Feuer wüten weiter

Unberechenbares Feuer kommt Metropolregion Bordeaux näher

Ein Airbus A400M wirft Löschmittel über dem Waldbrand nahe Lacanau ab.

Ein Airbus A400M wirft Löschmittel über dem Waldbrand nahe Lacanau ab.

Von dpa

Der Waldbrand im Großraum Bordeaux im Südwesten Frankreichs spitzt sich zu. Das Feuer ist nach Angaben von Bürgermeister Thomas Cazenave inzwischen rund 15 Kilometer von der Metropole entfernt. Er sagte nach Angaben der Regionalzeitung „L'Indépendant“, die Einwohnerinnen und Einwohner von Bordeaux bereiteten sich derzeit nicht auf eine Evakuierung vor. Zugleich betonte er, die Stadt sei darauf vorbereitet, auf jede mögliche Entwicklung zu reagieren.

Nach Angaben der Behörden wurden seit Mittwoch in der Gironde, dem Verwaltungsbezirk rund um Bordeaux, rund 220.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Der größte Waldbrand der Region hat inzwischen rund 42.000 Hektar Wald und Buschland zerstört

Aus der Luft sind ausgebrannte Autos nach einem Waldbrand zu sehen.
Aus der Luft sind ausgebrannte Autos nach einem Waldbrand zu sehen.
Aus der Luft sind ausgebrannte Autos nach einem Waldbrand zu sehen.
Ein Anwohner kämpft gegen die Flammen.
Ein Anwohner kämpft gegen die Flammen.
Ein Anwohner kämpft gegen die Flammen.
Über 200 000 Menschen wurden mittlerweile in Sicherheit gebracht.
Über 200 000 Menschen wurden mittlerweile in Sicherheit gebracht.
Über 200 000 Menschen wurden mittlerweile in Sicherheit gebracht.
Besonders verheerend waren in Spanien die Feuer in der Umgebung von Madrid sowie in den benachbarten Provinzen Ávila und Toledo.
Besonders verheerend waren in Spanien die Feuer in der Umgebung von Madrid sowie in den benachbarten Provinzen Ávila und Toledo.
Besonders verheerend waren in Spanien die Feuer in der Umgebung von Madrid sowie in den benachbarten Provinzen Ávila und Toledo.
Derzeit schließt der Bürgermeister von Bordeaux eine Evakuierung der Bewohner der Stadt aus.
Derzeit schließt der Bürgermeister von Bordeaux eine Evakuierung der Bewohner der Stadt aus.
Derzeit schließt der Bürgermeister von Bordeaux eine Evakuierung der Bewohner der Stadt aus.
Spaniens König Felipe VI. besuchte eine Notunterkunft.
Spaniens König Felipe VI. besuchte eine Notunterkunft.
Spaniens König Felipe VI. besuchte eine Notunterkunft.

Der Brand bleibt schwer kontrollierbar. In der Nacht sei das Feuer in der Gironde wieder „äußerst heftig und unberechenbar“ geworden, erklärte Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez auf der Plattform X. Die Flammen hätten eigene Winde erzeugt und sich in Richtung des Großraums Bordeaux bewegt. Zeitweise entwickelte sich ein sogenannter Pyrocumulonimbus - eine gewaltige Rauchwolke, die das Feuer weiter anfachen und seine Ausbreitung schwer vorhersehbar machen kann.

Wegen der anhaltenden Gefahr ordnete die Präfektur in der Nacht die vorsorgliche Evakuierung von 55.000 weiteren Menschen in mehreren Gemeinden westlich und südwestlich von Bordeaux an. Nach Angaben der Behörden vom Nachmittag wurden rund 240 Wohnhäuser zerstört.

Innenminister Nuñez warnte vor einem langwierigen Einsatz. „Das Feuer wird lange zu bekämpfen sein“, sagte er in einem Interview mit „La Tribune Dimanche“. Rund 2.500 Feuerwehrleute, unterstützt von etwa 1.500 Soldaten, kämpfen gegen die Flammen. Zusätzlich kommen Löschflugzeuge und Hubschrauber zum Einsatz. Landwirte unterstützen die Einsatzkräfte mit Wasseranhängern und Verpflegung.

Parallel dauerten die Löscharbeiten in anderen Teilen Frankreichs an. Im Département Landes ist ein Feuer zwar besser unter Kontrolle, aber noch nicht gelöscht. An der Mittelmeerküste im südfranzösischen Var hat ein Brand bei Gros Bessillon rund 4.500 Hektar erfasst.

Die Folgen der Brände sind inzwischen auch im Alltag der Menschen spürbar. Dichter Rauch hat Teile der Départements Gironde und Landes verdunkelt. Die Behörden warnen vor gesundheitsschädlichen Stoffen wie Feinstaub, Kohlenmonoxid und Schwermetallen. In betroffenen Orten steigt die Nachfrage nach Atemmasken.

Um Einsatzkräfte und Bevölkerung vor den giftigen Rauchschwaden zu schützen, wurden nach Angaben von Premierminister Sébastien Lecornu 1,5 Millionen FFP2-Masken in die Gironde gebracht.

Auch der Verkehr war beeinträchtigt: Die Autobahn A63 zwischen Bordeaux und Spanien wurde auf rund 60 Kilometern gesperrt, der Bahnverkehr südlich von Bordeaux blieb bis auf weiteres unterbrochen.

Auch die letzte Etappe der Tour de France war von der angespannten Lage betroffen. Wegen der außergewöhnlichen Mobilisierung von Sicherheitskräften wurde die Strecke zwischen Mantes-la-Ville und Paris am Sonntag von 133 auf 89 Kilometer verkürzt. Ein Teil der Einsatzkräfte sollte in die von den Bränden betroffenen Gebiete, insbesondere in die Gironde, verlegt werden.

Auch in Spanien wüteten zahlreiche Waldbrände weiter. Besonders verheerend waren die Feuer in der Umgebung von Madrid sowie in den benachbarten Provinzen Ávila und Toledo, wo die Flammen insgesamt bereits rund 77.000 Hektar Wald- und Buschland erfassten und mehrere Ortschaften bedrohten.

Große Sorgen bereitete auch ein Brand in der Provinz Castellón im Osten des Landes. Insgesamt waren in Spanien nach Angaben des Innenministeriums rund 120.000 Menschen von Evakuierungen oder Ausgangsbeschränkungen betroffen.

In den vergangenen Stunden gab es jedoch ermutigende Nachrichten. Vor allem in Madrid sowie in den angrenzenden Provinzen konnten die Einsatzkräfte in der Nacht dank niedrigerer Temperaturen, höherer Luftfeuchtigkeit und schwächerer Winde bedeutende Fortschritte erzielen.

Nach Angaben der Militärischen Nothilfeeinheit (UME) sind dort inzwischen alle Hauptfronten eingedämmt, auch wenn mehrere Brandherde aktiv bleiben. „Die kommenden Stunden bleiben sehr schwierig“, sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez bei einem Besuch des zentralen Einsatzkommandos in Ávila. „Aber die Nacht ist sehr positiv verlaufen.“

König Felipe VI. und Königin Letizia besuchten am Sonntag eine Notunterkunft für Evakuierte in Villamanta westlich von Madrid. Der König sprach den Betroffenen seine Unterstützung aus und verwies zugleich auf „positive Anzeichen“ bei der Entwicklung der Brände. Zugleich dankte er den Tausenden Einsatzkräften und betonte: „Die Koordination ist beispielhaft. Gemeinsam kann man jeder Gefahr begegnen.“

Die Feuerwehr in Italien kämpft ebenfalls gegen zahlreiche Brände. Allerdings haben die Feuer längst nicht das Ausmaß wie in Frankreich und Spanien. Betroffen sind insbesondere Regionen auf dem Festland im Süden sowie Italiens größte Inseln Sizilien und Sardinien. Auf Sardinien musste in der Umgebung der Inselhauptstadt Cagliari ein Altersheim evakuiert werden. Auf Sizilien bereitet Probleme, dass die Feuer durch den Wüstenwind Scirocco angefacht werden, der übers Mittelmeer aus Afrika kommt.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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