Leichtathletik

„Mentales Biest“: Speerwerfer Weber gewinnt EM-Gold

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Europameister im letzten Versuch: Julian Weber.

Europameister im letzten Versuch: Julian Weber.

Von dpa

Julian Weber schrie seine Freude lauthals hinaus - und feierte in triumphaler Pose sein Last-Minute-Gold bei den Leichtathletik-Europameisterschaften. Im letzten Versuch schnappte Deutschlands bester Speerwerfer dem bis dahin überraschend führenden EM-Shootingstar Nick Thumm den Titel doch noch weg. Von Enttäuschung bei diesem aber keine Spur: Als Weber zu dem am Boden liegenden Thumm mit der Deutschland-Fahne lief, lächelte dieser glücklich über die Silbermedaille.

Der Doppel-Erfolg im Speerwerfen war aus Sicht des Deutschen Leichtathletik-Verbandes der Höhepunkt am vorletzten Finalabend im Alexander Stadium in Birmingham. Die Männer-Staffel über 4 x 100 Meter bejubelte wenig später die Silbermedaille hinter Favorit Großbritannien. Hochspringerin Christina Honsel fehlte auf Rang vier nicht viel auf überraschendes Edelmetall. Die Medaillenträume von Robert Farken über 1.500 Meter erfüllten sich auf Rang neun deutlich nicht. Mit 15 Medaillen, darunter vier goldenen, blickt der DLV vor dem Schlusstag schon auf erfolgreiche Titelkämpfe zurück.

Sophie Weißenberg (M) belegte Rang fünf - und war überglücklich.
Sophie Weißenberg (M) belegte Rang fünf - und war überglücklich.
Sophie Weißenberg (M) belegte Rang fünf - und war überglücklich.
Überraschend EM-Zweiter: Nick Thumm.
Überraschend EM-Zweiter: Nick Thumm.
Überraschend EM-Zweiter: Nick Thumm.
Silber für die Staffel.
Silber für die Staffel.
Silber für die Staffel.
Platz vier für Christina Honsel.
Platz vier für Christina Honsel.
Platz vier für Christina Honsel.

Auch dank der Speerwerfer, bei denen sich Topfavorit Weber nach reichlich Problemen in diesem Jahr auch diesmal - erst mit, dann ohne Sonnenbrille - schwertat. Selbst Vater Thomas hatte auf der Tribüne nach eigenen Worten nicht mehr an den Sieg geglaubt, als Weber den Speer trotz Schulterproblemen im letzten Versuch auf 90,40 Meter schleuderte. Das war deutlich weiter als EM-Lehrling Thumm mit seinen 83,76 Metern - trotzdem eine persönliche Bestleistung.

„Ich wollte einfach zeigen, dass ich ein mentales Biest bin“, sagte Weber. „Ich bin so unfassbar froh.“ Neben Heim-Gold vor vier Jahren in München gewann er 2024 in Rom EM-Silber. Bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen wartet der gebürtige Mainzer aber noch auf sein erstes Edelmetall. Fix und fertig konnte Thumm von Krämpfen geplagt Weber nicht nochmal kontern. „Es ist einfach nur super - es ist gar nichts mehr drin“, sagte der 21-Jährige.

Das Staffel-Quartett lag sich in seiner Nähe glücklich in den Armen. Auch ohne 200-Meter-Europameister Owen Ansah, dem ein verweigerter Dopingtest vorgeworfen wird und dem deshalb eine Sperre droht, trumpften Kevin Kranz, Marvin Schulte, Heiko Gussmann und Lucas Ansah-Peprah groß auf. In 38,64 Sekunden mussten sie sich nur den Briten in 38,45 Sekunden geschlagen geben. Dritter wurde Belgien in 38,70 Sekunden. „Ich bin einfach um mein Leben gelaufen“, sagte Schlussläufer Ansah-Peprah.

Ob mit Ansah sogar der Titel möglich gewesen wäre, bleibt Spekulation. Bei der vergangenen EM vor zwei Jahren in Rom hatte die deutsche Staffel mit Ansah Bronze gewonnen. Die bislang letzte Goldmedaille für ein deutsches Team gab es 1962 in Belgrad. Die deutsche Frauen-Staffel war im Vorlauf nach einem missglückten Wechsel nicht ins Ziel gekommen und damit überraschend ausgeschieden.

Nach der Zehnkampf-Show von Europameister Leo Neugebauer und Silbermedaillengewinner Niklas Kaul hatte auch Sophie Weißenberg im Siebenkampf Grund für Glücksgefühle. Zwei Jahre nach ihrem Olympia-Drama mit einem Achillessehnenriss beim Aufwärmen in Paris belegte sie beim Sieg der Irin Kate O'Connor den fünften Platz. „Ich habe die letzten zwei Tage gefühlt durchgeheult. Ich war so voller Emotionen und war so überrascht von mir die ganze Zeit“, sagte Weißenberg nach der persönlichen Bestleistung von 6.496 Punkten.

Weitaus weniger zufrieden war da Farken. Der 28-Jährige kam in 3:37,49 Minuten ins Ziel und musste sich mit dem neunten Platz begnügen. Den Titel gewann überraschend der Niederländer Stefan Nillessen in 3:35,70 Minuten. „Das ist eine vertane Chance“, sagte Farken. „Aber wer mich kennt, weiß, dass ich wieder da sein werde und wieder angreife.“ Knapper war es für Honsel im Hochsprung: 1,92 Meter waren etwas zu wenig für Edelmetall, das mit 1,95 vergeben wurde. Der Sieg ging an Weltmeisterin und Olympiasiegerin Jaroslawa Mahutschich aus der Ukraine.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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