Mutmaßliches Netzwerk
Verdacht auf Geldwäsche: Bundesweite Razzia nach Goldfund in Niederbayern

Jan Woitas/dpa
Bei den umfangreichen Durchsuchungen waren am Mittwoch 450 Ermittler im Einsatz. (Symbolbild)

In einer groß angelegten Aktion sind deutsche Ermittler am Mittwoch mit Unterstützung aus den Niederlanden und von Europol gegen ein mutmaßliches Geldwäschenetzwerk vorgegangen. Bei dem Großeinsatz mit rund 450 Ermittlern von Polizei und Zoll wurden laut Polizeibericht rund 40 Häuser in mehreren Bundesländern durchsucht. Durchsuchungen fanden etwa in Köln, Leverkusen, Berlin sowie in der Nähe von Rotterdam statt. Drei Verdächtige wurden festgenommen.
Dem Zugriff gingen laut Polizei mehrjährige Ermittlungen voraus, die im Oktober 2023 ihren Anfang nahmen. Damals entdeckte die Verkehrspolizei Deggendorf bei einer Kontrolle auf der A3 in einem Auto über 55 Kilogramm Gold sowie eine halbe Million Euro Bargeld. Beides war in einem eigens präparierten Versteck innerhalb des Fahrzeugs verborgen. Die beiden Fahrer aus der Türkei (42 und 60 Jahre) wurden damals wegen des Verdachts der Geldwäsche festgenommen.
Im Zuge der weiteren Ermittlungen ergaben sich laut Polizei Hinweise auf eine überwiegend türkischstämmige Tätergruppe. Die Männer im Alter zwischen 43 und 59 Jahren sollen sich demnach zu einer Bande zusammengeschlossen haben und über Jahre Geld „gewaschen“ sowie geschmuggelt haben. Nach jetzigem Stand der Ermittlung boten sie Geldwäsche wohl vor allem als Dienstleistung für Dritte an und halfen etwa dabei, die Herkunft von aus Straftaten stammendem Geld zu verschleiern und es in die Türkei zu transferieren. Laut Polizei soll es sich jährlich um einen mittleren, zweistelligen Millionenbetrag gehandelt haben. Das Geld stammte wohl vor allem aus dem Drogenhandel, aber auch aus anderen Straftaten.
Bei ihren kriminellen Aktivitäten sollen die Männer laut Polizei mit mehreren Juwelieren, vor allem im Raum Köln und Nordrhein-Westfalen, zusammengearbeitet haben. Demnach nutzten sie das Bargeld wohl zum Ankauf von Alt- und Schrottgold, welches sie anschließend zusammen mit Schmuck gezielt einschmolzen, um daraus Schmelzgoldbarren zu fertigen. Diese Goldbarren wiederum sollen anschließend auf verschiedenen Wegen in die Türkei gelangt sein. Dabei sollen speziell präparierte Fahrzeuge zum Einsatz gekommen sein, wie etwa im Oktober 2023 auf der A3 bei Deggendorf.
In der Türkei wiederum sollen die Goldbarren zum Ankauf von hochwertigem Schmuck verwendet worden sein. Anschließend hätten die Männer ihre Auftraggeber ausgezahlt, ein Teil des Schmucks ging wohl auch zurück nach Deutschland und wurde den involvierten Juwelieren übergeben. Mutmaßlich sollen die Männer über einen Zeitraum von sechs Jahren auf diese Weise zwischen einer und vier Tonnen Gold geschmuggelt haben. Der Wert läge damit zwischen 55 und 210 Millionen Euro.
Bereits Anfang September konnte in Hamm (Nordrhein-Westfalen) ein 59-Jähriger festgenommen werden, der mutmaßlich Kontakt zu der Gruppe gehabt haben soll. Gleichzeitig gelang der Seehafenpolizei in Rotterdam ein Schlag gegen einen mutmaßlichen illegalen Finanzvermittler, der Teil der Bande gewesen sein soll. Dies führte zu einem Austausch zwischen den deutschen und niederländischen Ermittlungsgruppen, welcher schließlich zur Planung der großangelegten Razzia führte.
Laut Polizei wurden im Rahmen der Durchsuchungen zahlreiche digitale Datenträger und schriftliche Unterlagen sichergestellt, dazu etwa 800 Gramm Schmelzgold sowie Bargeld im hohen fünfstelligen Bereich. Gegen drei Verdächtige der mutmaßlichen Gruppierung wurden Haftbefehle vollstreckt. Laut Polizei handelt es sich um einen 46-Jährigen aus dem Raum Wuppertal, einen 45-Jährigen aus Übach-Palenberg und einen 43-Jährigen aus dem Raum Remscheid (beides NRW). Alle drei haben die türkische Staatsangehörigkeit. Insgesamt richten sich die Ermittlungen laut Polizei gegen 24 Beschuldigte.
Die umfangreichen Ermittlungen dauern weiterhin an. Die Polizei weist daraufhin, dass für alle Verdächtigen die Unschuldsvermutung gilt.











