WM-Halbfinale gegen Spanien

Frankreichs Deschamps: (Welt-)Meister der Menschenführung

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Deschamps herzt Désiré Doué nach dem Halbfinal-Einzug. (Archivbild)

Deschamps herzt Désiré Doué nach dem Halbfinal-Einzug. (Archivbild)

Von dpa

Manchmal sagen Gesten noch mehr als Worte. Auch bei Didier Deschamps ist das in diesen Wochen so. Frankreichs Nationaltrainer hat bei der Fußball-WM einen Medientermin nach dem anderen. Immer und immer wieder soll er über das Erfolgsgeheimnis seiner so beängstigend guten Mannschaft sprechen. Dabei spiegeln doch schon seine Emotionen so eindrucksvoll wider, was dem 57-Jährigen so wichtig ist: menschliche Nähe und Geschlossenheit.

„Ich bin stolz, dieses Team zu haben“, sagte Deschamps vor dem Halbfinal-Kracher gegen Spanien an diesem Dienstag (21.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) in Arlington bei Dallas. Der Coach bezog dabei bewusst alle mit ein: ob Spieler, Assistenten oder Betreuer. „Alle kämpfen für die Gruppe“, sagte Deschamps.

Zunge draußen: Deschamps nach dem hitzigen Sieg gegen Paraguay. (Archivbild)
Zunge draußen: Deschamps nach dem hitzigen Sieg gegen Paraguay. (Archivbild)
Zunge draußen: Deschamps nach dem hitzigen Sieg gegen Paraguay. (Archivbild)
Zum Verneigen: Deschamps mit Kylian Mbappé. (Archivbild)
Zum Verneigen: Deschamps mit Kylian Mbappé. (Archivbild)
Zum Verneigen: Deschamps mit Kylian Mbappé. (Archivbild)

Die Art und Weise, wie der Mann mit dem weißen Hemd und dem schicken Anzug sein Starensemble durch dieses Turnier führt, bringt ihm weltweit großen Respekt ein. Er lebt seinen Spielern genau das vor, was er von ihnen sehen möchte: Einsatz, Disziplin - aber eben auch Herz und Kameradschaft.

Wie er sich vor Offensiv-Ass Kylian Mbappé nach dessen Sechzehntelfinal-Show gegen Schweden verneigte. Wie er nach dem hitzigen Achtelfinal-Sieg gegen Paraguay erleichtert die Zunge 'rausstreckte. Wie er Flügelspieler Désiré Doué nach dem Viertelfinal-Erfolg gegen Marokko lange in den Arm nahm: Das sind die Bilder, die sich einbrennen. Nicht nur bei den Fans der Franzosen.

„Er weiß, wie man Mannschaften führt“, sagte der deutsche Ex-Nationalspieler Mats Hummels bei MagentaTV. Auch Starcoach Jürgen Klopp lobte Deschamps' Kommunikation mit seinen Spielern und zog den ballverliebten Dribbelkünstler Michael Olise vom FC Bayern München als Beispiel heran.

„Mit diesen Spielern muss jemand gesprochen haben, dass sie das machen. Von allein machen die das nicht“, erklärte Klopp das starke Zusammenspiel der französischen Offensiv-Asse und deren Bereitschaft, auch nach hinten mitzuarbeiten. „Wenn du Olise den Ball hinschmeißt, nimmt er ihn und gibt ihn dir in vier Wochen wieder.“ Unter Deschamps ist das definitiv nicht so.

Seit 2012 ist der Ex-Profi als französischer Nationaltrainer im Amt. Nach dieser WM wird er es abgeben - dem Vernehmen nach an Zinédine Zidane. Krönt er seine Erfolgsära vorher noch mit dem dritten WM-Titel seiner Karriere? 1998 holte Deschamps den goldenen Pokal als Spieler, 2018 als Trainer. Lediglich Franz Beckenbauer und Mário Zagallo gelang außer ihm ein solches Double. Gleich zwei WM-Titel als Coach holte bisher nur Vittorio Pozzo: 1934 und 1938 mit Italien.

Allein diese Statistiken zeigen, in welch elitärem Kreis sich Deschamps bewegt. Im Halbfinale - dem dritten nacheinander bei einer WM für die Franzosen - wird er einen weiteren Rekord aufstellen. Die Partie gegen Spanien, die viele als das vorgezogene Finale dieses Turniers betrachten, wird das 26. WM-Spiel als Trainer für Deschamps. Aktuell teilt er sich die Bestmarke noch mit dem früheren Bundestrainer Helmut Schön. Ab Dienstag, an dem die Franzosen ihren Nationalfeiertag feiern, gehört sie dem Coach der Équipe Tricolore dann allein.

Hochveranlagte Spieler hatten die Franzosen schon immer zuhauf. Doch dieses Team hat nichts mehr mit dem zu tun, das sich etwa bei der WM 2010 mit Ex-Coach Raymond Domenech überwarf und zu einer kompletten Lachnummer entwickelte. Les Bleus, die eine Zeit lang als untrainierbar galten, haben in der Ära Deschamps eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. Musterprofis sind das. Vom Trainer sorgfältig ausgewählt. Und auf einer Mission.

Die Spieler, die Frankreichs Trikot tragen, hätten eine Verpflichtung gegenüber den Fans und den Menschen in der Heimat, sagte Deschamps. Kapitän Mbappé sei mit seinem Auftreten auf und neben dem Platz hier ein echtes „Vorbild“.

Tatsächlich verkörpert Mbappé bei diesem Turnier alles, was sich der Coach so wünscht: den Torhunger, aber auch den Teamgedanken. Nachdem während der Gruppenphase Deschamps' Mutter gestorben war, zeigte der Stürmer von Real Madrid - auch bei seinem Torjubel - großes Mitgefühl mit seinem Trainer.

Schon vor dem ersten Auftritt der Franzosen in Nordamerika hatte er angekündigt, Deschamps zum Abschied „die beste WM aller Zeiten“ bescheren zu wollen. Gewinnt der zweimalige Weltmeister gegen Europameister Spanien und dann auch noch das Endspiel in East Rutherford, ist sie das ganz sicher.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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