Timewarp - die Zeitreise mit Andrea Limmer

Der Eifelturm: Ein monströses Bauwerk

Andrea Limmer.

Andrea Limmer.

Von Redaktion idowa

Mit den Wahrzeichen, die Politiker sich und offiziell ihrer Stadt/ihrem Land setzen, ist es ja immer so eine Sache. Nämlich eine Sache des guten Geschmacks, der leider nur zu oft verliert, gegen Geld aus bekannten Händen und Pomp, der so plump wie ein Kartoffelsack ist. Eines dieser Wahrzeichen ist der Eiffelturm inmitten von Paris und deswegen geht es heute wieder um die Franzosen.

Den Eiffelturm kennt wohl jeder, der groß genug ist, ein Bild zu sehen und zu verstehen, was man ihm sagt. Der Weltausstellungsbau von 1889 ist außerdem ein schöner Beweis, dass Tiere den Denkmalwahn elegant ignorieren. Leg' einer Katze die Postkarte mit dem Eiffelturm hin und daneben ein Stück Wurst - die Katze wird sich für die Wurst entscheiden. Außer sie hat einen Magister in Geschichte oder Architektur. Nein, auch dann wird sie sich für die Wurst entscheiden. Katzen haben ein untrügliches Gespür für Eleganz und Wurst.

Ich schweife ab, wogegen Fakten bestens helfen: Die Bauzeit des Turms betrug zwei Jahre, von 1887 bis 1889. Seit dem 31. März 1889 ist der Eiffelturm in Betrieb, als Beweis, dass Franzosen gute Konstrukteure sind, als höchster Turm der Erde, Sehenswürdigkeit, Denkanstoß für Souvenirs, Funk- und Fernsehmast und Träger von strahlendem Lichterglanz. Durch den Aufsatz der Fernsehantenne hat "La Tour Eiffel" 1957 noch mal 20 Meter an Höhe dazubekommen.

Eigentlich sollte der Turm zwanzig Jahre nach seiner Errichtung wieder abgerissen werden, schließlich sollte er bloß ausdrücken, was die Franzosen aus Stahl alles errichten können. Den Abriss hat vor allem sein kommerzieller Nutzen verhindert. Man kann von ihm aus auf die Seine blicken. Jedes Jahr pilgern etwa sechs Millionen Menschen zum Eiffelturm. Was heißt, dass jedes Jahr etwa sechs Millionen Menschen sagen: "Ich bin dort gewesen!" Was wiederum heißt, dass sie in dieser Zeit nichts Falsches sagen - allerdings auch nichts Originelles.

Wenn man gute Sicht hat, sieht man 70 Kilometer weit. Allerdings sieht man vom Bruckberger Wasserhäuschen im Landkreis Landshut bei guter Sicht bis zu den Alpen. Bei einer Windgeschwindigkeit von 180 Kilometern pro Stunde taumelt die Turmspitze bloß zwölf Zentimeter hin und her, während man bei einer solchen Windstärke als Besucher des Bruckberger Wasserhäuschens sicherlich mehr Schwierigkeiten mit der Balance hätte. Wer sich anmutet, den Turm zu Fuß zu besteigen sollte die Anzahl der Stufen kennen: 1700.

Die Anzahl der Bauteile beträgt: 18000 Stück. Und wer schon mal ein Lego-Technik-Bauwerk zusammengesetzt hat oder ein 3000er-Puzzle vom Eiffelturm, weiß um den Kampf mit vertrackten Einzelteilen. Namensgeber des Turms ist Gustave Eiffel gewesen, die Entwickler hinter dem Projekt hießen Maurice Koechlin und Emile Nougier. Gustave Eiffel hat außerdem bei der Freiheitsstatue mitgewirkt. Als Turm-Architekten hat man Stephen Sauvestre beauftragt.

So viel erst mal zu den nackten Fakten. Interessanter sind allerdings die Emotionen und Tragödien, die der Eiffelturm einst hervorrief. Künstler, Ästheten und Journalisten verwehrten sich damals gegen das Bauwerk. Es war ihnen zu sinnlos und monströs. Man sammelte Unterschriften gegen den Turm und Guy de Maupassant, Journalist, Schriftsteller und erbitterter Turmgegner, gab in seinem Reisejournal kund, dass er Paris und Frankreich wegen des Eiffelturms verlassen habe. Er habe ihn zu sehr geärgert und sei ihm ein "unentrinnbares, quälendes Albdrücken".

Bald nach dem ersten "Shitstorm", begeisterte sich die Pariser Bevölkerung immer mehr für ihren Eiffelturm. Man behängte ihn mit Lichtern. Und seit der Millenniumsbeleuchtung samt dem Feuerwerk leuchten dort jeden Tag, ab der Dämmerung bis ein Uhr, stündlich zehn Minuten lang unzählige Glühbirnen - die keine Energiesparlampen sein dürften.

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