„Waren Aiwanger-Partei“
Nach Aiwangers Tod: So soll es für CSU und Freie Wähler weitergehen

Der sichtlich angefasste bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will nach dem plötzlichen Tod seines Vize Hubert Aiwanger die Regierungskoalition mit den Freien Wählern weiterführen. „In seinem Sinne, in unserem Sinne“, sagte Söder in Nürnberg einen Tag nach dem Tod des 55-Jährigen. Auch bei den Freien Wählern hat der Tod ihres Parteivorsitzenden Spuren hinterlassen. Offen ist nun unter anderem, wer die Partei künftig führen soll.
Der Bundesparteitag der Freien Wähler soll nach dem Tod Aiwanger verschoben werden. „Wir wollen den Bundesparteitag absagen und ihn an einem anderen Termin stattfinden lassen“, sagte einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden, Joachim Streit, in SWR 1 Rheinland-Pfalz. Das werde voraussichtlich 2027 sein. Der Parteitag war am 14. November in Geiselwind geplant.
Die Nachfolge Aiwangers wird in Bayern entschieden
Wie die Nachfolge von Aiwanger geregelt werde, „ist nach der Beisetzung erst ein echtes Thema für uns“, sagte Streit. „Die meisten Mitglieder der Freien Wähler kommen aus Bayern“ und in Bayern werde auch die Entscheidung getroffen, „wer in Zukunft die Freien Wähler in Deutschland führen wird“. Bis auf weiteres soll der bisherige Staatssekretär Tobias Gotthardt die Amtsgeschäfte des Wirtschaftsministeriums übernehmen, verkündete das Ministerium in einer Pressemitteilung.
Partei und Fraktion wollen bis zum Wochenende über das weitere Vorgehen beraten. Bereits am Abend wollten sich auf Bundes- und Landesebene die Vorstandsgremien treffen, teilte die Bundesvereinigung der Freien Wähler mit. „Die Partei ist durch die Generalsekretäre weiterhin voll handlungsfähig“, hieß es in der Mitteilung.
Am Wochenende wollten sich dann der Bundes- und der Landesvorstand Bayern sowie die bayerische Landtagsfraktion in München gemeinsam und geschlossen zusammensetzen und das weitere Vorgehen besprechen.
„Hubert Aiwanger war ein echter Freigeist. Vielleicht auch einer der letzten, den wir haben“, sagte der EU-Abgeordnete Streit. „Er war nah bei den Menschen und ihnen zugewandt und ein Kämpfer für den kleinen Mann.“ Gleichzeitig habe er aber immer das Große im Blick gehabt, „auch über Bayern hinaus für Deutschland“.
Aiwanger habe als „Lichtgestalt“ vorangestanden
„Die Freien Wähler wurden mit Hubert Aiwanger assoziiert. Wir waren die Aiwanger-Partei. Wir waren die Bayern-Partei“, sagte Streit. Denn Aiwanger habe der Partei als „Lichtgestalt“ vorangestanden.
Der Freie-Wähler-Chef sei eine prägende Figur der bayerischen Politik gewesen, sagte Söder in seiner Pressekonferenz. „Ich bin echt schockiert und auch getroffen.“ Der Tod des bayerischen Wirtschaftsministers sei ein Schock und reiße eine tiefe Lücke in die bayerische Politik und in die Herzen vieler Menschen. „Es tut mir ehrlich gesagt von Herzen leid“, sagte Söder.
„Mit Hubert Aiwanger geht ein echtes Mannsbild, starker Bayer, guter Wirtschaftsminister, aber auch warmherziger Mensch.“ Der Niederbayer sei ein bescheidener, hoch engagierter und fleißiger Politiker gewesen, „der sich um die großen, aber vor allem um viele kleine Dinge gekümmert hat“, sagte Söder. „Ich werde seine Arbeit, ich werde ihn als Mensch, seinen Humor, viele Gespräche wirklich vermissen.“
Zum Tod Hubert Aiwangers
Der Freie-Wähler-Chef und Vize-Ministerpräsident Bayerns starb unerwartet am Mittwoch, 4. November.
Tod im Hotel: Der 55-Jährige sagte einen Termin in Berlin ab, später fand man ihn in seinem Hotelzimmer. Hier haben wir zusammengefasst, was über den Tod Aiwangers bekannt ist.
Nachruf: Lesen Sie hier unseren Nachruf auf Hubert Aiwanger: Pfiadte, Hubert
Folgen für die Politik: Wie geht es weiter mit der Koalition, mit der Partei? Wer folgt ihm nach? Hier der Überblick zu den Folgen für die bayerische Landespolitik.
Trauer in der Region: Freunde und Wegbegleiter in Rottenburg, Kreis Regensburg, Kreis Cham und Kreis Straubing-Bogen sind fassungslos angesichts des plötzlichen Tods. Unsere Redaktionen vor Ort versuchen, die Trauer zu beschreiben.








