Im Karton gefunden
Wenige Wochen altes Kätzchen in Vilsbiburg ausgesetzt und gerettet

Veronika Bayer
Gerettet aus einem Pappkarton, der in der Sonne abgestellt war: Das namenlose Kätzchen ist circa fünf bis sechs Wochen alt. Eine Infektion hat die Augen angegriffen.
Namenlos, in einem Pappkarton ohne Luftlöcher in der prallen Sonne zurückgelassen - so fand die Mitarbeiterin einer Tierarztpraxis das kranke Kätzchen. Es hat Glück gehabt, dass es rasch entdeckt wurde. Der verschlossene Karton, ohne Wasser oder Futter, stand in der Frontenhausener Straße nahe der Tierarztpraxis.
„Gegen 13 Uhr bin ich mit dem Hund spazieren gegangen“, sagt die tiermedizinische Fachangestellte Viola S. „Dabei habe ich den Karton gefunden. Gut, dass ich zufällig draußen war.“ Sie geht davon aus, dass der Karton zwischen 12 und 13 Uhr zurückgelassen wurde. Die Verantwortungslosigkeit des Unbekannten ärgert sie: „Derjenige hätte doch einfach nur zu klingeln brauchen.“
Es ist nicht das erste Mal, dass Viola S. ein ausgesetztes Tier aufnimmt, pflegt und vermittelt. Sie zeigt einen ganzen Ordner, der voll mit Notfällen ist. „Ich kümmere mich seit 25 Jahren“, sagt sie. Das circa fünf bis sechs Wochen alte Kätzchen habe sie sofort medizinisch erstversorgt. Das Tier habe vermutlich nur mehr eingeschränkte Sehkraft: Eine zu lange unbehandelte Katzenschnupfen-Infektion habe die Augen angegriffen, erklärt sie.
An dem Karton war noch ein altes Adress-Etikett
Mit circa 400 Gramm war das Katzenjunge deutlich zu leicht. Es habe mit Heißhunger Nahrung zu sich genommen. Auch sei das Kitten wohl an Menschen schon gewöhnt, weil es keine Scheu zeigte und Nähe suchte. Bereits am nächsten Tag habe das Kätzchen im Praktikanten der Praxis einen neuen Halter gefunden, der es nun aufpäppelt.
Viola S. appelliert: Wer ein Tier abzugeben habe, der möge sich an qualifizierte Stellen wenden, wie die Gemeinde oder den Tierschutz.
Nach dem Tierschutzgesetz ist es verboten, ein in Obhut gehaltenes Tier auszusetzen oder es zurückzulassen. Das Gesetz sieht in solchen Fällen, je nach Schwere der Umstände, Bußgeld, Geldstrafe oder sogar Freiheitsstrafe vor.
Die Polizei Vilsbiburg ermittelt und sucht Zeugen, die sich unter Telefon 08741/96270 melden können. An dem Karton klebte noch ein Adress-Etikett, das nicht abgelöst war. Die Schachtel diente offenbar zum Versand eines Geräts, bevor darin das Kätzchen ausharren musste. Ob das Etikett in Verbindung mit dem Verantwortlichen stehe, ist noch unklar, wie der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Vilsbiburg, Christian Meinl, auf Nachfrage sagt. „Das ist derzeit Ermittlungssache.“
Es sei sehr selten, dass die Polizei überhaupt von Fällen ausgesetzter Katzen erfahre. Meinl erklärt die Diskrepanz zwischen einer vermeintlich hohen Dunkelziffer und der geringen Zahl der Anzeigen damit, dass die Eigentumsverhältnisse bei Katzen nicht so klar wie bei Hunden seien.














