Interview
Die Autorin Yasmin Shakarami über ihr neues Buch „Sturmflirren“

Imago/Star-Media
In „Sturmflirren“, dem neuen Roman von Yasmin Shakaram, findet ein Mädchen in Katar die Liebe, ihren Mut, aber auch die Gefahr.

Frau Shakarami, im Jahr 2023 landeten Sie mit Ihrem ersten Roman „Tokioregen“ gleich einen großen Erfolg. Entsteht dadurch ein gewisser Druck?
Yasmin Shakarami: Der Erfolg von „Tokioregen“ war wie ein Fiebertraum – intensiv, berauschend, überwältigend. Ich kann nicht in Worte fassen, wie dankbar ich für die Erfahrungen bin, die ich seit der Veröffentlichung meines Debütromans sammeln durfte. Ich habe aber auch sehr hart dafür gearbeitet, musste jahrelang gegen zermürbende Selbstzweifel und Existenzängste ankämpfen. Heute kann ich vom Schreiben leben, was ein unglaublich großes Privileg ist. Druck verspüre ich keinen, nur Hunger. Ich habe so viele Ideen im Kopf und ich brenne darauf, sie niederzuschreiben.
Ihr aktueller Roman „Sturmflirren“ spielt in Katar. Wieso gerade dort?
Ich wusste, dass ich eine Geschichte schreiben muss, die im Nahen Osten spielt. Eine moderne, laute Geschichte, die schockiert, wachrüttelt und Vorurteilen den Garaus macht. Zuerst wollte ich „Sturmflirren“ im Iran ansiedeln, aber aufgrund meiner Familiengeschichte wäre das zu gefährlich gewesen. Katar ist ein äußerst gastfreundliches Land, das einerseits traditionell ist, andererseits darum bemüht ist, sich dem Westen zu öffnen. Ich konnte vor Ort ohne Probleme meine Recherche betreiben, Menschen treffen und mit ihnen offen über alles reden.
Können Sie zusammenfassen, was die wichtigsten Themen sind?
„Sturmflirren“ handelt von Menschen, die aufgrund Ihrer Identität tagtäglich um ihr Leben fürchten müssen – und dennoch den Mut aufbringen, sie selbst zu sein. Es geht um Freiheit, Feminismus, Selbstbestimmung und Widerstand. Aber allen voran dreht sich die Geschichte um eine Liebe, die nicht sein darf, und am Ende trotzdem mehr bewegt, als Hass jemals könnte.
Warum war es Ihnen wichtig, über diese Themen zu schreiben?
Ich bin davon überzeugt, dass Lesen politisch ist. So auch das Schreiben. Auf keinen Fall möchte ich vor schwierigen Themen zurückschrecken. Ich will eintauchen, Grenzen austesten, Dinge erforschen, die uns im tiefsten Inneren bewegen. „Sturmflirren“ bricht Tabus. Und gerade deshalb ist sie wichtig. Es gibt de facto queere Menschen in muslimischen Ländern. Sie haben alle eine Geschichte zu erzählen – und manche dieser Geschichten sind schlichtweg unglaublich.
Wie viel Recherche steckt in Ihren Büchern?
Recherche ist essenziell. Nur so kann man ehrlich erzählen. Ich liebe es, mit neuen Kulturen auf Tuchfühlung zu gehen. Nichts inspiriert mich mehr, als neuen Menschen zu begegnen, ihre Sichtweisen kennenzulernen.
Neben all diesen wichtigen Themen geht es in Ihren Büchern immer um eine große Liebe. Wie schwierig ist es, eine gute Liebesgeschichte zu erschaffen?
Der Anfang ist immer schwer, denn man muss so vieles finden: Atmosphäre, Ton, die Charaktere. Aber sobald sie da sind, fallen mir gerade die Liebesszenen sehr leicht. Ich sehe sie vor meinen Augen wie in einem Film – und mein ganzer Körper kribbelt. Ich muss gestehen, dass ich queere Liebesgeschichten viel spannender beim Schreiben finde. Mit aalglatten, muskelbepackten Schönlingen kann ich nicht viel anfangen …
Lesen Sie selbst auch gerne?
Ich lese sehr gern. Zu meinen Lieblingsautoren zählen momentan Han Kang, Silvia Morena-Garcia, Benedict Wells, Ewald Arenz und Jay Kristoff. Ich lese aber auch gerne philosophische Werke, das habe ich mir von meiner Studienzeit beibehalten. „Das Buch der Unruhe“ von Fernando Pessoa inspiriert mich seit damals.
Gibt es bestimmte Rituale, die Sie beim Schreiben haben?
Ich habe keine spannenden Rituale – und leider auch keine Schreibhacks. Ich setzte mich morgens an meinen Computer und hoffe, dass heute ein guter Schreibtag wird. Ich arbeite sehr langsam und brauche absolute Stille. Ich bewundere meine Kolleginnen, die in lauten Cafés fröhlich vor sich hinschreiben und zwanzig Seiten am Tag schaffen. Ich bin quasi Darth Vader während des Schreibens: maximal grimmig, ein wenig am Durchdrehen und absolut ungenießbar.
Arbeiten Sie bereits an einem neuen Projekt?
Mein neues Buch erscheint voraussichtlich im Frühjahr 2026 und spielt in einer Kleinstadt in Kanada. Was ich verraten kann: Es wird schaurig.
Sie lesen am 8. April 2025 beim Co.Libri Literaturfestival aus Ihrem aktuellen Buch. Warum sollte man die Lesung nicht verpassen?
Ich freue mich schon sehr darauf. Ich werde lesen, erzählen, Fragen beantworten. Am Ende gibt es Goodies und ich werde eure Bücher signieren.
Die Lesung mit Yasmin Shakarami findet am Dienstag, 8. April 2025, um 19.30 Uhr im Club Takeoff in Straubing statt. Karten gibt es online unter okticket.de.









