Interview zu Reise
Eine Landshuterin erzählt, warum Taizé ein besonderer Ort in Frankreich ist

Peter Litvai (links) / Taizé
Chiara Pillhöfer ist 29 Jahre alt und engagiert sich bei der Evangelischen Jugend der Christuskirche in Landshut. Der Taizé-Gesang ist eine besondere Form des meditativen und mehrstimmigen Singens, das im gleichnamigen Ort in Frankreich entstanden ist. Jedes Jahr begegnen sich dort viele Jugendliche aus aller Welt.

Was hat dich beim ersten Mal an Taizé gereizt – und was hat dich seither immer wieder dort hingezogen?
Chiara Pillhöfer: Ich hatte immer wieder von Taizé gehört, von Menschen, die selbst schon dort waren und begeistert von ihren Erfahrungen erzählt haben. Außerdem habe ich als Jugendliche mehrere Taizé-Gebete bei uns in der Kirche besucht und die haben mich sehr angesprochen. Meine Neugier und Lust, selbst mal nach Taizé zu fahren, wurden so immer größer – deswegen war ich 2015 das erste Mal dort. Die Mischung aus Stille, Singen und der Gemeinschaft hat mich selber so begeistert, dass ich immer wieder nach Taizé fahre.
Wie würdest du Taizé jemandem beschreiben, der noch nie dort war?
Taizé ist ein Ort, an dem jeder Mensch willkommen ist. Er ist geprägt von der Ruhe, die dort durch die Gebete, Einfachheit und stille Zeiten entsteht und der gelebten Gemeinschaft der Menschen aus aller Welt – unabhängig von der jeweiligen Einstellung zum Glauben. Man hat Zeit für sich, kann durchatmen und sich gleichzeitig mit anderen über die eigenen Themen und Fragen austauschen.
Was macht das denn mit einem, wenn man plötzlich so viel Raum zum Nachdenken hat?
Am Anfang ist es ein bisschen seltsam und definitiv ungewohnt. Gerade die stillen Zeiten in den Gottesdiensten können herausfordernd sein. Mir hilft die Ruhe dabei, eine Auszeit zu nehmen: vom Alltag, der oft mal stressig sein kann, vom Handy und den ganzen Nachrichten. Ich kann mich auf das Wesentliche konzentrieren und habe Zeit, mich mit mir zu beschäftigen, mal nachzuspüren, wie es mir geht. Nach den letzten Besuchen in Taizé habe ich gemerkt, wie gut das tut. Außerdem bringt mich die Ruhe dort wieder mehr in Kontakt mit meinem Glauben und Gott.
Die Gesänge von Taizé sind weltweit bekannt. Was macht sie so besonders?
Für mich sind die Gesänge in Taizé eines der Herzstücke. Man muss kein Sänger sein, man kommt ganz automatisch rein. Die Texte sind sehr einfach, meistens maximal drei Sätze lang. Es geht um Gefühle, die alle kennen und die auf dem Weg mit Gott vorkommen: von Trauer, Zweifel bis hin zu großer Freude. Die Besonderheit dieser Lieder ist, dass sie immer wiederholt werden. Drei Minuten lang wird ein Lied gesungen. Dadurch bekommen sie ihre besondere meditative Stimmung.
Warum sollten auch andere einmal Taizé entdecken?
Weil es ein Ort ist, an dem man einfach so sein darf, wie man ist. Man lernt junge Menschen aus ganz Europa und der Welt kennen, lebt eine Woche lang zusammen und merkt schnell, wie gut Gemeinschaft ohne Leistungsdruck tut. Gleichzeitig hat man Zeit für sich – ohne dauerhaft am Handy zu sein und ohne Erwartungen. Die Musik, die Gespräche und die Stille helfen vielen, die eigenen Gedanken zu sortieren und neue Kraft zu schöpfen. Man muss nichts können, nichts darstellen und nicht besonders gläubig sein. Viele fahren hin und kommen ein Stück klarer, ruhiger und mit neuen Begegnungen im Gepäck wieder zurück.
Taizé selbst erleben: Immer wieder organisieren Kirchengemeinden Besuche in dem kleinen Ort in Frankreich. Die Evangelische Jugend der Christuskirche Landshut bietet zum Beispiel vom 6. bis 13. September 2026 eine Fahrt nach Taizé für Jugendliche und junge Erwachsene an. Wer Interesse hat, kann sich bis 22. Juli 2026 hier anmelden:christuskirche-landshut.de/freizeiten
Über die Gemeinschaft von Taizé
Taizé ist eine konfessionsübergreifende christliche Gemeinschaft, deren besonderes Merkmal die meditativen Gesänge sind. Die internationale ökumenische Brüdergemeinschaft entstand ab 1940 auf Initiative von Frère Roger, bürgerlich Roger Schutz. Der gebürtige Schweizer war bereits in seiner Jugend davon überzeugt, dass eine lebendige Gemeinschaft ein Zeichen der Versöhnung sein kann.
Noch während seines Studiums wollte er eine Gemeinschaft gründen, die sich für Menschen in Not engagiert. Er kaufte ein bescheidenes Haus im kleinen, ärmlichen Dorf Taizé. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Frère Roger dorthin zurück und kümmerte sich um Kriegswaisen.
Heute umfasst die Communauté de Taizé, zu Deutsch „Gemeinschaft von Taizé“, rund 80 Brüder – Katholiken wie Protestanten – aus über 30 Ländern. Die Gemeinschaft versteht sich selbst als Zeichen der Versöhnung zwischen getrennten Christen und Völkern. Neben der Gemeinschaft in Taizé existieren auch kleinere Fraternitäten in benachteiligten Regionen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas.
Die Communauté de Taizé ist geprägt von gemeinsamen Gebeten, Liedern und Gesprächen. Besonders die meditativen Gesänge sind weltweit bekannt. Die Lieder sind meistens einstrophig, kurz und werden vielfach wiederholt gesungen. Für zahlreiche Gesänge gibt es auch instrumentale Begleitung.
Seit Jahrzehnten kommen junge Menschen aus aller Welt in das kleine Dorf in Frankreich. Dort teilen sie für einige Zeit ein einfaches, intensives und gemeinschaftliches Leben.









