Handel mit Südamerika

Das Mercosur-Abkommen einfach erklärt – mit Fokus auf die Landwirtschaft

Ein Freihandelsabkommen ist eine komplexer Vertrag. Welche Folgen hat er konkret für die beteiligten Länder? Wir klären die wichtigsten Punkte.

Das Mercosur-Abkommen soll den Handel zwischen Südamerika und Europa erleichtern.

Das Mercosur-Abkommen soll den Handel zwischen Südamerika und Europa erleichtern.

Das Freihandelsabkommen

  • Eines der weltweit größten Abkommen (Handelszone mit über 700 Millionen Menschen) und Gegengewicht zu US-amerikanischen und asiatischen Freihandelsabkommen
  • Umfasst etwa ein Viertel der weltweiten Wirtschaftsleistung
  • Zum Schutz sensibler Güter wie Fleisch oder Zucker werden Einfuhrmengen aus Südamerika durch Quoten begrenzt und Zölle teils erst schrittweise abgebaut

Aktueller Stand des Abkommens

  • Über 25 Jahre Verhandlungen
  • Im Januar 2026 vom Rat der EU freigegeben zur Unterzeichnung EU-Parlament hat Abkommen an Europäischen Gerichtshof zur Prüfung kritischer Punkte verwiesen
  • Seit 1. Mai 2026 vorläufig in Kraft, erste Zollsenkungen sind wirksam
  • Die vollständige Anwendung hängt noch von der Zustimmung des EU-Parlaments ab, das die Prüfung durch den Europäischen Gerichtshof abwarten will

Argumente von Befürwortern

  • Zölle werden abgebaut: Unternehmen können so leichter exportieren und importieren.
  • Unabhängiger: Die EU ist weniger auf die USA als wechselhaften Handelspartner angewiesen.
  • Günstigere Produkte: Durch den Wegfall von Zöllen könnten Waren billiger werden.

Argumente von Gegnern

  • Konkurrenz: Billige Produkte aus Südamerika könnten es für europäische Bauern erschweren, ihre Erzeugnisse zu verkaufen.
  • Gefahr für die Umwelt: Um mehr Fleisch und andere Produkte herzustellen, könnten in Südamerika mehr Wälder abgeholzt werden.
  • Unterschiedliche Regeln: In einigen Mercosur-Ländern gelten andere Produktionsstandards, das könnte europäische Firmen benachteiligen.
Ein Überblick über die beteiligten Länder des Mercosur-Abkommens.

Ein Überblick über die beteiligten Länder des Mercosur-Abkommens.

Wichtige Punkte im Mercosur-Abkommen, die die Landwirtschaft betreffen

Einfuhrmengen

  • Rindfleisch: zollreduziertes Kontingent von 99.000 Tonnen (entspricht rund 1,6 Prozent der aktuellen Produktion in der EU)
  • Schweinefleisch: zollfreies Kontingent von 25.000 Tonnen (entspricht rund 0,1 Prozent der aktuellen Produktion in der EU)
  • Geflügel: zollfreies Kontingent von 180.000 Tonnen (entspricht rund 1,3 Prozent der aktuellen Produktion in der EU)
  • Zucker: zollfreies Kontingent von 190.000 Tonnen (entspricht rund 1,2 Prozent der aktuellen Produktion in der EU)
  • Quoten werden über mehrere Jahre schrittweise aufgebaut
  • Mengen sind nur begrenzt zollfrei: rund 17 Prozent bei Rindfleisch, rund 25 Prozent bei Zucker

Produktionsbedingungen

  • Grundsätzlich gelten die Standards im Produktionsland

  • Alle Waren, die in die EU kommen, müssen EU-Standards erfüllen, zum Beispiel bei Rückstandswerten, Hygiene, Lebensmittelsicherheit
  • Produkte, bei denen Grenzwerte überschritten werden, dürfen nicht auf den EU-Markt
  • Importe werden an EU-Grenzen kontrolliert und von Veterinär- und Lebensmittelbehörden überwacht

Schutzmechanismen

  • Empfindliche Agrarerzeugnisse wie Rindfleisch, Geflügel und Zucker werden nicht komplett zollfrei gestellt
  • Droht eine ernsthafte Störung des Marktes, kann die EU Zollsenkungen aussetzen, Zölle vorübergehend wieder erhöhen oder im Ernstfall Importstopps verhängen

Neue Handelspartner

  • Durch den erleichterten Zugang zu den Märkten der Mercosur-Staaten können für Landwirte und Lebensmittelhersteller neue Chancen entstehen
  • Die EU exportierte 2024 Agrarlebensmittel im Wert von  3,3 Milliarden Euro in den Mercosur
  • Gefragte Produkte in Südamerika: Milchprodukte, Käse, Spezialitäten
  • Gleichzeitig importieren europäische Landwirte auch wichtige Güter aus den Mercosur-Ländern, zum Beispiel Futtersoja und -mais sowie Düngemittel

Folgen für die Umwelt

  • Die Fleischproduktion trägt erheblich zu den weltweiten Treibhausgasemissionen bei, Wiederkäuer wie Rinder belasten durch Methan und Lachgas das Klima, Rodungen für Weideflächen und Futtermittelanbau setzen viel CO2 frei.
  • Das Mercosur-Abkommen enthält Umwelt- und Klimakapitel.
  • Die EU erhält die Möglichkeit, die Einhaltung der Verpflichtungen politisch einzufordern und Nachhaltigkeitsfragen im Rahmen des Abkommens anzusprechen.

Quellen: Europäische Kommission, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus, dpa

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