Eichstätt
Finanzskandal im Bistum: Angeklagter zu krank für Prozess?

Lukas Barth-Tuttas/dpa
Ein früherer Mitarbeiter des Bistums Eichstätts verwaltete Millionen - und steht nun wegen Untreue und Bestechlichkeit vor Gericht.
Nach mehrjährigen Ermittlungen zum Finanzskandal im Bistum Eichstätt beginnt heute (9.00 Uhr) der Prozess gegen zwei Angeklagte. Vor dem Landgericht München II geht es um spekulative Immobilieninvestitionen in den USA in Höhe von rund 60 Millionen US-Dollar (51,3 Millionen Euro), die nicht wie geplant zurückflossen. Angeklagt sind der frühere stellvertretende Finanzdirektor des Bistums sowie ein Immobilienentwickler aus den USA.
Der ehemalige Vize-Finanzchef des katholischen Bistums muss sich in dem Verfahren wegen Untreue und Bestechlichkeit verantworten. Er soll nicht oder nur unzureichend gesicherte Darlehen vergeben und dafür Beteiligungen und Bestechungsgeld im oberen sechsstelligen Bereich angenommen haben. Dem Immobilienentwickler werden Untreue und Bestechung vorgeworfen, letzteres größtenteils kombiniert mit Anstiftung zur Untreue.
Die Finanzaffäre war Anfang 2018 bekanntgeworden. Die Staatsanwaltschaft erhob nach mehrjährigen Ermittlungen im Sommer 2022 Anklage. Vom Gericht angeordnete Nachermittlungen zogen die strafrechtliche Aufarbeitung weiter in die Länge.
Nun hat das Gericht bis in den August hinein vorerst rund 60 Verhandlungstermine angesetzt. Der Verteidiger des Hauptangeklagten hat die Untreuevorwürfe bereits mehrfach zurückgewiesen. Die Bistumsleitung selbst habe riskante Geldanlagen gefordert, um hohe Renditen zu erzielen.
Angeklagt sind der frühere stellvertretende Finanzdirektor des katholischen Bistums sowie ein in den USA tätiger Immobilienentwickler aus Deutschland. Dem Ex-Kirchenmitarbeiter werden Untreue und Bestechlichkeit vorgeworfen, weil er nicht oder nur unzureichend gesicherte Darlehen vergeben und dafür Beteiligungen und Bestechungsgelder angenommen haben soll. Dem Immobilienentwickler werden Untreue und Bestechung vorgeworfen, letzteres größtenteils kombiniert mit Anstiftung zur Untreue.
Die Finanzaffäre war Anfang 2018 bekanntgeworden, nachdem Wirtschaftsprüfern im Auftrag des Bistums dubiose Darlehen an US-amerikanische Projektgesellschaften aufgefallen waren. Der zuständige Mitarbeiter wurde daraufhin entlassen; als ein fälliger Kredit nicht zurückgezahlt wurde, erstattete die Diözese Eichstätt Anzeige. Der Verteidiger des Mannes wies die Untreuevorwürfe bereits zurück und betonte, die Bistumsleitung selbst habe riskante Geldanlagen gefordert, um hohe Renditen zu erzielen.
Das Gericht hat vorerst bis in den August hinein rund 60 Verhandlungstermine angesetzt. Die Diözese geht derweil davon aus, dass der Schaden für das Bistum mit weniger als 30 Millionen Dollar niedriger ausfallen wird als zunächst angenommen.










