Landshut
Redebedarf
Zugfahren ist bekanntlich immer ein Abenteuer. Wer jetzt an die Widrigkeiten denkt, die Verspätungen mit sich bringen, der scheint vergessen zu haben, dass das wahre Russisch-Roulette nicht die Ankunftszeit ist, sondern die Antwort auf die Frage, mit wem man sich das Abteil teilt.
Mein Zug rollt an diesem Vormittag gegen 9 Uhr morgens in Freising ein. Am Bahnsteig steht ein Mann. Um die 30, gepflegtes Aussehen, wild am Gestikulieren. Er hat eine Bierflasche dabei – aber kein Gegenüber, dem die Gestikuliererei gelten könnte. Selbstverständlich setzt sich besagter Mann mit besagter Bierflasche und besagtem Redebedarf in mein Abteil und mir direkt gegenüber. Uff. Und selbstverständlich redet er ohne Punkt und Komma munter weiter.Soll man da aufstehen, gehen, das Feld räumen? Kaum einzusehen. Soll man sitzen bleiben, angestrengt wegschauen und hoffen, dass der Zug bloß keinen weiteren „außerplanmäßigen Halt“ hinlegt? Schwer zu ertragen. Ich bleibe sitzen. Heute wird kein Feld geräumt.
Nach unglaublich langen 20 Minuten halten wir in Landshut. Erlösung. Was genau der Mann da mit seinem imaginären Gegenüber beredet hat? Keine Ahnung, das war trotz unfreiwilligem Zuhören und angestrengtem Weghören nicht zu verstehen. Aber es scheint ein heiteres Gespräch gewesen zu sein – es wurde viel gelacht. Immerhin einer hatte Spaß!









