„Bassd scho“

Mitarbeiter des Regensburger Bezirksklinikums stärken Bayerischkenntnisse

Am Regensburger Bezirksklinikum gibt es ein Fortbildungsangebot in Bayerischer Sprache. Es ist für Mitarbeitende gedacht, die des Dialektes nicht mächtig sind, um sich auf Station besser verständigen zu können.

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Die Entwicklerinnen Carina Borutta (von links) und Pia Kerl vom Kompetenzzentrum für Sprache und Integration mit den Dozentinnen Sabine Hirthammer und Katharina Häring.

Die Entwicklerinnen Carina Borutta (von links) und Pia Kerl vom Kompetenzzentrum für Sprache und Integration mit den Dozentinnen Sabine Hirthammer und Katharina Häring.

Von Redaktion Regensburg

Mei, du Depp - was in anderen Regionen nach handfester Beleidigung klingt, ist in Bayern oft ein Ausdruck von Zuneigung. Wer neu in der Oberpfalz ist, muss solche Zwischentöne erst einmal einordnen. Genau hier setzt ein Fortbildungsangebot am Bezirksklinikum Regensburg an: Ein Bairischkurs, der Mitarbeitenden hilft, im Alltag und vor allem im Patientenkontakt sicherer zu werden.

Sie lernen Bairisch zu verstehen, Missverständnisse zu vermeiden und sicherer mit Patientinnen und Patienten zu kommunizieren. Das Angebot wird laut einer Pressemitteilung des Bezirksklinikums von vielen Mitarbeitenden im Integrationsprozess genutzt, aber auch von Kolleginnen und Kollegen aus Bayern sowie Mitarbeitenden, die aus anderen Bundesländern nach Bayern gezogen sind.

Hochdeutsch gelernt - und dann: Bayern

Die Idee zu diesem Seminar hatten Carina Borutta und Pia Kerl vom hauseigenen Kompetenzzentrum für Sprache und Integration. Sie unterstützen Kolleginnen und Kollegen beim Ankommen in Deutschland. Von Deutschkursen, Behördengängen bis zur 1:1-Betreuung. Dabei fiel ihnen im Austausch mit den Mitarbeitenden eine Lücke auf, die viele Zugewanderte überrascht: Zwischen dem erlernten Hochdeutsch und der Sprache, die auf Station tatsächlich gesprochen wird, liegen oft Welten. „Wer nach Deutschland kommt, kommt bei uns eben nicht nur nach Deutschland, sondern nach Bayern und nach Regensburg“, bringt es Borutta auf den Punkt. Dieser Kurs helfe beim Ankommen und Heimisch werden und vor allem im Patientenkontakt, ergänzt Kerl. Im Kurs geht es nicht nur um einzelne Wörter, sondern auch um Muster. Bairisch sei ein „Dialekt des offenen Mundes“, erklärt Carina Borutta: Endungen fallen weg, Wörter werden verkürzt, Vokale verändert: aus Kartoffel („Erdapfel“) wird „Erpfa“, aus „oben“ wird „om“. Wer diese Logik erkennt, versteht schneller, was gemeint ist. „Wir neigen dazu, einsilbig zu sein, sowohl im Umfang als auch bei den Wörtern und Silben, die wir aussprechen“, lacht sie.

Ein zentrales Element des Seminars ist ein Manuskript, ein Spickzettel, auf dem bairische Begriffe aus der Anatomie erklärt werden und Aspekte des Wohl- und Unwohlbefindens ausformuliert und ins Hochdeutsche übertragen sind. Doch Borutta und Kerl geht es um mehr als Übersetzung: Bairisch gehört zur hiesigen Kultur.

„Wir wollen zeigen: Bairisch ist nicht nur Wortschatz. Es ist auch eine Art zu kommunizieren“, sagt Borutta, und ergänzt: „Und in Bayern gehört es manchmal sogar dazu, dass man sich liebevoll ‚angrantelt‘.“ Entscheidend sei, dass „man sich versteht und weiß was damit gemeint ist“, fügt ihre Kollegin Kerl hinzu.

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