Buch-Tipp/Interview

Fußball-Star Christoph Kramer schreibt sein eigenes Sommermärchen

Ein ehemaliger Fußball-Profi, der schreibt? Kommt vor. Jugendromane entstehen dabei aber selten. Anders bei Christoph Kramer. Ein Interview über sein erstes Buch.

Als Fußball-Experte weiter gefragt, nun aber auch als Autor unterwegs: Ex-Profi Christoph Kramer.

Als Fußball-Experte weiter gefragt, nun aber auch als Autor unterwegs: Ex-Profi Christoph Kramer.

Von Redaktion Freistunde, und Florian Wende

Darum geht’s: WM 2006, Deutschland im Fußballfieber. Darunter auch der 15-jährige Chris Kramer, der selbst mal Profi werden möchte. Diesen Sommer hat er aber vor allem andere Dinge im Kopf: Da ist Debbie, für die er schon lange schwärmt und die ihm endlich eine Chance zu geben scheint. Gleichzeitig testen seine Kumpels immer mehr Grenzen aus, ob Alkohol, Partys oder Autos. Chris versucht, hier seinen eigenen Weg zu finden – und sammelt Erinnerungen fürs Leben. Besonders an einem Abend, der zunächst nach der schlimmsten Nacht seines Lebens aussieht, dann aber eine ganz andere Geschichte schreibt.

Fazit: Ein Autor, der seine Hauptperson nach sich benennt, sein Buch jedoch keine Biografie ist – ungewöhnlich. Genau das ist aber „Das Leben fing im Sommer an“. Christoph Kramer gibt an, dass 90 Prozent von ihm in der Romanfigur stecken. Bedeutet: Vieles entspricht auch seinen realen Erlebnissen als 15-Jähriger. Und das ist spannend: Denn der Ex-Profi zeigt hier seine verletzliche, unsichere Seite. Akne, fehlende Wertschätzung bei Mädchen, die Suche nach sich selbst: Mit all dem hatte auch ein Weltmeister in seiner Jugend zu kämpfen. Eine wichtige Botschaft.

Interview mit dem Autor

Chris, die meisten kennen dich als Fußball-Profi, Weltmeister, TV-Kommentator – aber mit einem Roman hat wohl keiner gerechnet. Wie lange hast du das Geheimnis gehütet, dass du auch schreibst?

Christoph Kramer: Ich bin gar nicht gut im Geheimnisse hüten! Deshalb also nicht sehr lange. Es war schon immer mein Traum, ein Buch zu schreiben, aber als ich angefangen habe, dachte ich eigentlich noch, dass ich es gar nicht veröffentlichen würde. Dann habe ich das Manuskript meinem besten Freund gezeigt und für ihn war sofort klar, dass ich es probieren muss. Und dann ... habe ich es probiert. Und kann noch gar nicht glauben, dass es jetzt so weit ist.

Dein Roman spielt während der Heim-WM 2006, dein Erzähler Chris spielt selbst Fußball – so wie du mit 15 Jahren. Aber in deinem Buch geht es um ganz andere Dinge: die erste Liebe, Freundschaft, die Suche nach sich selbst. Warum?

Mir war es nicht „zu einfach“, das wäre falsch gesagt, aber ich wollte nicht ein weiteres Buch über irgendetwas mit Fußball schreiben, einfach weil ich ein Buch schreiben wollte, das ich selber auch kaufen würde. Und ich liebe Fußball zwar und gucke gerne Fußball. Aber ich lese nicht gern über Fußball!

Außerdem finde ich Coming-of-Age-Romane toll. Bei all den Dingen, die uns beim Erwachsenwerden prägen, hatte ich sofort Tausende Szenen und Erinnerungen im Kopf, die ich aufschreiben wollte. Ich glaube, die meisten von uns fühlen vielleicht nie wieder so intensiv wie in der Jugend.

In dieser Zeit schlagen wir uns alle mit denselben Problemen rum, die uns übergroß erscheinen. Im Nachhinein lacht man dann über vieles. Aber sind wir mal ehrlich: Das sind die Jahre und die Menschen, die uns zu denen machen, die wir unser ganzes Leben lang bleiben.

Dein Erzähler Chris schlägt sich aber auch mit vielen Sorgen und Unsicherheiten rum: von Akne bis Zurückweisung.

Das stimmt. Chris ist unsicher und hat große Angst, nicht akzeptiert zu werden. Er ist 15 und weiß noch nicht, wer er ist und was er kann. So wie wir alle in dem Alter. Aber wir begleiten ihn auf diesem Weg und am Ende kann er diese Fragen fast schon beantworten.

Er macht in diesem Sommer schöne und schmerzhafte Erfahrungen. Und er begreift, dass beides dazu gehört, wenn man erwachsen wird. Das es nur diesen Weg gibt. Er begreift auch den Wert von echter Freundschaft. Und dass man etwas riskieren muss, wenn man sein Leben leben will. Und darum bleiben am Ende vor allem die schönen Erinnerungen übrig.

Dürfen wir uns auf weitere Geschichten von dir freuen?

Ehrlich gesagt: Wenn dieses Buch hier total floppt, dann wird es mir schwerfallen, es noch einmal zu versuchen. Wenn ich aber von vielen höre, dass sie es gern gelesen haben, wird mich das bestimmt motivieren, weiterzumachen. Bei anderen etwas auszulösen, am liebsten natürlich Begeisterung, ist für mich die schönste Motivation, weiterzumachen.

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