Streit um Arktisinsel
Angriff oder Kauf: Was plant Trump mit Grönland?

Christian Klindt Soelbeck/Ritzau Scanpix Foto/AP/dpa
Die US-Regierung will sich Grönland einverleiben - in Washington scheint es nun vor allem um die Frage zu gehen, wie man es am besten bewerkstelligt. (Archivbild)
Im Streit um das zum Königreich Dänemark gehörende Grönland sendet die US-Regierung widersprüchliche Signale: Das Weiße Haus schließt einen Militäreinsatz ausdrücklich nicht aus, während der Außenminister Berichten zufolge von einem Kauf der autonomen Arktisinsel spricht. Die US-Regierung hat ihre Drohungen in der Sache zuletzt massiv verstärkt - sehr zum Ärger der europäischen Nato-Partner.
Präsident Donald Trumps Sprecherin Karoline Leavitt erklärte zum amerikanischen Anspruch auf Grönland am Dienstagabend (Ortszeit): „Der Präsident und sein Team erörtern eine Reihe von Optionen, um dieses wichtige außenpolitische Ziel zu erreichen, und selbstverständlich steht dem Oberbefehlshaber der Einsatz des US-Militärs jederzeit als Option zur Verfügung.“
Außenminister Marco Rubio, der aktuell auch Trumps Nationaler Sicherheitsberater ist, sagte Medienberichten zufolge in einer vertraulichen Sitzung mit US-Abgeordneten, dass die jüngsten Drohungen keine militärische Invasion signalisieren sollten. Das Ziel sei ein Kauf Grönlands, berichteten das „Wall Street Journal“ und die „New York Times“ unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Sitzung fand am Montag statt.
Unter Berufung auf Beamte berichtete die „New York Times“ weiter, dass Präsident Donald Trump seine Mitarbeiter um die Vorlage eines aktualisierten Plans für einen Erwerb der Insel gebeten habe. Trump hatte einen solchen Plan bereits während seiner ersten Amtszeit ins Spiel gebracht.
Dänemark hat den US-Anspruch auf Grönland und die militärischen Drohungen entschieden zurückgewiesen. Regierungschefin Mette Frederiksen sagte: „Wenn die USA ein anderes Nato-Land angreifen, dann hört alles auf.“ Das wäre das Ende des westlichen Verteidigungsbündnisses und damit auch der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Sicherheitsarchitektur.
In einer gemeinsamen Erklärung machten Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien, Großbritannien und Dänemark am Dienstag klar: Grönland gehört den Grönländern. „Es ist allein Sache Dänemarks und Grönlands, über Angelegenheiten zu entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen“, hieß es in der auch von Bundeskanzler Friedrich Merz unterzeichneten Erklärung. Auch die Regierung in Grönland, wo nur rund 57.000 Menschen leben, lehnt die Begehrlichkeiten der US-Regierung ab.
Im US-Kongress gibt es in der Sache ebenfalls vereinzelt Kritik an Trumps Regierung. Die demokratische Senatorin Jeanne Shaheen und der republikanische Senator Thom Tillis, beide Mitglieder im Auswärtigen Ausschuss, teilten mit: Wenn Dänemark und Grönland klarstellten, dass die Insel nicht zum Verkauf stehe, müssten die USA ihre Vertragsverpflichtungen einhalten und die Souveränität des Königreichs Dänemark respektieren.
Trump verweist bei seinen Grönland-Besitzansprüchen immer wieder auch auf China und Russland. Wenn man sich Grönland entlang der Küste anschaue, sehe man überall russische und chinesische Schiffe, meint er. Es gehe nicht um Mineralien oder Öl, davon hätten die USA selbst genug. Die USA bräuchten Grönland für ihre nationale Sicherheit, argumentiert er. Trumps jüngste Äußerungen dazu folgten auf den US-Militäreinsatz in Venezuela und die weltweite Sorge, er könnte seinen Blick nun auch auf weitere Regionen werfen.
Die größte Insel der Welt liegt zwischen den USA, Russland und Europa und ragt weit in den Polarkreis hinein. Aufgrund des Klimawandels wird die Arktis zunehmend für die zivile und militärische Schifffahrt interessant. Zudem werden in Grönland auch Vorkommen wichtiger Mineralien, darunter seltene Erden, vermutet. Seltene Erden stecken in allerlei täglichen Gebrauchsgegenständen wie Smartphones, Laptops und Fernsehern.
Trump hatte bereits 2019 in seiner ersten Amtszeit einen Besitzanspruch auf Grönland geäußert und wollte die Insel für die USA kaufen. Die Dänen hatten zunächst an einen Scherz geglaubt. Seitdem hat der US-Präsident seine Ansprüche auf die Arktisinsel mehrfach erneuert und dabei auch militärische Gewalt nicht ausgeschlossen, um Grönland unter seine Kontrolle zu bringen.
Die USA haben schon jetzt weitgehende Rechte, die Insel zur eigenen Verteidigung zu nutzen - unter anderem durch ein Verteidigungsabkommen von 1951. Im abgeschiedenen Pituffik, etwa 1.500 Kilometer nördlich der Hauptstadt Nuuk, betreibt das US-Militär seit langem einen Militärstützpunkt. Dieser unterstützt Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und Weltraumüberwachungsmissionen.
Grönland war bis 1953 eine Kolonie Dänemarks, hat aber seit 1979 immer größere Selbstverwaltungsrechte erhalten und ist inzwischen weitgehend autonom. Über Bereiche wie Außen- und Verteidigungspolitik entscheidet weiter Dänemark - durch die Anbindung an das Königreich ist Grönland auch Teil der Nato.
Trumps Sprecherin Karoline Leavitt erklärte zu den US-Plänen: „Der Präsident und sein Team erörtern eine Reihe von Optionen, um dieses wichtige außenpolitische Ziel zu erreichen, und selbstverständlich steht dem Oberbefehlshaber der Einsatz des US-Militärs jederzeit als Option zur Verfügung.“
Außenminister Marco Rubio, aktuell auch Trumps Nationaler Sicherheitsberater ist, sagte Medienberichten zufolge in einer vertraulichen Sitzung mit US-Abgeordneten, dass die jüngsten Drohungen keine militärische Invasion signalisieren sollten. Das Ziel sei ein Kauf Grönlands, berichteten das „Wall Street Journal“ und die „New York Times“ unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Unter Berufung auf Beamte berichtete die „New York Times“ weiter, dass Trump um einen aktualisierten Plan zum Kauf der Insel gebeten habe. Trump hatte die Idee bereits während seiner ersten Amtszeit ins Spiel gebracht.
Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen sagte nach einer Krisensitzung im dänischen Parlament: „Es ist besorgniserregend, dass wir einen amerikanischen Präsidenten haben, der eine solche Ambition hat.“ Er fügte an: „Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass sie nicht wahr wird.“ Fraglich ist allerdings, wie Dänemark konkret dafür sorgen will.
Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien, Großbritannien und Dänemark sowie die nordischen Länder hatten sich am Dienstag in gemeinsamen Erklärungen mit Grönland solidarisiert. Abzuschrecken scheint das Trump und seine Regierung nicht. In Dänemark werden nun Rufe nach einer Vermittlung durch Nato-Generalsekretär Mark Rutte laut.
Trump verweist bei seinen Besitzansprüchen unter anderem darauf, dass entlang der grönländischen Küste viele russische und chinesische Schiffe unterwegs seien. Es gehe ihm nicht um die Bodenschätze dort, davon hätten die USA selbst genug. Amerika brauche Grönland für seine nationale Sicherheit.
Experten verweisen dagegen darauf, dass die USA durch mehrere Abkommen mit Dänemark schon jetzt weitgehende Rechte haben, die Insel militärisch zu nutzen. In Pituffik, rund 1500 Kilometer nördlich von Nuuk, betreibt das US-Militär einen Stützpunkt, der Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und Weltraumüberwachungsmissionen unterstützt.
Sollten die USA Grönland tatsächlich angreifen, stünde das Nato-Mitglied Dänemark allein da, prognostiziert der Forscher Peter Viggo Jakobsen von der dänischen Verteidigungsakademie. „Niemand wird militärisch einen Finger für Grönland rühren“, sagte Jakobsen dem dänischen Rundfunk. Falls die Amerikaner angreifen, heiße es „Game Over“. „Und dann müssen sich die Grönländer damit abfinden, dass es einen neuen Hausmeister gibt.“
Bei den Bewohnern der Arktisinsel wächst angesichts der verschärften Drohungen die Sorge um die Zukunft des Landes. „Die letzten Tage waren sehr, sehr schwierig - und emotional aufwühlend“, sagte Pitsi Karolussen in der Hauptstadt Nuuk dem dänischen Fernsehen. „Andererseits versuche ich auch, ruhig zu bleiben, weil wir nicht wissen, was passieren wird.“ Sie wolle sich sicher in ihrem Land fühlen können.
Grönland war bis 1953 eine Kolonie Dänemarks, hat aber seit 1979 immer größere Selbstverwaltungsrechte erhalten und ist inzwischen weitgehend autonom. Über Bereiche wie Außen- und Verteidigungspolitik entscheidet weiter Dänemark - durch die Anbindung an Dänemark ist Grönland auch Teil der Nato.
Im US-Kongress gibt es in der Sache ebenfalls vereinzelt Kritik an Trumps Regierung. Die demokratische Senatorin Jeanne Shaheen und der republikanische Senator Thom Tillis, beide Mitglieder im Auswärtigen Ausschuss, teilten mit: Wenn Dänemark und Grönland klarstellten, dass die Insel nicht zum Verkauf stehe, müssten die USA ihre Vertragsverpflichtungen einhalten und die Souveränität Dänemarks respektieren.
Trump ist nicht der erste US-Präsident, der ein Auge auf Grönland geworfen hat. Schon in den 1860ern gab es einen ersten US-Vorstoß zum Kauf, der aber scheiterte. Nach dem Zweiten Weltkrieg boten die USA 100 Millionen Dollar für Grönland - und in den 1970ern soll Vizepräsident Nelson Rockefeller laut US-Medien erneut mit Kaufgedanken gespielt haben.












