Bayreuther Festspiele

Hitlers Lieblings-Oper? Warum „Rienzi“ so speziell ist

Die ersten Regisseurinnen in Bayreuth, die nicht Wagner heißen.

Die ersten Regisseurinnen in Bayreuth, die nicht Wagner heißen.

Von dpa

Die Regisseurinnen der ersten „Rienzi“-Inszenierung in der Geschichte der Bayreuther Festspiele sehen in der Oper über Aufstieg und Fall eines Volksverführers ein „Mahnmal“.

„Gerade jetzt, da rechtspopulistische und faschistische Tendenzen wieder stärker wahrnehmbar werden, hat dieses Stück eine unheimliche Aktualität gewonnen“, sagt die Regisseurin Alexandra Szemerédy, die das Werk nun gemeinsam mit ihrer Kollegin Magdolna Parditka in Bayreuth auf die Bühne bringt, im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Die beiden sind die ersten Frauen ohne Wagner-Nachnamen, die auf dem Grünen Hügel inszenieren.

„Es ist gewissermaßen ein Mahnmal. Die entscheidende Frage ist: Wo kippt eine Demokratie? Ab wann gleitet sie fast unmerklich in andere Mechanismen ab?“

«Große Verantwortung» für ein «toxisches» Werk.
«Große Verantwortung» für ein «toxisches» Werk.
«Große Verantwortung» für ein «toxisches» Werk.
Die beiden Frauen inszenieren den ersten Bayreuther «Rienzi».
Die beiden Frauen inszenieren den ersten Bayreuther «Rienzi».
Die beiden Frauen inszenieren den ersten Bayreuther «Rienzi».

„Rienzi“ ist Wagners dritte Oper und war einst sein größter Erfolg. Sie erzählt von Aufstieg und Fall des römischen Volkstribuns Cola di Rienzo, der die Macht der herrschenden Klasse brechen will - und dann am eigenen Größenwahn zugrunde geht.

Die Oper soll den jungen Adolf Hitler inspiriert haben, als er sie als Teenager zum ersten Mal in Linz sah. „In jener Stunde begann es...“, soll er damals gesagt haben. Die „Rienzi“-Ouvertüre eröffnete stets die Reichsparteitage der NSDAP.

Jetzt feiern die Bayreuther Festspiele - wo Wagner-Fan Hitler einst ein und aus ging - ihr 150-jähriges Bestehen mit der ersten Aufführung von „Rienzi“ auf dem Grünen Hügel. Dafür war sogar ein Beschluss im Stiftungsrat nötig, denn eigentlich wollte Wagner selbst seine 1842 uraufgeführte frühe Oper, die er „Ungethüm“ und „Schreihals“ nannte, nicht im Festspiel-Repertoire wissen.

„Ich denke, wenn man "Rienzi" ins Programm nimmt - insbesondere zum 150. Jubiläum und noch dazu zum ersten Mal überhaupt -, dann setzt man ein Zeichen“, sagt Regisseurin Szemerédy. „Das bedeutet, dass man sich mit der Vergangenheit auseinandersetzt. Es ist sehr wichtig, dass man diese Stücke nicht vergisst oder verdrängt. "Rienzi" ist Wagners politischstes Werk und genau das Werk, das Hitler so stark inspiriert hat.“

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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