Vierschanzentournee
„Verrückter Vogel“ nicht zu fangen: Prevc dominiert Tournee
Tricks Abschauen vom Dominator, das geht laut Deutschlands derzeit bestem Skispringer Felix Hoffmann nicht. „Irgendwas nachmachen ist nicht möglich, weil er doch sehr individuell ist“, sagte Hoffmann mit Blick auf den aktuell unschlagbaren Domen Prevc. „Größe, Gewicht, Proportion: Da hat jeder über die Jahre sein persönliches Setup aufgebaut, das funktioniert“, sagte Hoffmann.
Der Slowene Prevc führt bei der Vierschanzentournee mit großem Vorsprung. Der Gesamtsieg scheint ihm bereits nach zwei von vier Springen kaum mehr zu nehmen zu sein. Hoffmann liegt auf Platz vier und hat umgerechnet mehr als 25 Meter Rückstand auf Prevc.
Ein Podestplatz ist noch realistisch, hat aus Sicht des 28-Jährigen aber keinen besonderen Wert. „Vierter Platz ist erstmal ganz gut. Aber ob es zwei, drei, vier oder fünf ist, ist bei der Tournee auch irrelevant“, sagte Hoffmann. Nur der goldene Adler für den Champion zählt. „Das zeigt den Ehrgeiz, den er hat. Er will das Ding gewinnen“, sagte Bundestrainer Stefan Horngacher zu Hoffmann.

Daniel Karmann/dpa
Zwei Siege hat Domen Prevc schon. Werden es nach vier Tournee-Springen vier sein?
„Man fragt sich als Springer schon: Wo sind die restlichen 15 Meter bis zum Domen? Ich gebe ja auch mein Bestes und bin auf sehr hohem Niveau“, sagt Raimund. Sowohl beim Tournee-Auftakt in Oberstdorf als auch beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen siegte der Slowene mit riesigem Vorsprung.
Vor der dritten Station in Innsbruck, wo an diesem Samstag (14.30 Uhr/ZDF und Eurosport) die Qualifikation stattfindet, liegt Prevc schon knapp 20 Meter vor dem zweitplatzierten Österreicher Jan Hörl und über 25 Meter vor Hoffmann.
25 Meter: Das ist in etwa die Länge von zwei Reisebussen, die direkt hintereinander geparkt sind. Im Skispringen sind das Welten. Seit der finnischen Skisprung-Legende Janne Ahonen 2004/05 lag kein Springer zur Tournee-Halbzeit derart weit vorn. Die ganze Skisprung-Szene rätselt: Warum ist Prevc so gut und so überlegen?
„Ihr fragt mich immer wieder nach meinem Geheimnis. Mein Geheimnis ist, dass ich den ganzen Sommer über konstant, ausdauernd und hart gearbeitet habe. Von April bis zum ersten Tag der Wintersaison“, sagte er selbst. So weit, so unspektakulär.
Markus Eisenbichler, der seine Karriere nach der vergangenen Saison beendet hat und jahrelang gegen den 26-Jährigen sprang, hat eine Entwicklung beobachtet. Früher sei Prevc „zwischen Genie und Wahnsinn“ gewesen und habe „a bissl in seiner eigenen Welt gelebt“, sagte der Eurosport-Experte.
Prevc sei „ein verrückter Vogel“, aber nun gereift. „Jetzt merkt man einfach: Er hat einen Plan, er hat ein System. Er lässt sich auch von einem schlechten Sprung nicht aus der Ruhe bringen.“
Der Führende im Gesamtweltcup kommt aus einer wahren Skisprung-Dynastie. Sein ältester Bruder Peter Prevc gewann die Tournee vor zehn Jahren und ist nun Teil des Trainerteams.
Sein anderer Bruder Cene Prevc war 2022 Teil der slowenischen Mannschaft, die Olympia-Silber gewann. Seine jüngere Schwester Nika Prevc prägt das Frauen-Skispringen. An Neujahr gewann die 20-Jährige die Gesamtwertung der Two-Nights-Tour. Am Namen Prevc kommt im Schanzen-Kontext derzeit niemand vorbei.
Gewinnt Domen Prevc als vierter Sportler nach Sven Hannawald, Kamil Stoch und Ryoyu Kobayashi auch alle vier Springen bei einer Tournee? Alles andere wäre mittlerweile schon eine Überraschung. „Irgendwann gewöhnt man sich dran. Er fliegt sowieso ganz runter“, sagte Horngacher zur Dominanz. „Das ist für uns nicht mehr so aufregend. Wir müssen uns auf uns konzentrieren.“









