Große Maschinen
Nach dem Roder kommt die Maus: So werden Zuckerrüben geerntet

Sonja Kirchensteiner
Mit dieser Maschine werden die Zuckerrüben auf einen bereitstehenden Lastwagen verladen. Die Verlademaus hat Arme wie ein Krebs, die den Zuckerrübenwall umschließen. Die Rüben verschwinden in ihrem Bauch, werden gereinigt und per Förderband auf den LKW verladen.
Riesige rote Maschinen wälzen sich im Herbst über unsere Felder. Das, was man da sieht, sind Rübenroder. Sie ernten Zuckerrüben. Diese häufen sie zu großen Bergen auf, die später von einer sogenannten Maus verladen und abtransportiert werden. Lastwagen bringen sie zum Beispiel nach Plattling. Dort wird Zucker aus den Rüben gemacht.
Rübenroder sind riesige Maschinen. Früher lief die Zuckerrüben-Ernte ganz anders ab, berichtet Landwirt Josef Heckmair aus Weihenstephan. Sein Feld ist circa 5,3 Hektar groß. Das sind mehr als sieben Fußballfelder. "Früher hatte die Ernte dieses Feldes drei bis vier Tage gedauert", erzählt er. Der große Rübenroder braucht jetzt gerade mal sechs Stunden dafür. 32 Tonnen wiegt der Rübenroder, der bei Landwirt Heckmair das Feld rodet. Noch einmal 22 Tonnen Zuckerrüben haben dann auf dem Roder Platz.
Der Rübenroder schneidet die Blätter ab und hebt die Zuckerrüben aus der Erde. Danach reinigt er sie und entfernt die meiste Erde. Sie landen dann im sogenannten Vorratsbunker, eine Art Speicher. Dieser ist schnell voll und der Fahrer muss ihn entleeren.
Anders als bei der Ernte von Getreide mit dem Mähdrescher werden Zuckerrüben jedoch nicht sofort auf einen bereitstehenden Anhänger entladen und vom Landwirt abtransportiert. Zuckerrüben werden am Rand des Feldes zu einem großen Wall aufgehäuft. Warum sie nicht abtransportiert werden, erklärt Experte Robert Huf vom Maschinenring Landshut-Rottenburg: "Die Zuckerrüben werden nach Plattling gebracht und sofort verarbeitet. Auf diese Weise muss die Fabrik die Rüben nicht zwischenlagern, bis es so weit ist."
Die Wälle aus Zuckerrüben sind meistens sehr lang. Die Fachleute nennen sie übrigens Mieten wie eine Wohnungsmiete. Sie dürfen jedoch nicht breiter als zehn Meter sein. Der Fahrer des Rübenroders muss darauf genau achten, wenn er die Rüben am Feldrand ablädt. Warum? Das hat mit dem nächsten Schritt zu tun.
Denn nach der Ernte kommt die Verlademaschine. Sie wird von den Landwirten auch Maus genannt. Diese Maschine ist noch größer als der Rübenroder. Sie fährt zu den Feldern, wenn die Zuckerrüben nach Plattling gebracht werden müssen. Im Raum Landshut gibt es genau eine solche Maschine. Sie gehört allen Landwirten, die Zuckerrüben anbauen, gemeinsam. Es würde sich gar nicht lohnen, wenn sich ein Landwirt eine eigene Maschine kaufen würde. Sie sind nämlich sehr teuer. In Landshut und Geiselhöring haben sich dafür etwa 700 Landwirte zusammengeschlossen. Sie haben auch eigene Lastwagen. Zwölf Stück benötigen sie für die Ernte.
Wenn die Verlademaschine - sie wird auch Rübenreinigungslader genannt - kommt, werden die Zuckerrüben noch einmal gereinigt und dann per Förderband auf die anfahrenden Lastwagen verladen. Die Verlade-Maus braucht ungefähr fünf Minuten, um einen Lastwagen zu füllen und kommt dabei nur ein paar Meter vorwärts. Dann muss schon wieder ein neuer Lastwagen anfahren. Die langen Zuckerrüben-Reihen gibt es übrigens noch bis kurz vor Weihnachten zu sehen. Erst nach und nach werden sie abtransportiert.
Eine süße Rübe: Aus der Pflanze wird Zucker gewonnen
Die Zuckerrübe ist eine Pflanze, die laut Experte Robert Huf einen hohen Zuckergehalt hat, nämlich zwischen 17 und 20 Prozent. Optimal gedeiht sie in sogenannten Lössböden. Sie können Wasser und Nährstoffe gut speichern. Es gibt sie zum Beispiel entlang des Isartals und im Straubinger Gäuboden. Deshalb werden dort häufig Zuckerrüben angebaut. Ein Viertel des Zuckers, den wir essen, wird aus Zuckerrüben gewonnen. Dreiviertel dagegen werden aus Zuckerrohr gewonnen. Zuckerrohr wächst zum Beispiel in dem Land Brasilien.
Die Zuckerrübe kann man auch essen. Der Geschmack ist aber sehr süß, sodass man nicht viel davon essen kann. Die Zuckerrübe ist nicht so empfindlich gegenüber Frost wie Kartoffeln. Deshalb wird sie bis in den Dezember am Feldrand gelagert.





