Kriminalität
Razzia gegen Abzocke mit angeblichen Buchkäufen

Boris Roessler/dpa
Die Staatsanwaltschaft Frankfurt geht von mindestens 370 Geschädigten und einem Gesamtschaden von rund 11 Millionen Euro aus. (Archivbild)
Mit einer Razzia in vier Bundesländern sind Ermittler gegen millionenschweren bandenmäßigen Betrug um angeblich wertvolle Bücher vorgegangen. An den Durchsuchungen seien seit dem frühen Morgen rund 200 Beamte des Gemeinsamen Finanzermittlungszentrums (GFEZ) und des Hessischen Landeskriminalamtes sowie Unterstützungskräfte von Behörden außerhalb Hessens beteiligt gewesen, teilte die Frankfurter Staatsanwaltschaft mit.
Die Beamten durchsuchten 27 Objekte in Hessen, Bayern, Niedersachen und Baden-Württemberg. Gegen vier Männer und eine Frau seien Haftbefehle wegen des Verdachts des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs vollstreckt worden.
Die Beschuldigten sollen Mitglieder einer bundesweit agierenden Bande sein, die auf Betrugstaten mit sogenannten Faksimiles - also Nachdrucke antiquarischer Bücher - spezialisiert sein soll. Nach derzeitigem Stand sollen sie seit 2022 mindestens 370 Geschädigte um eine Gesamtsumme von rund 11 Millionen Euro betrogen haben.
Opfer der Betrugsmasche sollen vor allem ältere Menschen gewesen sein, die glaubten, im Eigentum wertvoller Bücher zu sein. Den Ermittlungen zufolge soll die Bande den Opfern vorgespiegelt haben, Käufer für ihre Bücher gefunden zu haben, die bereit seien, Kaufpreise „in astronomischer Höhe“ zu zahlen, so die Staatsanwaltschaft. So sollen die Geschädigten dazu gebracht worden sein, angeblich nötige Vorauszahlungen wie etwa für Transport und Versicherung an die Beschuldigten zahlen.
Teils sollen die Opfer vorab Bankkredite aufgenommen haben, um Vorauszahlungen an die Tatverdächtigen überhaupt leisten zu können. „Die Ermittlungen ergaben dabei das Bild einer hochprofessionell und arbeitsteilig agierenden Gruppierung, die über mehrere Jahre unter dem Mantel von Scheinfirmen mit Sitz vor allem in Frankfurt am Main auftrat“, so die Staatsanwaltschaft.
Im Zuge der Ermittlungen sei ein 36 Jahre alter Mann als mutmaßliche Führungsfigur innerhalb der Bande identifiziert worden. Der aus Unterfranken stammende Beschuldigte solle einer Gruppe von „Vertriebspartnern“ vorgestanden und diese bei den gegenständlichen Betrugstaten angeleitet haben.
Der 36-Jährige sowie drei ebenfalls aus Unterfranken stammende Männer im Alter zwischen 31 und 39 Jahren seien festgenommen worden - diese wiederum sollen in direktem Kontakt zu den Geschädigten gestanden haben. Festgenommen wurde zudem eine 33 Jahre alte Frau in Frankfurt, die die Geschädigten im Rahmen von Callcenter-Tätigkeiten kontaktiert haben soll.
Die Ermittler vollstreckten auch Vermögensarreste über eine Gesamtschadenssumme von rund 11 Millionen Euro. So sei bei einem der Beschuldigten ein Auto im Wert von mehr als 200.000 Euro sichergestellt worden. Auch 50 Bankkonten und zwei Immobilien in Unterfranken seien gepfändet worden. Die Ermittlungen dauern an.
Das GFEZ ist eine gemeinsame Einrichtung der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, des Hessischen Landeskriminalamtes und der Oberfinanzdirektion Frankfurt. Staatsanwälte, Polizeibeamte und Steuerfahnder führen dort unter einem Dach Finanzermittlungen in Fällen Organisierter Kriminalität.








