Handysucht?

Lehrer fordern: Plattformen müssen Kinder besser schützen

Der Philologenverband fordert bundesweit verbindliche Regeln für private Smartphones während der Schulzeit. (Symbolbild)

Der Philologenverband fordert bundesweit verbindliche Regeln für private Smartphones während der Schulzeit. (Symbolbild)

Von dpa

Der Deutsche Philologenverband (DPhV) fordert vor den erwarteten Empfehlungen der Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ strengere Regeln für soziale Medien und Smartphones. Der Verband, der unter anderem Lehrkräfte in verschiedenen Bildungseinrichtungen vertritt, sieht dabei vor allem die Plattformanbieter in der Verantwortung. „Wenn Kindern und Jugendlichen die Selbstdisziplin zugeschrieben wird, die selbst vielen Erwachsenen fehlt, dann entlastet das genau jene Plattformanbieter, die in die Pflicht genommen werden müssen“, sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Lin-Klitzing.

Für Lehrkräfte sei problematische Handynutzung längst Alltag, oft schon vor Unterrichtsbeginn, argumentiert der Verband. Sie erlebten täglich, wie Schülerinnen und Schüler gegen Chatnachrichten, Push-Mitteilungen und Videos in Endlosschleifen kämpften und sich dem oft kaum entziehen könnten, sagte Lin-Klitzing. Studien zeigten, dass inzwischen 60 Prozent ein suchtähnliches Nutzungsverhalten aufwiesen. „Wer Kinder schützen will, muss vor allem die regulieren, die von ihrer Aufmerksamkeit profitieren.“

Der Verband fordert unter anderem, suchtfördernde Mechanismen für Minderjährige abzuschalten, Altersgrenzen wirksam durchzusetzen und Anbieter stärker in die Haftung zu nehmen. Zudem spricht er sich für bundesweit einheitliche Regeln für private Smartphones an Schulen aus. Als Vorbild nennt er Schleswig-Holstein, wo für die Klassenstufen 1 bis 9 weitgehende Einschränkungen gelten. „Andere Länder sollten diesen Schritt nicht länger aufschieben“, so der Verband.

Zugleich warnt der Verband davor, Schutz und Bildung gegeneinander auszuspielen. Neben klaren Regeln brauche es mehr Medienbildung in allen Schulstufen sowie ein eigenständiges Pflichtfach Informatik.

Die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ soll bis zum Sommer Vorschläge unter anderem zu Altersgrenzen für soziale Netzwerke und Handyregeln an Schulen vorlegen.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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