Fußball-Bundesliga
Kritik und Applaus - Watzkes schwieriger Start als Präsident

Bernd Thissen/dpa
Denkzettel zum Amtswechsel: Der neue BVB-Präsident Hans-Joachim Watzke erhielt nur 59 Prozent Ja-Stimmen
Hans-Joachim Watzke ist zum Präsidenten von Borussia Dortmund gewählt worden, hat aber einen deutlichen Denkzettel erhalten. Der 66-Jährige bekam auf der Mitgliederversammlung des Vereins lediglich 59 Prozent der Stimmen. Von den 238.000 Mitgliedern nahmen nur 4476 an der Wahl teil.
Zuvor war Watzke noch unter großem Applaus der 1951 anwesenden Mitglieder in der Westfalenhalle nach fast 21 Jahren als Geschäftsführer der BVB-Kapitalgesellschaft von Borussia Dortmund verabschiedet worden. „Da ist viel Wehmut mit dabei“, sagte Watzke. Er war der einzige Kandidat des Wahlausschusses, nachdem der amtierende Präsident Reinhold Lunow seine ursprüngliche Kandidatur zurückgezogen hatte.
Auf der Mitgliederversammlung kam es zur großen öffentlichen Versöhnung der ehemaligen Kontrahenten. „Lieber Reinhold Lunow: Du hast mich immer unterstützt und warst da, als wir in den Abgrund geblickt haben. Dafür möchte ich dir heute auch ganz herzlich danken“, sagte Watzke.
Die Präsidenten-Wahl verzögerte sich indes aufgrund technischer Probleme. Die gesamte Veranstaltung hatte deshalb mit einer Stunde Verspätung begonnen. Damit theoretisch alle der 238.000 Mitglieder digital abstimmen konnten, fand die Mitgliederversammlung erstmals in hybrider Form statt. Allerdings streikte dabei zunächst die Technik, so dass die Tagesordnung geändert und einzelne Punkte ohne Abstimmung vorgezogen wurden.
Aus der Fanabteilung kam auch schnell Kritik am Vorlauf der Präsidenten-Wahl auf. Vorstandsmitglied Tobias Westerfellhaus sprach unter dem riesigen Applaus der anwesenden Mitglieder von „fragwürdigen Wendungen in einem Wahlkampf, der am Ende kein Wahlkampf war“. Die Fanabteilung des BVB zielte damit auf den öffentlichen Streit im Sommer ab, der nach der überraschend angekündigten Kandidatur Lunows entstanden und erst nach dessen Rückzug beendet worden war. „Diese Monate haben gezeigt, dass unser Verein dringend Veränderungen benötigt“, sagte Westerfellhaus.
Watzke und Lunow demonstrierten allerdings öffentlich Einigkeit und gingen aufeinander zu. „Lieber Reinhold Lunow: Du hast mich immer unterstützt und warst da, als wir in den Abgrund geblickt haben. Dafür möchte ich dir heute auch ganz herzlich danken“, sagte Watzke in seiner Abschiedsrede.
Lunow reagierte gerührt. „Wir haben viele Sachen gemeinsam gemacht. Dass es in letzter Zeit Schwierigkeiten gab, dass wir auseinander gebracht worden sind, das war nicht unbedingt unsere persönliche Schuld. Das lag auch an Leuten im Umfeld, die das befeuert haben. Das war nicht nötig“, sagte der 72-Jährige unter Tränen.














