Eishockey-WM
Offensive, Qualität und Identität: Das läuft beim DEB falsch

Claudio Thoma/KEYSTONE/dpa
Im eigenen Überzahlspiel ein Gegentor: Deutschland hat viele Probleme bei der WM in der Schweiz.
Es droht die dritte deutsche Turnier-Enttäuschung in Serie: Die Eishockey-Nationalmannschaft steht bei der WM in der Schweiz schon früh vor dem K.o. Noch 2023 wurde das Team von Bundestrainer Harold Kreis überraschend Vize-Weltmeister. Danach gab es fast nur noch Rückschritte. Ein Jahr vor der Heim-WM steht der Deutsche Eishockey-Bund vor zahlreichen Problemen. Fünf Gründe für das bislang schwache Abschneiden in Zürich.
Zwei Treffer aus drei Partien sind eigentlich Zahlen eines möglichen Absteigers. „Es ist frustrierend“, sagte Coach Kreis. „Bitter ist auch ein Begriff, den man nutzen kann. Aber es ist frustrierend.“ Natürlich fehlen in Superstar Leon Draisaitl (Edmonton Oilers), Tim Stützle (Ottawa Senators) oder auch JJ Peterka (Utah Mammoth) Spieler auf höchstem Niveau, doch die Auftritte im Powerplay sind teilweise unwürdig. Zahlreiche Gelegenheiten mit einem Spieler mehr auf dem Eis blieben ungenutzt. Kurios: In Dominik Bokk (Kölner Haie) und Augsburgs Alexander Blank waren zwei Stürmer im vorläufigen WM-Kader, die in der DEL-Saison in den Playoffs (Bokk/6 Tore) oder der regulären Spielzeit (Blank/19) treffsicher waren. Beide wurde vom Bundestrainer gestrichen.
Die Absageflut der NHL-Stars um Draisaitl und Co. kann durch Profis aus der Deutschen Eishockey Liga natürlich nicht aufgefangen werden - im Gegenteil. Offiziell sind die meisten Spieler, die abgesagt haben, verletzt. Doch nach dem verkorksten Olympia-Turnier war auch der Frust der Stars über Coaching und die Organisation in Mailand groß.
Bis auf Kapitän Moritz Seider (Detroit Red Wings), Torhüter Philipp Grubauer (Seattle Kraken) und die Sturmreihe um Frederik Tiffels (Eisbären Berlin), Joshua Samanski (Edmonton Oilers) und Lukas Reichel (Boston Bruins) gibt es höchstens WM-Mittelmaß. Und selbst diese Formation steuerte erst ein Törchen bei. An das Viertelfinale ist daher kaum zu denken. „Die Mannschaft macht alles, um erfolgreich Eishockey zu spielen“, betonte Kreis. Es reicht nicht für höhere Aufgaben.
Ohne Moritz Müller, der nach Olympia lieber bei MagentaSport als Experte auftritt oder auch den erneut nicht berücksichtigten Marcel Noebels fehlen zwei Leader der vergangenen Jahre. Ihre Rollen in der Kabine haben das Team etwa zur Vize-Weltmeisterschaft 2023 geführt. Bereits im vergangenen Jahr in Dänemark blickten dagegen die Spieler auf die NHL-Stars um Seider und Stützle. Die Nordamerika-Profis sind zwar sportlich überragend, wollten aber alles allein lösen. Vor allem bei Olympia 2026 herrschte deswegen eine große Diskrepanz: Alle anderen Profis blickten auf Draisaitl und Co., nach dem Motto: Die machen das schon. Ein Team-Gedanke kam nicht zustande. Das 2:6-Debakel des besten deutschen Kaders im Viertelfinale gegen die Slowakei beendete mögliche Medaillenträume.
Beim 1:6 am Montag zerlegte die Schweiz innerhalb von 35 Sekunden mit zwei Toren zum 3:0 die deutsche Mannschaft und entschied damit die Partie. In einem solchen Rausch des Gegners nehmen viele Trainer eine Auszeit, um die Mannschaft neu einzustellen. Kreis beließ es dagegen bei Gesprächen in den sogenannten TV-Timeouts. „Wir haben dann diese Pausen genutzt, um etwas durchzuatmen“, erklärte der 67-Jährige. Kreis und sein Trainerteam griffen auch nicht ein, als Keeper Grubauer beim WM-Auftakt gegen Finnland (1:3) vor dem ersten Gegentor im Torraum berührt wurde. „Grubi moniert das sofort. Das hätte man challengen können“, sagte MagentaSport-Experte Müller. Kreis und Co. haben die Szene gesehen, entschieden sich jedoch auf eine Prüfung zu verzichten. Ähnliche Szenen gab es bereits bei Olympia.
„Nein“, sagte Coach Kreis, ein Problem mit dem Kopf gebe es nicht. Kapitän Seider allerdings betonte nach dem 1:6-Debakel gegen die Schweiz: „Nach unserem Pfostenschuss haben wir direkt das erste Tor kassiert. Danach noch das Zweite und dann ging das Kopfkino los. Dann fangen die Köpfe an zu hängen. Das Rad fängt an zu rollen. Das geht einfach nicht.“ Auch Sportvorstand Künast gestand: „Wenn eine kleine Sache nicht passt, bricht bei uns direkt ein Kartenhaus zusammen.“











