Ein Rückblick

Linienrichter Christian Leicher aus Neuhausen winkt zum Abschied

Mehr als 20 Jahre lang war Christian Leicher als Linienrichter im Profifußball unterwegs. Nach der abgelaufenen Spielzeit hat er Schluss gemacht - und lässt seine Laufbahn noch einmal Revue passieren.

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Doppelter Abschied: Christian Leicher beendete genauso wie Deniz Aytekin mit dem finalen Bundesligaspiel von Meister Bayern München gegen den FC Köln in der Allianz-Arena seine Karriere. Für den DFB bedankte sich Knut Kircher, (Geschäftsführer und Kommunikation der Schiri-GmbH), mit einem persönlichen Abschiedsgeschenk.

Doppelter Abschied: Christian Leicher beendete genauso wie Deniz Aytekin mit dem finalen Bundesligaspiel von Meister Bayern München gegen den FC Köln in der Allianz-Arena seine Karriere. Für den DFB bedankte sich Knut Kircher, (Geschäftsführer und Kommunikation der Schiri-GmbH), mit einem persönlichen Abschiedsgeschenk.

Die letzten Stationen seiner Abschiedstour hatten es nochmal in sich: Stuttgart, Dortmund, Gelsenkirchen, Köln, Frankfurt, Berlin und zum krönenden Abschluss München. „Dieser Kick, wenn man am Wochenende in diese großen Stadien einläuft, unten am Rasen steht und maximal gefordert ist - das wird mir fehlen“, sagt Christian Leicher. Nach über 20 Jahren als Schiedsrichter-Assistent im deutschen Profifußball hängt der 47-Jährige, der stets für den SV Neuhausen unterwegs war, die Fahne an den Nagel. Ein weiteres Jahr hat der Landshuter vom DFB angeboten bekommen. „Am Ende war es aber eine Familienratsentscheidung, die mich sehr viel Überwindung gekostet hat“, sagt der dreifache Vater über sein Karriereende. Die vielen Erinnerungen bleiben, ebenso wie die Verbundenheit zum Fußball.

Dass ihn sein Weg überhaupt an die Außenlinien der deutschen Fußballstadien führte, lag unter anderem daran, dass Leicher zu seiner Zeit als Schiedsrichter altersbedingt geringe Aufstiegsmöglichkeiten hatte. So entschied er sich für die Rolle des Assistenten, was jedoch nicht weniger anspruchsvoll war. „Die Zeit war insgesamt sehr fordernd. Ich musste sehr viel Energie investieren“, sagt Leicher. Insbesondere der ständige Wandel im Fußball gönnte dem Landshuter keine Ruhepause. Auch nicht in seinem letzten Jahr: 18 Mal in der Bundesliga, siebenmal in Liga zwei und zweimal im DFB-Pokal assistierte er. „Da glänzt du daheim natürlich nicht mit Anwesenheit“, sagt der Linienrichter und freut sich bereits auf mehr Flexibilität und Spontanität in seinem Familienleben.

Immer aufmerksam an der Seitenlinie: Christian Leicher vom SV Neuhausen.

Immer aufmerksam an der Seitenlinie: Christian Leicher vom SV Neuhausen.

Verpasste Flüge, das Tollhaus „Alm“ und ein klares Abseitstor

Dennoch blickt Leicher wehmütig auf seine Karriere zurück: Stimmungsexplosionen wie im vergangenen Jahr, als der damalige Drittligist Arminia Bielefeld im Pokal-Viertelfinale den Bundesligisten Werder Bremen auf der Bielefelder Alm sensationell rauskegelte, bleiben ihm ebenso im Gedächtnis wie verpasste Heimflüge, nachdem Fans aufgrund des DFL-Investorendeals Tennisbälle aufs Feld warfen und somit Spiele verzögerten. „Da waren sehr geile, aber auch kuriose Momente mit dabei.“ Und natürlich gab es auch solche Partien, die der 47-Jährige am liebsten vergessen würde - wie vor einigen Jahren das Duell zwischen Freiburg und Köln: „Da wurde kurz zuvor die Fahnentechnik umgestellt. Ich war mit meiner Fahne dann mehr beschäftigt als mit meiner Entscheidungsfindung und habe ein klares Abseitstor nicht gewunken“, gibt Leicher zu. Sich nach solchen Fehlern zu verzeihen, fällt ihm bis heute schwer.

An die wenigen Negativerlebnisse denke er in der Rückschau jedoch nicht. Dafür gibt es zu viele Highlights. Sein größtes war zugleich sein letztes auf der Fußballbühne. Am 34. Spieltag wurde Leicher bei der Bundesligapartie zwischen Bayern und Köln gemeinsam mit Schiri-Legende Deniz Aytekin in der Allianz-Arena verabschiedet. „Da hat sich ein Kreis geschlossen, da ich auch mein erstes Bundesligaspiel im Gespann von Deniz gemacht habe.“ Bei seinem finalen Gang auf den Münchner Rasen durfte ihn zudem sein jüngster Sohn an der Hand begleiten: „Wenn ich es mir hätte ausmalen können, dann wäre es genauso gewesen.“ Nur ein DFB-Pokalfinale hätte es in der Nachbetrachtung noch sein können, scherzt Leicher.

Ein Angebot seitens des DFB, nach seiner aktiven Karriere als Assistenz-Coach zu fungieren, lehnte der Landshuter vorerst ab. Die Wochenenden sollen fürs Erste nicht ausschließlich im Stadion verbracht werden - an der Linie steht er aber auch zukünftig. Als D-Jugendtrainer beim SC Landshut-Berg wird er das Team seines Sohnes coachen. Falsche Abseitsentscheidungen oder nicht gegebene Eckbälle werden ihn jedoch auch in seiner neuen Rolle nicht aus der Ruhe bringen. Einiges bleibt für Christian Leicher also gleich, auch wenn die neuen Ziele nicht mehr Frankfurt, Gelsenkirchen oder Köln lauten.

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