Kommunalwahl im Freistaat
Deshalb sind Wahlplakate immer noch wichtig
Freundlich lächelnde Gesichter, kurze Sprüche, knappe Botschaften: Vor der Kommunalwahl am 8. März hängen in Bayern landauf, landab wieder viele Wahlplakate. Braucht man die Plakate überhaupt noch in Zeiten von Social-Media-Kampagnen? Oder bleibt nur viel Müll, wenn die Wahl gelaufen ist?
„Man könnte denken, Plakate seien aus der Zeit gefallen. Doch die so genannten Out-of-home-Medien sind nach wie vor eine gute Möglichkeit, um sehr schnell mit möglichst vielen Menschen Kontakt aufzunehmen. Und das ist ja das Ziel von Wahlwerbung: möglichst viele Menschen anzusprechen“, sagt der Wissenschaftler Claas Christian Germelmann, Professor für Marketing und Konsumentenverhalten an der Uni Bayreuth. „Gerade eine Kommunalwahl ist eine Personenwahl: Und die Werbung funktioniert hier tatsächlich sehr gut über Plakate.“
Die Frage, ob Plakate etwas bringen, stelle sich schon seit Jahrzehnten, sagt Olaf Hoffjann, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Uni Bamberg. „Es ist selten der Fall, dass Plakate ein großer Erfolgsfaktor waren. Aber auf der anderen Seite ist es so: Wenn eine Partei nicht mehr kleben würde, dann würde das natürlich negativ auffallen.“ Und: „Die Reichweite und damit Relevanz der Tageszeitungen gehen zurück. Deshalb zeigt sich eine überraschende Renaissance der Wahlplakate beziehungsweise der Plakatwerbung allgemein, um auch junge Menschen zu erreichen.“
Ein weiterer Faktor sei, dass es gerade im lokalen Raum um personalorientierte Wahlen gehe. „Es ist wichtig für einen Herausforderer, dass sein Gesicht bekannt wird. Und das ist durch solche Plakate eben auch zu erreichen.“
Hoffjann betont außerdem, dass Plakate weniger für eine konkrete Partei mobilisieren, sondern vielmehr allgemein für die Wahl: „Wenn die Menschen Plakate sehen, werden sie auf ein Ereignis hingewiesen und vielleicht informieren sie sich dann bewusst zur Wahl. Das kann am Ende zu einer höheren Wahlbeteiligung führen. Letztlich ist es dann so, dass die Plakate allgemein fürs Wählen werben.“
Der Bayreuther Experte Germelmann hat noch eine weitere Beobachtung in Sachen Wahlkampf gemacht: „Der Straßenwahlkampf ist zurück.“ Natürlich sei die Bedeutung der sozialen Medien groß. „Erstwählerinnen und Erstwähler erreicht man vor allem über die sozialen Medien, da sie sich fast nur darüber informieren.“
Dennoch sei zu beobachten: „Der Straßenwahlkampf wird wieder wichtiger. Man hat das am Beispiel New York gesehen, der jetzt gewählte Bürgermeister Zohran Mamdani hat sehr, sehr viel mit den Menschen gesprochen. Natürlich war er auch auf Social Media präsent, dennoch hat er unglaublich viel mit den Communities geredet. Das hatte einen großen Effekt.“ Je stärker der Alltag der Menschen geprägt sei von Digitalisierung und KI, „desto mehr wünschen wir uns den persönlichen Kontakt zurück. Da ist es schön, von Mensch zu Mensch zu sprechen. Deshalb funktioniert das im Wahlkampf besonders gut“.
Und was passiert in den sozialen Medien, wenn es um den Wahlkampf fürs Bürgermeisteramt, für den Gemeinderat und den Landratsposten geht? Auf lokaler Ebene seien die Kandidatinnen und Kandidaten noch einmal wichtiger als bei überregionalen Wahlen, sagt der Bamberger Experte Hoffjann. „Wer hier schon ein Netzwerk aufgebaut hat in den sozialen Medien, kann das wunderbar jetzt nutzen. Einige Kandidatinnen und Kandidaten haben wirklich erstaunliche Reichweiten und Interaktionszahlen. Und das sind zum Teil dann auch Kandidaten von kleineren Parteien. Meine These wäre, dass die sozialen Medien die wichtigste und zentrale Kommunikationsplattform auch für kleinere Parteien geworden sind.“
Überraschenderweise habe das „totgesagte Facebook durchaus eine Relevanz“. Das liege daran, dass dieses Netzwerk vor allem Ältere nutzten, „die ja nun auch die Mehrzahl der Wählenden stellen“.
Insgesamt sei zu beobachten, „dass lokale Wahlkämpfe in den sozialen Medien etwas geschmeidiger ablaufen, weniger konfrontativ“, sagt Hoffjann. Es gebe weniger negatives Campaigning. „Ausnahmen gibt es immer, das ist klar. Aber man sollte auch die positiven Seiten sehen, nämlich dass es auch einen Diskurs geben kann.“ Und da sei Facebook, abgesehen von Ausnahmen, sicherlich weniger konfrontativ als etwa X.
Ab wann und wo Wahlplakate hängen dürfen, entscheiden in Bayern die Kommunen. So heißt es beispielsweise in der oberfränkischen Stadt Forchheim: „Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen dürfen nicht verdeckt oder beeinträchtigt werden.“ Die Wahlwerbung dürfe „zu keiner Sichtbehinderung an Straßeneinmündungen, Innenkurven oder anderen neuralgischen Punkten führen“.











