Deutschlandweit bekannt

Mit Comedian Maxi Gstettenbauer unterwegs daheim in Schwarzach

Der gebürtige Straubing-Bogener ist inzwischen als Stand-Up-Comedian deutschlandweit bekannt. Er ist angekommen: beim Publikum, bei sich selbst – aber auch daheim? Über das Heimspiel eines untypischen Niederbayern.

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In der Schwarzacher Turnhalle hat alles angefangen. Hier sammelte Gstettenbauer erstmals Bühnenerfahrung.

In der Schwarzacher Turnhalle hat alles angefangen. Hier sammelte Gstettenbauer erstmals Bühnenerfahrung.

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Im Video erzählt Patrick Fuchs aus der Redaktion für den Landkreis Straubing-Bogen, wie die Geschichte hinter diesem Türchen entstanden ist.

Samstag, 15 Uhr. "Servus Maxi!", ruft eine blonde Frau über den Schwarzacher Marktplatz. "Der halbe Ort kommt heute." In fünf Stunden wird Stand-up-Comedian Maxi Gstettenbauer unter Beifall seiner Fans, Bekannten und alten Schulkameraden im 15 Minuten entfernten Oberalteicher Kulturforum auf die Bühne geklatscht. Heimspiel für den gebürtigen Straubing-Bogener. Aus "Herr Deppe" vom Schultheater ist Schwarzachs berühmtester Sohn geworden. Obwohl, oder vielleicht gerade weil, er mit dem Klischee-Bayerntum nie wirklich etwas anzufangen wusste.

Maxi Gstettenbauer füllt aktuell mit seinem Programm "Stabil" Hallen in Mainz, Hamburg und Köln. Dem 36-Jährigen ist gelungen, was überhaupt nur wenigen Comedians und noch weniger bayerischen Comedians gelingt: deutschlandweit bekannt werden. Er selber nennt es "einen Riesenzufall, dass es so gekommen ist". Denn eigentlich ist Gstettenbauer gelernter Redakteur. Beim Tech-Portal Giga machte er mit 18 Jahren ein Volontariat, zog dafür nach Köln, war Gaming-Journalist und Moderator. Doch schon früh war da der Wunsch nach mehr.

"Eigentlich wollten viele meiner Kollegen irgendwann mal Stand-up-Comedy machen. Oder sogar eine eigene Late-Night-Talkshow moderieren. Aber keiner hat es so wirklich probiert." Bis auf Gstettenbauer. Denn der hatte zu dem Zeitpunkt schon Blut geleckt. Wie er selber sagt: "Der Comedian in mir war schon früh geboren." Noch in Schwarzach.

Ein Hocker, ein Mikrofon, ein Mann im Rampenlicht: Mehr braucht Maxi Gstettenbauer nicht.

Ein Hocker, ein Mikrofon, ein Mann im Rampenlicht: Mehr braucht Maxi Gstettenbauer nicht.

Gstettenbauer startete als Depp im Theater

Dort stand er das erste Mal auf einer Bühne. Er spielte im Schultheater eine Rolle namens "Herr Deppe". Einen lustigen Part. Der Name war Programm. Um die 300 Leute, schätzt er, haben zugeschaut. Schauort: die Turnhalle der Grund- und Mittelschule Schwarzach. "Als die Leute dann über die Pointen gelacht haben – das hat mir einen unglaublichen Kick gegeben", erinnert sich Gstettenbauer. Die Faszination Humor lässt ihn nicht mehr los. Wie kommen Lacher zustande? Diese Frage stellt sich Gstettenbauer immer wieder. "Ich mochte es einfach, Leute zum Lachen zu bringen." Und er mochte Leute, die ihn zum Lachen brachten.

Fragt man zehn bayerische Comedians, wer denn ihre Vorbilder sind, würden wahrscheinlich neun antworten: Gerhard Polt und Karl Valentin. Der zehnte Befragte ist Maxi Gstettenbauer. Gefallen fand der nämlich in seiner Jugend an US-amerikanischen Stand-Up-Comedians wie Jerry Seinfeld. "Ich bin kein klassisch bayerischer Künstler. Ich habe einen starken amerikanischen Einschlag."

Und auch so kann man Gstettenbauer kaum als einen "typischen Bayern" bezeichnen. Schneeweiße Sneaker, schwarze Jeans, dunkelblauer Rollkragen-Zipper, Nerdbrille. Er hat ein Faible für Videospiele wie "Monster Hunter Wilds" und "God of War: Ragnarök". Feiern ging er nie wirklich gerne, beneidet Menschen, "die unironisch auf ein Volksfest gehen und dort Spaß haben können". Bairisch spricht er zwar - aber nicht auf der Bühne. Dort gibt es Maxi Gstettenbauer auf Hochdeutsch.

"Die Sprache hat einfach eine große Auswirkung auf die Art des Humors", sagt er. Es geht um einzelne Silben. Millisekunden, die entscheiden, ob eine Pointe sitzt oder nicht. Als Beispiel führt er den Polt-Klassiker vom Oktoberfest an. "Alleine so eine Aussage wie: 'Des Gschwerl hau i zum Deife!' Auf Bairisch genial, auf Hochdeutsch würde es nie funktionieren. Für 'Gschwerl' gibt es ja nicht einmal ein Wort." Andersrum gelte dasselbe Prinzip. Er findet, mit seiner Art von Humor passt das nicht zusammen. Und trotzdem steht Maxi Gstettenbauer nun vor niederbayerischem Publikum. Mit amerikanischem Humor – und Depressionen.

Denn auch wenn er erfolgreich, witzig und umjubelt ist, ist er von der Krankheit betroffen. Der 36-Jährige leidet seit über zwölf Jahren daran. Damit geht er offen um, hat 2022 ein Buch darüber geschrieben, und auch in seinem neuen Buch wird die Krankheit wieder ein Thema sein. Er redet in den sozialen Medien über sein Leben mit Depressionen. Zentrale Botschaft: Es kann jeden jederzeit treffen, egal, wie witzig, erfolgreich und umjubelt man ist.

Comedy und Depression - passt das zusammen? Für Gstettenbauer eine komische Frage. Traurigkeit und Comedy gehen für ihn, wenn überhaupt, Hand in Hand: "Viele Witze oder lustige Geschichten basieren doch darauf, dass irgendeiner auf die Fresse fliegt." Das kennt Gstettenbauer nur zu gut.

Ein Hocker, ein Mikrofon, ein Mann im Rampenlicht: Mehr braucht Maxi Gstettenbauer nicht.

Ein Hocker, ein Mikrofon, ein Mann im Rampenlicht: Mehr braucht Maxi Gstettenbauer nicht.

"Zufriedenheit wird dämonisiert"

Wohin Gstettenbauer auf Tour reiste – Panikattacken und Depressionen folgten ihm eine Zeit lang auf Schritt und Tritt. Mittlerweile hat sich das gebessert, sagt er: "Aktuell fühle ich mich stabiler." Auch dank Therapie. "Erst wenn man in Therapie ist, wird man sich der Auswirkungen der Krankheit so richtig bewusst: Dass man weniger lacht, die Leichtigkeit fehlt." Diese spürt er momentan wieder.

Mit seinen Depressionen spielte er auch Shows und Touren. Klar macht ihm das Auftreten Spaß. "Aber das sind nur zwei Stunden am Tag. Da ist man der Held, wird bejubelt und beklatscht. Danach im Hotelzimmer liegt man wieder alleine rum. Da kann schon eine innere Leere entstehen." Mit innerer Leere, da ist Gstettenbauer sich sicher, war und ist er nicht alleine: "Wenn 47 Prozent der Deutschen schon einmal Erfahrungen mit Depressionen gemacht haben, dann ist es an der Zeit, die Ursachen und vielleicht auch das System zu hinterfragen", findet er.

Und damit verbunden auch die 'Selbsthilfe-Industrie', mit der Gstettenbauer in seinem neuen Buch abrechnet. "Es findet eine Art Dämonisierung von Zufriedenheit statt", sagt er am Nachmittag vor seinem Auftritt auf einer Bank am Schwarzacher Marktplatz. Während er darüber spricht, hält er einige Sekunden inne. Den Blick in den Himmel gerichtet, rutscht er etwas tiefer in die Bank. Der Bass seiner Stimme lässt die Lehne der Holzbank, auf der er sitzt, vibrieren. Von dem lustigen Maxi, der auch mal auf der Bühne schreit, Frauenstimmen imitiert, zweideutige Pointen setzt, merkt man beim Gespräch in seinem Heimatort nicht viel. Er wirkt ruhig, besonnen, gelassen.

Den Comedian packt er erst in Oberalteich aus. Dort warten die Fans auf ihn. Vor dem Eingang stehen Raucher, trotzdem ist bereits um 19.30 Uhr der Saal voll. Bis zu 400 Personen haben im Kulturforum Platz. Vergleichbar viele wie bei seinem Debüt. Diese 400, darunter einige alte Bekannte, sind heute Abend die Schiedsrichter. Ihre Lacher entscheiden darüber, ob Maxis Heimspiel ein Heimsieg wird.

Nervös ist Gstettenbauer nicht. Er hat Vertrauen in sein Programm: "Ich schreibe nur, was ich auch selber lustig finde." Und selbst wenn: Ablehnung des Publikums, damit muss man als Comedian lernen umzugehen. Ohnehin komme der Beruf mit einer gewissen Bescheidenheit einher. Zwar steht man im Mittelpunkt, füllt Hallen, wird bejubelt und beklatscht. Und trotzdem entscheidet gerade das Publikum, ob man gut ist – oder eben nicht. Daran zerbrechen viele Comedians.

"Echte Freiheit bei deinen Auftritten hast du dann, wenn du die Angst davor ablegst, nicht geliebt zu werden", betont Gstettenbauer. Das gelinge ihm mittlerweile. Fast immer, aber eben auch nicht immer. Die Lockerheit, mit der er heute auf der Bühne steht – Hand in der Jackentasche, das Mikrofon lässig zwischen Daumen und Zeigefinger eingezwickt – die hat er sich auch erst erspielen müssen. Ob er die auch im Kulturforum vor heimischer Kulisse entfalten kann?

"Wie ich mich selber gefunden hab? Egal."

19.59 Uhr. Das Licht im Kulturforum geht aus. Die letzten Tuschler verstummen. Vereinzelte Goidhaiberl klirren beim Abstellen. Grelles Scheinwerferlicht auf die Bühne gerichtet, der Rest der Halle versinkt in Dunkelheit.

Maxi Gstettenbauer kommt mit großen, energiegeladenen Schritten auf die Bühne, in das Licht, greift sich das Mikrofon vom Ständer, winkt, lässt den Applaus kurz auf sich wirken: "Servus! Ich bin froh, dass ich hier sein darf", fängt er an, "dass mir Söder ein Visum ausgestellt hat." Lacher. Und da ist er auch gleich, der lockere Maxi. Hand in der Jackentasche, er saugt die ersten Lacher des Publikums kurz auf. Und legt nach: "Da ist man einmal wieder da – und die ganze Innenstadt ist kaputt", nimmt er Bezug auf die Brückensanierung in Bogen. Wieder Lacher. Szenenapplaus. Der Einstieg ist geglückt.

"Der halbe Ort kommt", das scheint nicht übertrieben gewesen zu sein. Viele sind hier, Klassenkameraden, alte Bekannte, sein Sportlehrer aus der zehnten Klasse. Dieser hat ihm sogar das Abschlussbuch mitgebracht. Maxi Gstettenbauer: große Klappe, nix dahinter. Sie lachen. Sein Lehrer klopft ihm auf die Schulter. "Aus Sicht der anderen war ich schon der Klassenclown", gesteht Gstettenbauer.

Mit Erfolg. Er erntet für den Auftritt viele Lacher, viel Applaus, viele Schulterklopfer von alten Bekannten bei der Autogrammstunde. Aus dem Heimspiel wurde ein Heimsieg – und aus der großen Klappe der 10b der Straubinger Schmidl-Mittelschule, M-Zug-Klasse, ein erfolgreicher Comedian, der in den großen Hallen in Köln ebenso punkten kann wie im kleinen Kulturforum im tiefen Niederbayern.

"Wie ich mich selber gefunden hab?", sagt Gstettenbauer nach dem Auftritt backstage. "Ist doch egal. Dem Publikum scheint es gefallen zu haben, das ist die Hauptsache." Maxi ist daheim angekommen.

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