FIFA-Krise

Kampf um die Macht: Wer ist für und wer gegen Infantino?

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Montagliani (l.) und Infantino (r.) könnten zu Rivalen werden. (Archivbild)

Montagliani (l.) und Infantino (r.) könnten zu Rivalen werden. (Archivbild)

Von dpa

Gianni Infantino will nicht als FIFA-Präsident abtreten und bittet stattdessen um ein Mandat für eine weitere Amtszeit bis 2031. Die UEFA hält dagegen an ihrem Boykott-Plan fest: Nach dem krachend gescheiterten Investorendeal um den Verkauf von WM-Rechten steuert der Weltfußball auf einen zehrenden Machtkampf zu.

Knapp drei Wochen nach Ende der XXL-WM in Amerika stehen sich die Europäische Fußball-Union und der Weltverband so unversöhnlich gegenüber wie nie zuvor. Zudem melden sich immer mehr Verbände mit Stimmen pro oder kontra Infantino.

Wer will Infantino als Boss des Weltverbands inmitten der schweren FIFA-Krise stürzen? Wer setzt weiter auf den seit 2016 amtierenden Schweizer und warum? Und welche Kandidaten sind legitime Alternativen für die Wahl, die am 18. März 2027 in Rabat in Marokko stattfindet? Ein Streifzug durch die aufgewühlte Fußball-Welt.

Infantino verlässt das Stadion in Rabat.
Infantino verlässt das Stadion in Rabat.
Infantino verlässt das Stadion in Rabat.
Mexikos Unterstützung für Infantino kommt unerwartet. (Archivbild)
Mexikos Unterstützung für Infantino kommt unerwartet. (Archivbild)
Mexikos Unterstützung für Infantino kommt unerwartet. (Archivbild)
Ceferin (l.) und Infantino sind erbitterte Rivalen im Fußball-Machtkampf. (Archivbild)
Ceferin (l.) und Infantino sind erbitterte Rivalen im Fußball-Machtkampf. (Archivbild)
Ceferin (l.) und Infantino sind erbitterte Rivalen im Fußball-Machtkampf. (Archivbild)

Wie der europäische Dachverband in zwei Tagen alle 55 Verbände hinter einer wuchtigen WM-Boykottdrohung vereinte, war ein Signal der Geschlossenheit an Infantino: nicht mit uns. Die UEFA hält unter Führung von Präsident Aleksander Ceferin jene Drohung auch nach dem abgeräumten Investorendeal aufrecht.

Es müssten „Zusicherungen gegeben werden, dass solche Versuche, den Fußball auf diese Weise zu entstellen, nie wieder unternommen werden“, teilte die UEFA als Reaktion auf die Krisensitzung der FIFA am Donnerstag in Rabat mit.

Man habe das Vertrauen in Infantino verloren. „Die gestrige Bekanntgabe, dass einige Angestellte des FIFA-Präsidenten (deren Karriere von seiner Gunst abhängt) ihm zustimmen, ändert nichts daran“, hieß es vom Kontinentalverband weiter. Einzelne Mitglieder wie Serbien und Wales haben zudem öffentlich ihr Unterstützungsschreiben für Infantino zurückgezogen. Ob weitere Verbände dies getan haben, ohne es mitzuteilen, ist unklar.

Mit 54 stimmberechtigten FIFA-Mitgliedsverbänden ist Afrika sportpolitisch quasi genauso mächtig wie Europa. Und der Dachverband Caf kann Infantino in großer Mehrheit zugerechnet werden. Das Exekutivkomitee des afrikanischen Fußball-Dachverbandes begrüßte einstimmig die Erklärung von Infantino und Mattias Grafström, dem Generalsekretär des Weltverbands.

Das Exko steht in dem Fall nicht für die Einzelmeinungen aller 54 Verbände. Doch dass sich die Führung eines Kontinentalverbands nur kurz nach dem Scheitern der Investorenpläne so deutlich pro Infantino ausspricht, ist ein deutliches Zeichen.

Caf-Präsident Patrice Motsepe (Südafrika) sagte, er begrüße und unterstütze das Schreiben, das von Infantino und Grafström unterzeichnet wurde. Explizit dankte der Dachverband Infantino „für seinen jahrelangen Einsatz für den afrikanischen Fußball“ sowie Grafström und der FIFA-Verwaltung „für die erfolgreiche Austragung der WM 2026“. Durch das auf 48 Nationen erweiterte WM-Feld hatte Afrika zehn Teilnehmer. 2022 in Katar waren es noch fünf.

Der asiatische Dachverband AFC stellte sich schnell gegen die Pläne von Infantino - nicht aber gegen den Präsidenten selbst. Dieser kann inzwischen auf knapp zehn Unterstützer aus dem asiatischen Raum bauen, darunter auch der ehemalige WM-Gastgeber Katar. Auch kleine Fußball-Nationen wie die Mongolei und die Philippinen zählen dazu.

Nicht positioniert hat sich bislang Saudi-Arabien, das 2034 WM-Gastgeber sein wird. Mit Blick auf die relativ eindeutigen Verhältnisse in Europa und Afrika könnte Asien im Frühjahr 2027 bei der Präsidentenwahl zum Königsmacher werden. Aktuell ist unklar, wer überhaupt gegen Infantino antreten könnte. Der Katarer Nasser Al-Khelaifi, Präsident bei Paris Saint-Germain, ist ein Anwärter - auch wenn er Ambitionen bislang zurückweisen ließ.

Dass sich der Dachverband Concacaf wie Europa und Asien geschlossen gegen das Milliarden-Vorhaben stellte, war unerwartet. Doch das Veto der 41 Nationen (35 davon sind stimmberechtigt) bedeutet wie beim asiatischen Dachverband nicht, dass alle grundsätzlich gegen Infantino sind. Jedoch dürften die Nord- und Mittelamerikaner gestiegenes Interesse haben, ihren Verbandspräsidenten Victor Montagliani aus Kanada zum nächsten FIFA-Chef zu machen.

Umso überraschender wirkte am Abend die Wortmeldung Mexikos, das den zuvor geschlossenen Concacaf-Block aufbrach und Infantino öffentlich die Unterstützung zusicherte. Auf das Ausscheren des WM-Gastgebers könnten weitere Nationen folgen, zumal viele kleinere Staaten massiv von Infantinos Expansion profitieren.

Der Kontinentalverband Südamerikas Conmebol stellte sich nicht kategorisch gegen Infantinos Pläne. Nach der Zurückziehung dieser äußerte der Verband aber „einstimmig seine Besorgnis“ über die „wiederholt einseitigen Maßnahmen“, die rund um den geplanten Verkauf von WM-Rechten zu beobachten waren.

Einzelne Nationalverbände wie Argentinien und Paraguay haben sich dennoch bereits pro Infantino ausgesprochen. „Sie führen ein Managementteam, das einen tiefgreifenden Wandel der FIFA bewirkt hat“, schrieb Argentiniens Verband in einem öffentlich geteilten Brief an Infantino.

Bei der WM 2030 sind Argentinien, Paraguay und Uruguay anlässlich des WM-Jubiläums für jeweils ein Eröffnungsspiel ihres Nationalteams vorgesehen. Wird die WM auf 64 Teams erweitert, wären mehr Spiele für den Kontinent drin.

Eine inhaltliche Positionierung des Dachverbands OFC, in dem Neuseeland die größte Nation darstellt, zum bereits gescheiterten Investorenplan gibt es bislang nicht. Da die kleinen Nationen von Neukaledonien bis Vanuatu in den vergangenen Jahren viel Geld sowie eine echte Chance auf ein WM-Ticket dank Infantinos Expansionspolitik bekamen, könnten sie ein Interesse an einem „Weiter so“ mit dem FIFA-Präsidenten haben.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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