Bayreuther Festspiele

„Nein“ zum Rechtsruck - Bayreuths neues Gesicht

Friedman bei seiner Rede im Festspielhaus.

Friedman bei seiner Rede im Festspielhaus.

Von dpa

Der jüdische Publizist Michel Friedman (70) hat in seiner mit Spannung erwarteten Rede zum 150. Jubiläum der Bayreuther Festspiele zu Engagement für Demokratie und gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft aufgerufen. „Was muss eigentlich noch passieren, dass wir unsere Demokratie persönlich verteidigen“, fragte er im Festspielhaus bei einer Gedenkveranstaltung für während des NS-Regimes verfolgte und ermordete jüdische Musiker.

Inzwischen sei klar, „dass wir den Anfängen nicht genug gewehrt haben, sondern mittendrin sind“, sagte er auch mit Blick auf Sachsen-Anhalt, wo die AfD rund sechs Wochen vor der Landtagswahl laut Umfragen mit mehr als 40 Prozent deutlich vorn liegt.

Gerade den Menschen, die heute gern nörgelten, müsse man klarmachen: „Sie müssen demokratisch wählen, damit sich morgen noch entspannt nörgeln können.“

Wagner und Friedman halten sich an den Händen.
Wagner und Friedman halten sich an den Händen.
Wagner und Friedman halten sich an den Händen.
Friedman nannte Wagner nun «Freundin».
Friedman nannte Wagner nun «Freundin».
Friedman nannte Wagner nun «Freundin».
Gemeinsames Gebet im Festspielpark.
Gemeinsames Gebet im Festspielpark.
Gemeinsames Gebet im Festspielpark.
Friedman und Wagner besichtigten die Ausstellung «Verstummte Stimmen».
Friedman und Wagner besichtigten die Ausstellung «Verstummte Stimmen».
Friedman und Wagner besichtigten die Ausstellung «Verstummte Stimmen».

Friedman, aus dessen Familie seinen Angaben zufolge 50 Menschen von den Nationalsozialisten ermordet wurden, betonte: Hass auf Juden, Hass auf Muslime, Hass auf Frauen oder Homosexuelle sei vor allem eins: Hass auf Menschen. „Die Diktatur verachtet den Menschen nicht, sie sieht ihn nicht einmal“, sagte Friedman. Darum müssten alle überzeugte Demokraten ihre Stimme erheben und Werbung machen für „das bessere Produkt“.

Friedmans Rede war vor allem darum mit Spannung erwartet worden, weil es um die geplante Veranstaltung im Vorfeld einiges an Wirbel gegeben hatte. Friedman selbst machte die Tatsache, dass er dazu ein- und wieder ausgeladen worden war, öffentlich und seinem Ärger darüber Luft.

Es folgte harsche Kritik an den Festspielen, auch aus der Politik - und eine Entschuldigung von Festspiel-Chefin Katharina Wagner, die sie bei der Eröffnung des Jubiläums noch einmal wiederholte.

Friedman nannte die 48-Jährige, mit der er vor seiner Rede noch die Dauerausstellung „Verstummte Stimmen“ zu den Biografien verfolgter jüdischer Mitwirkender der Bayreuther Festspiele besuchte, nun „meine Freundin“ und sagte, „dass Katharina Wagner gerade die Erinnerungskultur von Bayreuth verändert“. „Heute hab ich das Wort und der Antisemit Richard Wagner muss zuhören.“

Der Komponist Richard Wagner (1813-1883), Gründer der Bayreuther Festspiele, verfasste antisemitische Schriften und äußerte sich auch immer wieder klar antisemitisch. Später galten die Festspiele als eng verflochten mit nationalistisch-völkischem Gedankengut und schließlich mit dem Nationalsozialismus. Adolf Hitler war immer wieder Gast in Bayreuth. Katharina Wagners Großmutter Winifred Wagner, die die Festspiele damals leitete, galt als glühende Verehrerin.

Nach dem Krieg und dem Ende des NS-Regimes ging es aus Sicht Friedmans vor allem darum, das dunkle Kapitel zu schließen und nicht mehr aufzuschlagen. Dazu zitierte er den Wunsch der Brüder Wieland und Wolfgang Wagner, die das Opernspektakel 1951 wiedereröffneten und ihre Gäste ganz explizit baten, „von Gesprächen und Debatten politischer Art freundlich absehen zu wollen“.

Die Festspiele hätten jahrelang viel zu wenig für die Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte getan, betonte Friedman und auch Medien und Politik hätten lieber den Musikgenuss zelebriert als sich mit der Frage auseinandergesetzt, ob auf ihrem Platz womöglich einst Hitler saß. Friedman sagte: „Wie liebevoll vom Grünen Hügel gesprochen wird in der Hoffnung, dass man die braune Erde darunter nicht sieht“.

Wagner dankte Friedman für seine Teilnahme an der Veranstaltung, die sich explizit mit dem „Ungeist, der vom Grünen Hügel ausging“ befassen sollte. Das sei heute wichtiger denn je.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer nannte Friedmans Rede und die Neuausrichtung der Bayreuther Erinnerungskultur „historisch“. „Michel Friedman hat eine große, eine historische Rede gehalten. Er hat den Finger in die Wunde der Erinnerungspolitik gelegt und hat damit eine große Versöhnungsgeste gelebt, die allen Beteiligten guttut. Katharina Wagner hat sich entschieden, die Erinnerungspolitik Bayreuths und der Familie Wagner neu zu definieren“, sagte er.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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