Die Welt aus dem Spiel heraus erleben
Jugendliche vom Jugendspielclub Landshut führen "Alice...im Wunderland?" auf

Sebastian Hofmüller mit den Schauspielerinnen Margareta Empl, Luisa Schulze und Anne Pfitzner (von rechts). (Foto: Kirchensteiner)
Auf der Bühne stehen, sich selbst erfahren, erleben, was Sprache vollbringen kann: Beim K1 Jugendspielclub des "kleinen Theaters" können sich Jugendliche und Schüler auf der Bühne entdecken. Und das unter hochrangiger Anleitung. Schauspieler und Spielleiter Sebastian Hofmüller probt in diesem Jahr mit den jungen Spielern. Zusammen erarbeiten sie Katja Hensels Bühnenfassung von "Alice...im Wunderland?", dem Literaturklassiker von Lewis Carroll. Am 29. April und am 6. Mai bringt der Jugendspielclub das Stück auf die Bühne.
Der Jugendspielclub K1 will jungen Menschen die Möglichkeit geben, "die Welt aus einem spielerischen Impuls" zu begreifen. 1993 hat Intendant Sven Grunert den ersten Jugendspielclub des "kleinen Theaters" ins Leben gerufen. Seit 2011 hat er den Namen K1. Dabei geht es nicht darum, eine Theaterarbeit auf die Bühne zu bringen, die sich an den künstlerischen Maßstäben professioneller Theater bemisst, sondern darum, den Jugendlichen einen spielerischen Freiraum zu geben, sich im Spiel zu erfahren und ihre eigene Persönlichkeit zu entdecken.
Interessant sei das, was die Jugendlichen dabei erfahren, sagt Spielleiter Sebastian Hofmüller. Er erarbeitet bereits zum dritten Mal hintereinander mit dem K1 ein Stück. Für die letzten beiden Aufführungen haben die Schüler selbst ein Stück geschrieben und aufgeführt.
Seit November arbeitet Hofmüller auch mit seiner diesjährigen Gruppe im Ruffinischlößl in Landshut. Margareta Empl aus Landshut ist zum zweiten Mal dabei. Sie besucht die Ursulinen-Realschule. Schon bei der Schulaufführung an der Grundschule hatte sie viel Spaß auf der Bühne. Ihr gefällt am Schauspiel, einmal komplett jemand anderes zu sein. Im Stück spielt sie die "Grinsekatze", der die Hauptfigur Alice bei ihren Abenteuern im Wunderland begegnet. An dieser Rolle gefällt ihr vor allem der zwiespältige Charakter der "Grinsekatze". Sie sei zwar einerseits hinterlistig, meine es aber andererseits gar nicht so.
Mehr aus sich herauskommen
Es sei schön zu beobachten, wie die Jugendlichen sich immer mehr trauen und mehr aus sich herauskommen, sagt Sebastian Hofmüller. Deshalb macht ihm die Arbeit mit den Jugendlichen Freude. Er beobachtet dabei, wie sie begreifen, worauf er hinaus will. Von Probe zu Probe kann er mehr von ihnen fordern, etwa Bewegungen, Körper und Sprache auf einmal einzusetzen. "Darauf bin ich dann schon stolz", sagt er.
Wie das so ist, auf der Bühne des "kleinen Theaters", wird sie am 29. April zum ersten Mal erleben: Luisa Schulze. Die 16-jährige Landshuterin ist neu in der Gruppe und hat nach einem Hobby gesucht. Sie besucht das Hans-Carossa-Gymnasium und geht gerne ins Theater. Da kam der Jugendspielclub wie gerufen. "Ich habe zuvor auch mit Freunden schon oft gespielt", sagt sie. Diesmal wird es ein wenig anders sein. Es gibt einen Spielleiter, der das Stück koordiniert und den Schülern Ideen gibt, wie sie ihre Figuren darstellen können. "Anders als in Theater-AGs von Schulen können sich die jungen Leute im Jugendspielclub frei von jedem Notendruck erfahren", betont Sebastian Hofmüller. Es geht nicht um den Lebenslauf oder das Zeugnis, sondern darum, sich fantasievoll auszudrücken und zu erleben, wie es ist, wenn man plötzlich ernst genommen wird.
"Alice...im Wunderland?" sei eine "famose Kindergeschichte", sagt Sebastian Hofmüller. In der Fassung von Katja Hensel tauchen alle Figuren auf, die es beim Klassiker von Lewis Carroll auch gibt. Die meisten Jugendlichen kennen die Geschichte und die Figuren aus Filmen. Die Verflechtung von Logik und Fantasie hat Hofmüller an der Geschichte besonders gefallen. Die Logik sei in sich stimmig, die Welt, in die Alice gerät, jedoch voller abstruser Dinge. Die Figuren behaupten etwas, der andere sieht das wieder anders. Auf diese Weise prallen Behauptungen und Welten aufeinander.
Welt mit eigenen Regeln - in diesem Theaterstück steht einiges Kopf
Wie in der berühmten Version von Lewis Carroll folgt Alice auch in der Fassung von Katja Hensler dem weißen Kaninchen. Auf diesem Weg trifft es wundersame Gestalten wie zum Beispiel eine sprechende Wimper, einen Hutmacher und das Lächeln einer Katze. Diese Figuren leben in einer eigenen Welt, die ihre eigenen Regeln hat. Diese entsprechen überhaupt nicht mehr dem, was Alice glaubt, über die Welt und Logik zu wissen. Begriffe haben plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Zwischen Menschen und Tieren, Dingen und Verhältnissen, zeitlichen und räumlichen Dimensionen kommt es zu Auseinandersetzungen, die völlig absurd werden.
Jugendspielgruppen in der Region
Neben dem Jugendspielclub K1 in Landshut gibt es in der Region noch weitere Theatergruppen für Jugendliche. Da wäre zum einen der Theaterclub des Stadttheaters in Landshut sowie der Passauer Theaterjugendclub für Jugendliche von 14 bis 21 Jahren. Der Jugendspielclub in Landshut bringt in diesem Jahr "Die Bluthochzeit", eine Tragödie von Federico García Lorca, zur Aufführung. Termine sind am 5. Juli, 16 Uhr (Premiere) sowie am 8., 9. und 10. Juli, jeweils ab 19.30 Uhr. Spielort ist das Theaterzelt Landshut. Die Passauer Gruppe spielt in diesem Jahr "Der eingebildete Kranke", eine Komödie von Molière. Die Termine stehen derzeit noch nicht fest, werden aber demnächst bekannt gegeben. Spielort ist das Stadttheater Passau. Eine weitere Theatergruppe trifft sich regelmäßig in Straubing. Die Theatergruppe Mundpropaganda vom Jugendzentrum Straubing führt im Oktober das Stück "Alice im Anderland" auf, eine weitere Version des Klassikers von Lewis Carroll.









