Energiekrise
Keine Aussicht auf Entspannung: Ölpreise klettern weiter
Drohungen aus dem Iran, kein verlässlicher Schutz, Angriffe auf den Ölsektor: Knapp zwei Wochen nach Beginn des Kriegs im Iran zeichnet sich an Ölmärkten keine Entspannung ab. Erneute Drohungen aus dem Iran befeuerten die Sorgen vor einer längeren Blockade der Straße von Hormus - und die Freigabe von Ölreserven der Internationalen Energieagentur (IEA) verpuffte an den Märkten.
Die Ölpreise notierten kurz nach Mitternacht erneut höher: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Mai kostete knapp 102 US-Dollar und damit etwas mehr als am Vortag. Seit Beginn des Kriegs bewegen sich die Preise auf dem höchsten Niveau seit fast vier Jahren.
Immer stärkere Angriffe der iranischen Streitkräfte gegen die Energiewirtschaft wichtiger Förderstaaten trieben die Preise an. Unter anderem wurden im Oman Treibstofftanks im Hafen von Salala angegriffen, mutmaßlich von iranischen Drohnen. Mit den Attacken will die Teheran die Kosten des Kriegs für die Angreifer in die Höhe treiben.
Zudem geraten Schiffe im Persischen Golf, der Straße von Hormus und dem Golf von Oman immer wieder unter Beschuss. Die Gefahr durch iranische Raketen und Drohnen hat die Schifffahrt in der Region seit Kriegsbeginn fast komplett zum Erliegen gebracht. Zudem gibt es Medienberichte, wonach der Iran die Meerenge teils vermint haben könnte.
Die etwa 55 Kilometer breite Straße von Hormus liegt zwischen dem Iran und dem Oman und gehört zu den wichtigsten Seerouten des internationalen Ölhandels. Laut IEA floss im vergangenen Jahr ein Viertel des weltweit verschifften Öls durch die Passage. Die IEA sprach mit Blick auf den Iran-Krieg von der „größten Versorgungsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarktes“.
Für US-Präsident Donald Trump sind die gestiegenen Ölpreise ein wunder Punkt, denn steigende Benzinpreise kann der Republikaner auch mit Blick auf die wichtigen Zwischenwahlen im November gar nicht gebrauchen. Wiederholt drohte Trump deshalb dem Iran, falls Teheran passierende Schiffe angreifen oder die Meerenge verminen sollte.
Zudem bot Trump Reedern an, sie zu versichern und zur Not von der Marine eskortieren zu lassen. Doch das sei derzeit gar nicht möglich, wie US-Energieminister Chris Wright einräumte. „Wir sind einfach noch nicht bereit“, sagte er. Möglich sei das mit einigen Schiffen vielleicht Ende des Monats.
US-Finanzminister Scott Bessent sagte dem Sender Sky News, er sei überzeugt, dass die US-Marine das so bald wie militärisch möglich machen werde - „vielleicht zusammen mit einer internationalen Koalition“.
Die IEA hatte am Mittwoch bekanntgegeben, eine Rekordmenge strategischer Ölreserven freizugeben. Insgesamt wollen die 32 Mitgliedsländer 400 Millionen Barrel Rohöl auf den Markt geben. Allerdings dürfte es dauern, bis die Hilfe ankommt. Die USA, die sich mit 172 Millionen Barrel beteiligen, wollen kommende Woche mit der Auslieferung beginnen. Bis alles ausgeliefert sei, könnten rund 120 Tage vergehen.









