Nationalmannschaft
Prinzip Ketchupflasche: Fleißiger Woltemade als WM-Garant
Das große Ganze wollte Leroy Sané um kurz vor Mitternacht nicht noch einmal erklären. Nachdem er sich vor den TV-Kameras bereits geäußert hatte, huschte der Rückkehrer an der Seite von Florian Wirtz durch die Interview-Zone in die verregnete Nacht von Luxemburg. Sein DFB-Comeback beim holprigen 2:0-Sieg beim Außenseiter bot nach über fünf Monaten Pause Licht und Schatten.
Der 29-Jährige legte das 1:0 von Doppeltorschütze Nick Woltemade vor und war bei der Entstehung des zweiten Treffers beteiligt. „Auf Bewährung war er nicht da, sondern er ist da, um das Spiel zu entscheiden, mitzuentscheiden, das hat er gemacht“, sagte Nagelsmann über den Profi von Galatasaray Istanbul, den er im September und Oktober nicht berufen wurde und dies unter anderem mit der Stärke der türkischen Liga begründet bekam.
„Die zwei Tore waren gut, wichtig. Es ist auch sein Job. Den hat er erledigt, den hat er sehr gut gemacht. Viel mehr freut mich sein Fleiß. Er ist unglaublich viel angelaufen. Gerade, was seinen Fleiß angeht, hat er ein Sonderlob verdient“, sagte Nagelsmann über Sturmturm Woltemade, der den enormen personellen Aderlass im Angriff nach Ausfällen von Kai Havertz, Tim Kleindienst und Niclas Füllkrug derzeit quasi alleine kompensieren muss.
Ganz schön viel Druck für einen jungen Mann mit gerade einmal sieben Länderspielen. Oder? „Druck spüre ich ehrlicherweise nicht so. Ich habe sehr gutes Vertrauen in meine Fähigkeiten. Ich habe irgendwann mal aufgehört alles zu lesen und mache mir selbst keinen Druck. Schlussendlich hilft mir das am meisten“, sagte Woltemade.
Der Angreifer hat das Wahnsinnsjahr 2025 mit Stuttgarts Pokalsieg, monatelangem Transfer-Wirbel, U21-EM und Aufstieg im Nationalteam selbst noch nicht richtig verarbeitet. Gelingt am Montag (20.45 Uhr/ZDF) in Leipzig gegen die Slowakei der letzte Schritt zur WM-Qualifikation, hätte Woltemade am Amerika-Ticket großen Anteil.
„Es ist das größte Turnier der Welt. Es ist für jeden natürlich ein Traum, da irgendwann mitzukicken. Das wäre schon die Nummer eins“, sagte Woltemade auf die Frage, wo er eine erfolgreiche WM-Qualifikation bei all den Erfolgen der jüngeren Vergangenheit einsortieren würde.
Auch seine eigene Bilanz wird immer besser: Erst fünfmal torlos, dann ein Tor in Belfast und nun zwei in Luxemburg: Woltemade selbst bemühte den Ketchupflaschen-Vergleich, wonach lange nichts komme und dann alles auf einmal.
Woltemade ist abschluss- und kopfballstark, er bringt seine Physis gekonnt ein. Trotzdem ist der Premier-League-Legionär für Nagelsmann nicht der typische Neuner. „Er ist kein klassischer Zielspieler, sondern er ist eigentlich einer, der sehr gut zwischen den Linien ist, von dem her kann man ihn da gut hinstellen“, beschrieb der Bundestrainer zum Profil.
Dass Woltemade im kommenden Sommer (11. Juni bis 19. Juli) das an 1994 angelehnte DFB-Trikot in Amerika tragen darf, ist am Freitag nochmal deutlich wahrscheinlicher geworden. Für das Shirt vom Gastspiel in Luxemburg hat der Stürmer bereits Verwendung. „Meine Schwester hat mir schon geschrieben, dass sie sehr heiß auf das Langarmtrikot ist. Deshalb geht es wahrscheinlich nach Bremen“, sagte Woltemade.














