Gastgewerbe
So oft lassen Bayerns Gastro und Hotels Bewertungen löschen

Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Selbst bei traumhaftem Ausblick ist nicht immer jeder Gast zufrieden. (Symbolbild)
Gastronomiebetriebe und Hotels in Bayern lassen Zehn- oder sogar Hunderttausende Bewertungen bei Google-Maps löschen. Darauf deutet eine Stichprobe der dpa in zehn großen Städten hin. Je nach Ort gab es dabei bei einem Siebtel bis einem Viertel der Betriebe Löschungen. Teilweise ging es dabei um mehr als 200 Bewertungen einzelner Betriebe, meist aber um ein- oder zweistellige Werte.
Für die Auswertung wurden aus den neun größten Städten Bayerns und Landshut als größter Stadt des sonst nicht in der Auswertung vertretenen Niederbayerns Stichproben gezogen, insgesamt mehr als 1.600 Datensätze. Die Größe der Einzelstichproben reicht dabei von 92 aus Erlangen bis 268 in Nürnberg. Die Zahlen für die einzelnen Städte unterliegen daher einer gewissen Ungenauigkeit, grobe Aussagen lassen sich aus ihnen aber durchaus ableiten.
Nürnberg vor München
Auffällig ist dabei, dass es die höchsten Quoten in den beiden größten Städten gibt. In Nürnberg haben knapp 26 Prozent der untersuchten Betriebe Bewertungen bei Google Maps löschen lassen. In München sind es knapp 25 Prozent. Dahinter folgen Würzburg um 24, Erlangen mit 23 sowie Fürth, Regensburg und Landshut mit rund 20 Prozent. Die niedrigsten Werte gibt es in Augsburg mit 18 sowie Bamberg und Ingolstadt mit rund 14 Prozent.
Das deckt sich mit Beobachtungen aus anderen Bundesländern. Auch dort sind die Löschquoten insbesondere in den großen Städten hoch - mit teils an die 30 Prozent auch höher als in Bayern. Insgesamt ist die Bandbreite bundesweit noch höher: Die Stichproben mit den geringsten Anteilen von Betrieben die Bewertungen löschen lassen, hatte nur 11 Prozent.
Experte: Bedeutung kaum zu überschätzen
„Die Bedeutung von Google Bewertungen kann man kaum unterschätzen“, sagt Professor Steffen Kroschwald, Direktor des Instituts für Verbraucherforschung und nachhaltigen Konsum an der Hochschule Pforzheim. „Oft ist der erste Blick die Sternebewertung, und die spielt bei Entscheidungen eine maßgebliche Rolle.“ Für Unternehmen sei das ein ökonomischer Faktor.
Und inzwischen gibt es laut Kroschwald eine regelrechte Löschindustrie. „Es gibt professionelle Dienstleister und Anwaltskanzleien, die Löschverfahren nicht als Fairness-Instrument verstehen, sondern als Geschäftsmodell“, sagt er. Verbraucher hätten zwar die Möglichkeit, gegen die Löschung einer Bewertung vorzugehen, häufig hätten sie aber nicht die Zeit und nicht die Belege parat, dies zu tun. „Das begünstigt Overblocking - also dass am Ende mehr gelöscht wird, als eigentlich gelöscht werden sollte.“
Blickt man auf die Bewertungen von Betrieben, bei denen besonders viel gelöscht wurde, finden sich schnell dazu passende verdächtige Beispiele, bei denen trotz vierstelliger Bewertungsanzahl eine auffällige Lücke im Bereich mit weniger als vier Sternen klafft. Ob man Google-Bewertungen im Einzelfall wirklich vertrauen sollte, sei „eine andere Frage“, sagt Kroschwald.
Dehoga: Bewertungen ernst nehmen
Auch Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Dehoga Bayern betont, dass die Bewertungen einen erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung der Betriebe haben. „Unser Rat ist, sie ernst zu nehmen. Sachliche, konstruktive Kritik ist ja auch ein wichtiger Hinweis. Löschen lassen sollte man nur, wenn es um Schmähkritik oder gezielte Diffamierung geht, die darauf aus sind, den Betrieb zu schädigen. Dann ist es aber auch angemessen, aktiv zu werden.“
Davon, mit spezialisierten Kanzleien im großen Stil und pauschal gegen schlechte Bewertungen vorzugehen, rät Geppert ab. „Das ist nicht sinnvoll.“ Gleichzeitig nimmt er aber auch die Bewertungsportale in die Pflicht. „Sie sollten besser darauf achten, dass die Einträge von echten Gästen sind und keine Grenzen überschreiten. Das muss sich mit KI doch machen lassen.“ Und verärgerten Gästen rät er: „Lieber vor Ort etwas sagen - dann kann der Wirt oder Hotelier direkt reagieren.“
Seit Ende April gibt es einen Hinweis
Seit Ende April blendet Google Maps bei den Bewertungen einen Hinweis ein, wenn es Löschungen gegeben hat. Der Hinweis steht im Google-Unternehmensprofil direkt unter der Rezensionsübersicht. Google begründet die Einblendung als Transparenzmaßnahme: In Deutschland werde wegen einer hohen Zahl von Beschwerden „wegen Diffamierung nach deutschem Recht“ bei Profilen ein Hinweis angezeigt, wenn im vergangenen Jahr Rezensionen entfernt wurden.
Als „Diffamierung“ fasst Google unter anderem unwahre Tatsachenbehauptungen oder sachlich nicht gerechtfertigte Meinungsäußerungen zusammen. Unternehmen könnten zudem geltend machen, der Verfasser sei gar kein Kunde gewesen. Auf einer Informationsseite betont Google, der Hinweis beeinflusse weder das Ranking noch die Platzierung in lokalen Suchergebnissen.
Deutschland fällt bei der Löschung von Bewertungen auf Google Maps besonders auf. Laut einer EU-Transparenzdatenbank zum Digital Service Act, den EU-Regeln für digitale Plattformen, wurden europaweit im ersten Halbjahr 2026 mehr als 756.500 Beiträge auf Google Maps wegen „illegalem Inhalt“ gelöscht: Fast alle in Deutschland.








