Reichsparteitagsgelände

Fakten statt KI-Fälschungen: Neue NS-Ausstellung in Nürnberg

Die Ausstellung legt auch ihre historischen Quellen und den Umgang damit offen - und setzt damit einen Kontrapunkt zu KI-Fälschungen im Internet.

Die Ausstellung legt auch ihre historischen Quellen und den Umgang damit offen - und setzt damit einen Kontrapunkt zu KI-Fälschungen im Internet.

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Von dpa

Nach fünf Jahren Umbau hat das Nürnberger Dokumentationszentrum seine neue Ausstellung zum ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände nun offiziell eröffnet - und geht mit der Schau neue Wege. Objekte aus der NS-Zeit machen die Vergangenheit für nachfolgende Generationen anschaulich nachvollziehbar. Zudem will die 1.600 Quadratmeter große Ausstellung den Falschinformationen im Internet belegbare Fakten entgegensetzen.

Die Ausstellung zeige, wie die Nationalsozialisten ihre Macht vorbereiteten, wie sie sich inszenierten, Zustimmung organisierten und demokratische Strukturen zerstörten, sagte Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (CSU) bei der Eröffnung der neuen Ausstellung. „Und sie macht deutlich: Die Reichsparteitage waren keine harmlosen Massenveranstaltungen.“

Das Reichsparteitagsgelände ist ein Symbol für die Selbstinszenierung der Nazis und das Scheitern ihres Größenwahns.
Das Reichsparteitagsgelände ist ein Symbol für die Selbstinszenierung der Nazis und das Scheitern ihres Größenwahns.
Das Reichsparteitagsgelände ist ein Symbol für die Selbstinszenierung der Nazis und das Scheitern ihres Größenwahns.
Viele Objekte in der neuen Ausstellung stammen von dem jüdischen US-Sammler Robert Bernat, der damit Nationalsozialismus, Zweiten Weltkrieg und Holocaust greifbar machen will.
Viele Objekte in der neuen Ausstellung stammen von dem jüdischen US-Sammler Robert Bernat, der damit Nationalsozialismus, Zweiten Weltkrieg und Holocaust greifbar machen will.
Viele Objekte in der neuen Ausstellung stammen von dem jüdischen US-Sammler Robert Bernat, der damit Nationalsozialismus, Zweiten Weltkrieg und Holocaust greifbar machen will.

Seit Mai lief die Ausstellung bereits im Probebetrieb, um die Technik an den Medienstationen und die neuen Vermittlungsformate zusammen mit Besucherinnen und Besuchern zu testen und zu verbessern.

Steinere Zeugnisse der Nazi-Diktatur

Von 1933 bis 1938 inszenierten die Nationalsozialisten ihre mehrtägigen Parteitage in Nürnberg. Etwa eine Million Menschen kamen dafür als Zuschauer oder Teilnehmer der Aufmärsche, Paraden und Appelle in die Stadt. Doch das elf Quadratkilometer große Areal blieb eine Großbaustelle, viele der großen Bauten blieben unfertig, auch die Kongresshalle, in der sich das Dokuzentrum seit 25 Jahren befindet.

Damit ist das Gelände ein Symbol für die Selbstinszenierung der Nazis und das Scheitern ihres Größenwahns. Da viele Zeitzeugen inzwischen tot oder hochbetagt sind, gewinnen nicht nur diese steinernen Zeugnisse an Bedeutung, sondern auch Gegenstände aus der Zeit.

Es habe ein Umdenken bei den Dokumentationszentren gegeben, erläuterte Leiter Imanuel Baumann. Früher habe man allein über Dokumente und Fakten aufklären wollen. Heute seien die NS-Fahne vom Dachboden der Großeltern oder die zerbrochene Kristallvase vom Novemberpogrom quasi wie Beweisstücke der Geschichte. „Man erkennt ihren Quellenwert, schätzt ihn viel höher ein, weil eben Menschen, die die Geschichte selbst erzählen können, bald nicht mehr da sind.“

Viele der Objekte in der Ausstellung stammen von dem jüdischen US-Sammler Robert Bernat, der zu dem Festakt in Nürnberg gekommen war. Als Lehrer habe er festgestellt, dass junge Leute deutlich mehr lernten, wenn sie richtige Objekte gezeigt bekämen statt nur Bilder in PowerPoint-Präsentationen, sagte er auf Englisch. Deshalb seien Objekte der beste Weg, damit künftige Generationen den Nationalsozialismus, den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust verstehen könnten. „Sie machen das Thema greifbar.“

Wichtig sei aber auch der Umgang mit solchen Objekten in der Ausstellung, betonte Baumann. „Natürlich hängen wir nicht eine Hakenkreuzfahne als Selfiespot auf, sondern falten sie so, dass das Hakenkreuz erkennbar, aber nicht in seiner Ganzheit sichtbar ist.“

„Unersetzlicher Ort“ in Zeiten von KI-Fälschungen

Neu ist auch, dass die Ausstellung ihre historischen Quellen und den Umgang damit offenlegt. Dadurch will sie auch einen Kontrapunkt zum Internet setzen, wo gefälschte historische Dokumente, Bilder oder Videos im Umlauf sind. „Mit künstlicher Intelligenz lässt sich auch die Vergangenheit fälschen“, sagte der frühere Bundespräsident Christian Wulff bei dem Festakt. „Darum sind Orte wie dieser unersetzlich.“

Zudem lädt die Ausstellung die Besucherinnen und Besucher an Medienstationen ein, selbst aktiv zu werden: So können sie etwa selbst in einem Polizeibericht blättern oder einen Film der Hitler-Verehrerin Leni Riefenstahl über den sechsten Reichsparteitag genau untersuchen und sich dabei erarbeiten, wieso dieser Propaganda ist.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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