150 Jahre Festspiele

Wagnis geglückt: Jubel für Bayreuther „Rienzi“

Andreas Schager gibt den Diktator.

Andreas Schager gibt den Diktator.

Von dpa

Zum großen Jubiläum eine Oper, die noch nie im Festspielhaus aufgeführt wurde - und dann auch noch eine, die für Adolf Hitler eine besondere Rolle spielte: Die Bayreuther Festspiele sind mit ihrer Premiere von Richard Wagners Frühwerk „Rienzi“ durchaus ein Wagnis eingegangen und werden dafür belohnt.

Das liegt vor allem daran, dass die Regisseurinnen Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka ihre Ankündigung einlösen und aus der Geschichte über Aufstieg und Fall eines römischen Volkstribunen tatsächlich ein Mahnmal machen gegen das Vergessen und dagegen, die Demokratie für etwas Selbstverständliches zu halten.

Tosenden Applaus - mit wenigen obligatorischen Buhs - gibt es nach der Festspielpremiere für die Regisseurinnen, für die Musiker und vor allem für Dirigentin Nathalie Stutzmann, die etwas reinfinden muss in die spezielle Oper, die im Festspielhaus mit seiner speziellen Akustik vorher noch nie aufgeführt worden ist, dann aber mit dem Orchester zu großer Form aufläuft. Einige Standing Ovations gibt es dafür.

Die Oper soll ein Mahnmal sein.

Die Oper soll ein Mahnmal sein.

Die neue Produktion der Oper, die Wagner selbst „Schreihals“ nannte, nie auf dem Grünen Hügel hören wollte und aus dem Festspiel-Repertoire verbannte, verlegt die Handlung in eine dystopische Zukunft (oder Gegenwart?), in der Social Media dem Doktator Rienzi (Andreas Schager) dabei hilft, den etablierten Kräften die Macht zu entreißen, selbst an die Macht zu kommen und das Volk (im Stück sind es eigentlich die Römer des Mittelalters) und auch sich selbst ins Verderben zu stürzen. Ein Höhepunkt: Die Ballett-Episode im zweiten Akt zeigt das Bayreuther Festspielhaus und einen Schnelldurchlauf durch Wagners große Opern. Im Publikum sitzt der Diktator.

Der anfänglichen Begeisterung für den Mann, der Freiheit und das Ende elitärer Macht verspricht, folgen Krieg, Tod und Zerstörung.

Schager, dem ein kämpferischer Rienzi deutlich mehr zu liegen scheint als ein verliebter Tristan oder ein romantischer Lohengrin, wütet über die Bühne, übertönt in den zahlreichen Massenszenen sogar den stimmgewaltigen Chor und wird dafür vom Publikum gefeiert. Ebenso Jennifer Holloway in einer ganz starken Hosenrollen-Darstellung des Adriano und Gabriela Scherer als Irene.

„Rienzi“ wird oft als Hitlers Lieblingsoper bezeichnet. Das liegt vor allem daran, dass sein Jugendfreund August Kubizek Wagners Frühwerk als wichtige Inspirationsquelle für den späteren Diktator beschrieben hat. „In jener Stunde begann es...“, soll Hitler, der später als enger Freund der Familie Wagner in Bayreuth ein und aus ging, gesagt haben, nachdem er als Teenager in Linz Wagners Oper „Rienzi“ gesehen hatte. Außerdem eröffnete die Ouvertüre die Reichsparteitage der NSDAP.

Auch darum hatte es kritische Stimmen gegeben, weil das Werk ausgerechnet im Jubiläumsjahr - und nur dann - aufgeführt werden soll. Nach der Premiere ist klar: Aus Publikumssicht könnten es auch ruhig noch ein, zwei Jahre mehr werden.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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