Musik-Tipp

Phoebe Bridgers singt über die Geister verlorener Männer

Auf dem neuen Album der US-amerikanischen Sängerin Phoebe Bridgers geht es um die Sünden ihres Vaters, ihres Ex-Partners und neugefundene Liebe. Die Musik spukt garantiert lange durch den Kopf jedes Hörers.

Musikerin Phoebe Bridgers.

Musikerin Phoebe Bridgers.

Die Künstlerin: Phoebe Bridgers ist bekannt für ihre tragischen Texte, sarkastischen Humor und beinahe geflüsterten Gesang. Auf diese Weise kann man die Sängerin am besten mit Lana Del Rey vergleichen, mit etwas besseren Bewertungen bei Kritikern, dafür mit weniger großen Pop-Hits.

Ihr letztes Werk war 2023 unter dem Namen boygenius mit den Musikerinnen Lucy Dacus und Julien Baker. Das letzte Solo-Album „Punisher“ ist fünf Jahre her und machte die Sängerin berühmt. Die wütenden und persönlichen Texte über den Weltuntergang und die Flucht vor dem Kleinstadtleben trafen 2021 wohl einen Nerv.

Das neue Album: „Lost Weekend“ ist nun der Name des neuen Projekts. Die Texte drehen sich vor allem um drei Männer, die das Leben der Musikerin geprägt haben: Auf dem ersten Lied „The Outside“ geht es um die Beerdigung ihres Vaters, zu dem sie ein kompliziertes Verhältnis hatte. „Ich weine im Anzug / Aber du solltest dir mal den anderen Kerl anschauen“, singt sie mit ihrer typisch sarkastischen Feder. Ihre Stimme ist elektronisch verzerrt, passend zu dem Album-Cover, auf dem sie selbst wie ein Geist aussieht.

„Lost Weekend“ von Phoebe Bridgers, erschienen bei Dead Oceans als CD, Vinyl und auf allen Streaming-Plattformen.

„Lost Weekend“ von Phoebe Bridgers, erschienen bei Dead Oceans als CD, Vinyl und auf allen Streaming-Plattformen.

Der zweite Mann ist Phoebes Ex-Partner und Schauspieler Paul Mescal. Inzwischen ist er mit einer anderen Sängerin zusammen, Gracie Abrams, die musikalisch einen ähnlichen Sound bedient wie Phoebe und in vergangenen Jahren viel Erfolg damit feiern durfte. Der Song „The Governor’s Waltz“ ist eine verbitterte Nachricht an das Paar.

Im Kontrast dazu steht „Bobby“, der von Phoebes neuem Partner handelt, dem Comedian Bo Burnham. Viele der 16 Lieder von „Lost Weekend“ lesen sich wie Liebesbriefe an ihn und bringen dringend benötigte Leichtigkeit zwischen den Trennungsschmerz und die Trauer, die den Rest des Albums prägen. „Bobby“ ist auch musikalisch ein Höhepunkt mit treibenden Drums, Akustikgitarren und Synthesizern.

Mit euphorischen Trompeten bringt aber die Single „Lost Boys“ die Kernaussage des Albums zusammen: Phoebe Bridgers schreibt über Männer, die sowohl im positiven als auch im negativen nie erwachsen werden - und vergleicht die drei Protagonisten des Albums mit dem wohl berühmtesten Mannskind aller Zeiten: Peter Pan.

Fazit: „Lost Weekend“ erreicht nie ganz die Höhen von „Punisher“, das die emotionalen Texte mit dynamischerer Instrumentalisierung kombinierte. Das neue Album hält sich stattdessen zurück, was der Musik eine eigene Atmosphäre gibt und die Lyrics in den Fokus rückt. Die sanften, verzerrten Synthesizer klingen, als würden sie sich in Luft auflösen, wenn man zu genau hinhört. Mit der eh schon zerbrechlich wirkenden Stimme der Musikerin lädt „Lost Weekend“ eher zum langsamen Versinken in der Musik ein. Viele kürzere Songs wirken dadurch leider wie unfertige Fragmente, die aber dennoch wichtig für das Gesamtbild sind.

Eins steht aber fest: Phoebe Bridgers kann immer noch Texte schreiben, die selbst den optimistischsten Menschen melancholisch stimmen. Dafür lieben sie ihre Fans zurecht - auch wenn sie Taschentücher für jeden neuen Song bereithalten müssen.

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