Serien-Tipp
Die finale Staffel von „The Boys“ enttäuscht viele Fans: Was ist passiert?
Darum geht’s: Amerika ist gefangen in dem Bürgerkrieg zwischen dem machthungrigen Superhelden Homelander und seinen Widersachern. Der Superman-Verschnitt dreht immer weiter durch, je mehr Einfluss er gewinnt und je mehr Menschen aus seinem Umfeld sich gegen seine Schreckensherrschaft richten. Doch weiter kontrolliert er die Medienlandschaft und starke Verbündete.
Die größte Hoffnung, die Welt vor dem durchgedrehten Diktator zu retten, sind ausgerechnet die Boys: eine Gruppe an Menschen, die Homelander schon lange auf die Nerven gehen. Sie haben inzwischen aber auch mehrere Partner mit Superkräften und sogar einen Virus, der ein für alle Mal Homelander aufhalten könnte. Das Problem: Sobald sie die Krankheit auf die Welt loslassen, würden alle mit dem Superheldenserum sterben. Als Homelander auch noch einen Weg findet, wie er sich gegen den Virus schützen kann, müssen die Boys schnell reagieren. Doch innerhalb der Gruppe brodelt es, weil ihr skrupelloser Anführer Butcher einen Helden-Genozid in Kauf nehmen würde, um sich an Homelander zu rächen. Werden sie ihre letzte Chance nutzen können? Oder verliert Homelander endgültig die Kontrolle und metzelt alles nieder?
Das Besondere: Fünf Staffeln und eine inzwischen beendete Spin-off-Serie namens „Gen V“ – es wird Zeit, dass „The Boys“ endlich zu einem Ende kommt. Das Team hinter der erfolgreichen Amazon-Serie versprach ein blutiges und zufriedenstellendes Finale. Diese Zusicherung brauchten Fans: Staffel vier enttäuschte eher und auch „Gen V“ ließ viele den Plan der Serienmacher hinterfragen. Zurecht?
Fazit: Was „The Boys“ besonders macht, ist weiter intakt: Die Serie überzeugt mit scharfer Satire an Donald Trump, denn im Charakter von Homelander fließt viel Inspiration vom amerikanischen Präsidenten ein. Teilweise ist die Serie fast prophetisch: In der neuen Staffel entwickelt der Bösewicht einen Gottkomplex, gründet eine eigene Religion und vergleicht sich mit Jesus. Die Serienautoren zeigten sich geschockt, dass sich Donald Trump zum Start der neuen Staffel mit dem Papst angelegt hat und ähnliche Vergleiche zog. Die Satire kann wohl mit der Realität kaum mithalten.
Die Schauspieler geben auch ihr Bestes: Karl Urban unterhält weiter als verbissener Butcher und Antony Starr spielt den eiskalten Homelander mit einer Intensität, die dem Zuschauer wirklich Angst einjagen kann. Man merkt allerdings bei manchen Figuren, dass ihre Geschichte wohl erst im Nachhinein geändert wurde: Anders lässt sich mancher Dialog des Charakters Kimiko nicht erklären. Vor allem im englischen Original klingt es, als ob man jedes Wort der Schauspielerin im Tonstudio nochmal neu aufgenommen hätte.
Leider hören hier die Probleme nicht auf: Die Drehbuchautoren wollten wohl das explosive Finale so lange wie möglich hinauszögern. Das ist erst mal kein Problem, denn es gibt den ersten fünf Folgen genug Raum für wichtige Studien der Charaktere, die nach dieser Staffel entweder tot oder aufs Eis gelegt sein werden. Aber gleichzeitig fühlt sich die Staffel dadurch überladen an: Oft wird deutlich, dass viele Szenen das bereits angekündigte Spin-off „Vought Rising“ aufbauen sollen. Die Drehbuchautoren schreiben also nicht nur ein Ende, sondern öffnen auch Türen für Fortsetzungen. Schade, denn dadurch fühlen sich die ersten Folgen der Staffel nie an, als würden sie auf eine letzte Konfrontation zuschnellen.
„The Boys“, Superheldensatire, Amazon Prime Video, acht Folgen à 60 Minuten, freigegeben ab 18 Jahren.










