren, um 23 statt 22 Feldspieler dabei zu haben.
Vor den entscheidenden WM-Qualifikationsspielen am Freitag (20.45 Uhr/RTL) in Luxemburg und drei Tage später gegen die Slowakei in der Heimat des Außenverteidiger-Duos in Leipzig hat Raum nicht nur eine enorme Entwicklung in der DFB-Elf genommen. Der 27-Jährige ist auf einer der größten Problempositionen des deutschen Fußballs zu einer Charaktergröße geworden.
Es mag Zufall gewesen sein, dass die Außenverteidiger Raum und Baku ausgerechnet am 42. Geburtstag von Philipp Lahm im Doppelpack auf dem Pressepodium der Fußball-Nationalmannschaft Platz nahmen. Der Weltmeister von 2014 und Ehrenspielführer ist für die defensive Außenbahn immer noch eine Richtschnur und bislang an Ausstrahlung und sportlicher Führungskraft allenfalls vom aktuellen DFB-Kapitän Joshua Kimmich in Ansätzen erreicht.
Und doch ist es gerade Raums Verdienst, dass die linke Außenbahn nicht mehr ständige Wechselzone im DFB-Team ist. Im Dutzend jagten Nagelsmanns Vorgänger Joachim Löw und Hansi Flick die Kandidaten dort durch.
Als Stammkraft kann sich Raum in der laufenden WM-Qualifikation in jedem Fall sehen. Kernkompetenz: Flanken, Freistöße und unermüdlicher Einsatz. „Weltklasse haben wir auf anderen Positionen. Ich konzentriere mich auf das, was ich kann“, sagte der 32-fache Nationalspieler, dem im Hinspiel gegen Luxemburg (4:0) sein erster DFB-Treffer gelang.
Erster Herausforderer ist mittlerweile der junge Frankfurter Nathaniel Brown, noch vor dem Stuttgarter Maximilian Mittelstädt, der seine Poleposition im EM-Jahr eingebüßt hat und derzeit keinen Platz im Kader hat. Nagelsmann sprach sogar schon von einer Art Überangebot wie auf der Sechserposition. Raum sieht für den Trainer fast schon „ein Luxusproblem“.
Für Club-Kollege Baku bleibt auf der rechten Außenbahn nach vier Jahren DFB-Pause die Rolle des Backups für Kimmich, verbunden mit der Resthoffnung, dass der Kapitän vielleicht auch mal wieder ins Zentrum rücken wird. „Ich will so viel aufsaugen, wie es geht“, sagte er.













