Fußball-Nationalmannschaft

Nagelsmanns WM-Freispiel ohne „Druck auf dem Kessel“

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Wen lässt der Bundestrainer gegen Ecuador an den Ball?

Wen lässt der Bundestrainer gegen Ecuador an den Ball?

Von dpa

Diesen Luxus hat Julian Nagelsmann bei einem Turnierspiel noch nicht gehabt. Klar, das WM-Aus von Abwehr-Ass Nico Schlotterbeck schmerzt und könnte sich in der K.o.-Phase als echtes Handicap erweisen. Aber der Vorrundenabschluss gegen Ecuador am Donnerstag (22.00 Uhr/ARD und MagentaTV) im Endspielstadion von East Rutherford wird für die Fußball-Nationalmannschaft und den Bundestrainer quasi zu einem Freispiel.

Totalumbau oder Rotation light? Personell im Flow bleiben oder intensiv die Power-Bank aktivieren? Diese Fragen stellen sich Nagelsmann. Der 38-Jährige kann bei der Aufstellung ausnahmsweise ohne Ergebnisdruck auswählen. Ob Sieg, Unentschieden oder Niederlage - Platz eins in Gruppe E ist schon fix. Ob mit sechs, sieben oder am Ende der Maximalausbeute von neun Punkten.

Deniz Undav hofft gegen Ecuador endlich auf ein Starter-Leibchen.
Deniz Undav hofft gegen Ecuador endlich auf ein Starter-Leibchen.
Deniz Undav hofft gegen Ecuador endlich auf ein Starter-Leibchen.
«Noch ein paar Prozente drauflegen», fordert Rudi Völler.
«Noch ein paar Prozente drauflegen», fordert Rudi Völler.
«Noch ein paar Prozente drauflegen», fordert Rudi Völler.
Ihr Turnier ist es noch nicht: Null-Minuten-Stürmer Nick Woltemade (r) und 25-Minuten-Mann Leon Goretzka hoffen auf Einsatzzeiten gegen Ecuador.
Ihr Turnier ist es noch nicht: Null-Minuten-Stürmer Nick Woltemade (r) und 25-Minuten-Mann Leon Goretzka hoffen auf Einsatzzeiten gegen Ecuador.
Ihr Turnier ist es noch nicht: Null-Minuten-Stürmer Nick Woltemade (r) und 25-Minuten-Mann Leon Goretzka hoffen auf Einsatzzeiten gegen Ecuador.

„Wir werden im Trainerteam diskutieren und mit Rudi (Völler), inwieweit wir was wechseln und die Belastung anpassen“, hatte Nagelsmann angekündigt. Auch wenn er sein grundsätzliches Turniermotto - „step by step“ - nicht aufweichen möchte, muss diesmal das nur vier Tage später stattfindende Sechzehntelfinale gegen einen noch unbekannten Gruppendritten mitgedacht werden. Alles andere wäre fahrlässig. Erst am Montag in Boston geht es wieder um alles.

Ein WM-Turnier kostet viel physische und mentale Energie. „Wir Spieler haben so viel Druck auf dem Kessel bei den Spielen“, erklärte Nadiem Amiri nach dem Kraftakt gegen die Elfenbeinküste in Toronto, an dem auch der Mainzer neben Super-Joker Deniz Undav als Einwechselspieler seinen Anteil hatte.

Im Football-Stadion der NFL-Teams New York Giants und New York Jets fällt der Kesseldruck ausnahmsweise geringer aus. Obwohl es natürlich das Ziel ist, im Flow zu bleiben und die Brust noch breiter werden zu lassen. „Um die ganz, ganz großen Ziele zu erreichen, müssen wir noch ein paar Prozente drauflegen“, sagte Sportdirektor Rudi Völler bei MagentaTV.

Jeder Sieg beflügelt, stärkt das Selbstverständnis. Gegen Ecuador winkt sogar ein DFB-Rekord: Zwölf Siege in Serie gelangen der Nationalelf erst einmal in ihrer über 100-jährigen Geschichte. Und zwar von Mai 1979 bis Juni 1980 unter Jupp Derwall. 46 Jahre später kann Nagelsmann die Bestmarke egalisieren.

„Der Trainer hat einen guten Plan“, berichtete Außenstürmer Jamie Leweling nach dem Start der kurzen Vorbereitung auf Ecuador, bei der die wichtigen Trainingsinhalte erst dann eingeübt werden, wenn externe Beobachter auf dem Gelände der Wake Forest University nicht mehr zugelassen sind.

Ecuador, immerhin Zweiter der WM-Qualifikation in Südamerika hinter Weltmeister Argentinien, steht nach nur einem Punkt und null Toren massiv unter Druck. „La Tri“ muss auf Sieg spielen, Trainer Sebastian Beccacece steht bei den Fans erheblich in der Kritik. Die WM-Ansprüche waren ganz andere.

Die Mannschaft mit namhaften Akteuren wie dem früheren Leverkusener Piero Hincapié (FC Arsenal), dem Ex-Frankfurter Willian Pacho vom Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain oder Moisés Caicedo vom Club-Weltmeister FC Chelsea zündet nicht. „Man kennt die Spieler, sie spielen auf höchstem Niveau in Europa. Es läuft gerade nicht so gut, aber sie sind immer noch gefährlich“, bemerkte Leweling und tönte: „Wir werden auf jeden Fall Lösungen haben, wie wir ihre Abwehrreihe durchbrechen und Tore schießen können.“

Da denken die deutschen Fans natürlich zuerst an Deniz Undav. Nach seinen drei Treffern ist er voll dabei beim Wettballern der größten Torjäger auf diesem Globus, von Lionel Messi (5 Tore), Kylian Mbappé (4) und Erling Haaland (4) bis zu Harry Kane (2) und Cristiano Ronaldo (2). Zumal der Stuttgarter anders als diese Topstars gerade mal 58 Minuten auf dem Platz stehen durfte.

Stellt Nagelsmann seinen Super-Joker diesmal in die Startelf? Einiges spricht dafür, Kai Havertz eine Pause zu gönnen. Oder auch Jamal Musiala. Auch wenn Nagelsmann nichts davon hält, „alles komplett zu wechseln“. Er sagte: „Wir müssen schon auch im Rhythmus bleiben für unsere nächsten Aufgaben.“

Und doch drängt sich ein kluges Personal-Management förmlich auf. Für den verletzten Schlotterbeck rückt Antonio Rüdiger ins Abwehrzentrum. Sinnvoll könnte es sein, Senkrechtstarter Nathaniel Brown oder auch den vor der WM längere Zeit verletzten Kraftprotz Felix Nmecha verschnaufen zu lassen.

17 von 23 Feldspieler hat Nagelsmann schon eingesetzt. Jetzt bietet sich die Chance, auch die Null-Minuten-Männer ins Turnier zu bringen. Einen Angelo Stiller zum Beispiel. Oder den ziemlich geschrumpften „Big Nick“ Woltemade, der den viermaligen Weltmeister mit seinen vier Toren in den letzten drei WM-Qualifikationsspielen überhaupt erst zur Endrunde geschossen hatte.

Auch einem Leon Goretzka würde es garantiert einen Schub geben, wenn er nach zwei Kurzeinsätzen mal beginnen dürfte. Es geht also gegen Ecuador um wichtige Ersatzspieler-Momente für die folgenden Alles-oder-nichts-Spiele, wenn Impulse von der Bank wie gegen die Elfenbeinküste gebraucht werden. Nagelsmann sprach diesen Punkt selbst an, weil alle Spieler im Kader dann „ihre Wertigkeit nicht nur hören, sondern auch spüren“.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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