Endgültige Entscheidung

Corsair übernimmt Landshuter Unternehmen Endor AG

Das Gezerre um Endor ist zu Ende: Der bekannte Hersteller für Gaming-Hardware wird Teil des US-Konzerns Corsair, das Dachunternehmen wird abgewickelt und von der Börse genommen.

Endor vertreibt unter dem Produktnamen Fanatec unter anderem Lenkräder für Fahrsimulationen.

Endor vertreibt unter dem Produktnamen Fanatec unter anderem Lenkräder für Fahrsimulationen.

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Im Video erzählt Simon Kunert aus der Redaktion Landshut, wie die Geschichte hinter diesem Türchen entstanden ist.

Das Ziehen und Zerren um den Landshuter Gaming-Zubehörhersteller Endor ist entschieden: Der US-Konzern Corsair verleibt sich den Geschäftsbetrieb der Firma mit dem Markennamen "Fanatec Sim Racing" ein. Das Dachunternehmen Endor wird abgewickelt. Die Mitarbeiter dürfen bleiben, die Aktionäre gehen wohl komplett leer aus. Das teilten die Endor-Vorstände Andres Ruff und Matthias Kosch sowie Insolvenzverwalter Hubert Ampferl am Samstag mit.

Knapp sieben Monate hat der Machtkampf bei Endor gedauert. Gegenüber standen sich Gründer und Hauptaktionär Thomas Jackermeier und das aktuelle Management von Endor. Jackermeier war Ende März als Vorstandsvorsitzender abgesägt worden, kämpfte seither um die Rückerlangung von Macht und den Werterhalt seiner Aktien. Seine mehr als 50 Prozent Anteile an der Aktiengesellschaft waren zu Hochzeiten an die 150 Millionen Euro wert. Heute ist davon kaum mehr etwas übrig. Eine Endor-Aktie kostet nur noch etwas mehr als einen Cent, die Börsennotierung wird zeitnah eingestellt. Das Allzeit-Hoch hatte Mitte 2021 bei 23,75 Euro gelegen. Auch alle übrigen „Aktionäre müssen damit rechnen, keine Zahlungen zu erhalten“, heißt es in der Endor-Nachricht zur Übernahme vom Samstag.

Landshut soll Standort bleiben

Endor befindet sich seit einiger Zeit in finanzieller Schieflage. Weil Banken Darlehen fälligstellten und Lieferanten Vorkasse forderten, gingen dem Unternehmen die liquiden Mittel aus. Endor teilte zwischenzeitlich mit, Verbindlichkeiten von über 90 Millionen Euro zu haben. Kritiker wie Jackermeier oder der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) schreiben dies dem jetzigen Management zu. Die Zahlen aus dem operativen Geschäft seien viel zu gut, als dass Zahlungsprobleme in diesem Umfang auftreten müssten. Von einem bewusst gesteuerten Verlauf war die Rede, mit dem Ziel einer feindlichen Übernahme. Dem Management seien dafür finanzielle Anreize geboten worden.

Endor und auch Corsair hatten dies stets dementiert: Die Schieflage resultiere aus Managementfehlern zur Zeit, als Jackermeier die Geschäfte führte, erklärte Endor. Siegreich aus dem Richtungsstreit geht damit das Endor-Management hervor. Es hatte sich früh nach Jackermeiers Abschied auf eine Sanierung im Rahmen des Gesetzes zur Stabilisierung und Restrukturierung von Unternehmen (Starug-Verfahren) und die Übernahme durch Corsair festgelegt. Jackermeier verhinderte Starug durch den Antrag auf eine außerordentliche Hauptversammlung, den Gang in die Insolvenz konnte er aber nicht aufhalten. So kamen Corsair und das Endor-Management nun doch zum Ziel.

Der US-Konzern setzte sich offenbar im Wettbieten im vorläufigen Insolvenzverfahren durch. Das Insolvenzgericht Landshut eröffnete bereits das Insolvenzverfahren in dem die Endor AG vollständig abgewickelt werden soll. Denn Corsair hat einen sogenannten Asset Deal abgeschlossen, das heißt, es kauft Stücke aus dem Unternehmen heraus. „Corsair hat die Marke Fanatec, die Produktlinien, die Mitarbeiter und das geistige Eigentum im Zuge des Insolvenzverfahrens erworben, das die Endor AG derzeit durchläuft“, teilte der US-Konzern mit. Darunter fallen auch die Anteile an den ausländischen Tochtergesellschaften.

Corsair hatte nie einen Hehl aus dem Interesse an Endor gemacht. „Wir bewundern die Marke Fanatec seit Langem und freuen uns, diese herausragenden Produkte einem noch breiteren Publikum zugänglich zu machen“, erklärte Konzernchef Andy Paul am Montag. Corsair setzte mit Hochleistungsgeräten für Videospieler zuletzt etwa 1,5 Milliarden US-Dollar um, Fanatec erweitert dessen Angebotsliste. Nun plane man, erhebliche Investitionen in die Marke Fanatec, ihre Produkte und die weltweite Verfügbarkeit über ihre Vertriebskanäle zu stecken.

Neues Hauptquartier steht zum Verkauf

Der Geschäftsbetrieb soll ungehindert weiterlaufen. Kundendienst, globale Logistik und Vertrieb werden in die Corsair-Infrastruktur integriert. Vor allem der unzuverlässige Kundendienst hatte Käufer zuletzt verstimmt. „Der Betrieb von Fanatec Sim Racing wird weiterhin in Landshut angesiedelt sein“, erklärte Corsair. Das noch im Bau befindliche neue Hauptquartier im Landshuter Westen – eines von Jackermeiers großen Projekten – soll aber verkauft werden, wie Endor mitteilte.

Thomas Jackermeier wollte sich auf Nachfrage unserer Redaktion nicht näher zur Übernahme äußern. Nur so viel: „Ich profitiere in keinster Weise davon“, sagte er. Einen Deal oder eine Abmachung mit ihm habe es nicht gegeben, auch eine Einbindung von ihm werde es nicht geben. Jackermeier hatte sich mit einer Investorengruppe ebenfalls am Bieterprozess um Endor beteiligt, wurde aber offenbar von Corsair überboten. Er galt als der kreative Kopf der Firma. Ob der Endor-Gründer weiter – auf juristischen Wegen – um die von ihm aufgebaute Firma kämpfen will, ließ er offen.

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