Mission Weltmeister

Erdinger Boxer kämpft um Weltmeisterschaft

Für den Erdinger Simon Zachenhuber geht es in Abu Dhabi gegen Hamzah Sheeraz in den Ring. Obwohl er nicht als Favorit gilt, will der Boxer die Welt überraschen und siegen.

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Simon Zachenhuber konnte 29 seiner 30 Profikämpfe für sich entscheiden. Seinen Gegner hat er genau anaylisiert.

Simon Zachenhuber konnte 29 seiner 30 Profikämpfe für sich entscheiden. Seinen Gegner hat er genau anaylisiert.

Wahl-O-Mat
Von Redaktion Sport

Für den Titel bei der RTL-Tanzshow „Let’s Dance“ fehlte Profiboxer Simon Zachenhuber ein bisschen der Punch - meinte zumindest Joachim Llambi. „Das ist hier nicht Verteidigung, sondern Attacke“, sagte der strenge Juror damals nach einem Wiener Walzer von Zachenhuber mit Tanzpartnerin Patricija Belousova.

Die TV-Auftritte vor einem Millionenpublikum waren für den Erdinger dennoch ein Riesenerfolg. Auch ohne Tanz-Vorerfahrung erreichte er das Halbfinale und erweiterte seine Fangemeinde deutlich. Fünf Jahre später will der Supermittelgewichtler aber in seinem eigentlichen Sport glänzen: Den ersten WM-Kampf an diesem Samstag (DAZN) im saudi-arabischen Dschidda gegen den ungeschlagenen britischen Titelverteidiger Hamzah Sheeraz geht der 28-Jährige so an, wie es auch Llambi gefallen würde: mit voller Attacke.

Die Bilanz des 28-Jährigen kann sich sehen lassen: 29 seiner 30 Profikämpfe entschied er für sich. Lediglich gegen den Polen Pawel August musste er vor wenigen Monaten überraschend eine Niederlage einstecken. Sheeraz sicherte sich den WM-Titel gegen den Deutschen Alem Begic. Dennoch verspricht der Kampf Spannung.

Dass Zachenhuber überhaupt die Chance auf den WM-Kampf erhält, stand erst wenige Wochen vor dem Termin fest. „Ich habe erst vor zwei Wochen in Köln geboxt, und bereits in der Woche davor haben wir die Information bekommen, dass die Möglichkeit besteht, dass der Kampf gegen Hamza Sheeraz zustande kommen könnte“, erzählt er der Plattform DAZN. Zu diesem Zeitpunkt bereitete er sich auf seinen Kampf gegen Armin Ajrulai vor, den er anschließend gewann.

Vergangener Kampf war „Sparringseinheit“

Die kurzfristige Perspektive auf einen WM-Kampf brachte ihn und sein Team allerdings ins Grübeln. Man habe sich überlegt, ob „man diesen, in Anführungszeichen, ,unwichtigen‘ Kampf kurz vor einer WM überhaupt“ noch machen solle. Schließlich bestehe immer die Gefahr einer Verletzung, die den WM-Traum platzen lassen könnte. Am Ende fiel die Entscheidung dennoch zugunsten des Kampfes gegen Ajrulai. Rückblickend bezeichnet Zachenhuber ihn sogar als „Sparringseinheit“. Normalerweise würde man nach einem Kampf eher herunterfahren, um anschließend mit der nächsten Vorbereitung zu beginnen. „In meinem Fall musste ich jedoch oben bleiben“, erklärt der 28-Jährige gegenüber DAZN. Das sei für ihn sogar angenehmer, denn lange Pausen zwischen Kämpfen lägen ihm nicht.

Vorteil durch seine Rolle als Rechtsausleger?

Vor Sheeraz hat Zachenhuber großen Respekt. „Er ist die Nummer eins und Weltmeister, das ist noch einmal ein ganz anderes Niveau als der letzte Gegner.“ Einschüchtern lässt sich der Erdinger davon jedoch nicht. „Aber am Ende ist er auch nur ein Mensch mit zwei Händen und einem Kopf. Und den muss man genau boxen, wie jeden anderen“, sagt er. Der WM-Kampf sei die Erfüllung eines Traums. Gleichzeitig fahre er nicht nach Abu Dhabi, um lediglich Erfahrung zu sammeln. Sein Ziel sei der Sieg. Und obwohl der Kampf für ihn doch überraschend kam, sei es der richtige Zeitpunkt. „Es ist ein gutes Bauchgefühl“, beschreibt er seine Gefühle.

Der Weg auf die Weltbühne begann für Zachenhuber bereits vor mehr als acht Jahren. Damals wechselte er durch seinen Trainer Conny Mittermeier vom Kickboxen zum Boxen. Es folgten die Deutsche Meisterschaft, dann die Junioren-WM und daraufhin Europameisterschaften bei verschiedenen Verbänden. Seit 2023 steht Zachenhuber bei den großen Boxverbänden, unter anderem bei der WBO, in den Top 10 beziehungsweise Top 15 der Weltrangliste. „Wir sind über Jahre hinweg Schritt für Schritt diesen Weg gegangen“, beschreibt er seine Entwicklung gegenüber DAZN.

Geprägt wurde Zachenhuber aber nicht nur im Ring. Sein Vater erlitt kurz nach seiner Geburt einen schweren Unfall und ist bis heute schwer behindert. Vor allem seine Mutter habe damals alles dafür getan, ihm und seiner Schwester eine gute Zukunft zu ermöglichen. „Dadurch lernt man, dass man für seine Ziele hart arbeiten, Verantwortung übernehmen und immer wieder Gas geben muss“, sagt der 28-Jährige.

Auf den Weltmeister hat sich Zachenhuber intensiv vorbereitet. Welche Stärken und Schwächen Sheeraz besitzt, will er allerdings nicht preisgeben. „Aber eins kann ich sagen: Ich werde alles geben.“ Zudem sieht er in seiner Rolle als Rechtsausleger einen möglichen Vorteil. „Wir nehmen die Außenseiterrolle an.“

Hauptkampf zwischen Anthony Joshua und Kristian Prenga

Für Zachenhuber bedeutet der Abend zugleich den bislang größten Auftritt seiner Karriere. Er bestreitet seinen Kampf unmittelbar vor dem Hauptkampf mit Anthony Joshua. Der ehemalige Schwergewichtsweltmeister kehrt nach turbulenten Monaten auf die große Bühne zurück und will den nächsten Schritt zurück Richtung Weltspitze machen.

Im Jeddah Superdome in Dschidda trifft der Brite auf den Albaner Kristian Prenga. Zuletzt setzte er sich im Dezember mit einem dominanten K.-o.-Sieg gegen Jake Paul durch. Gegen Prenga geht der frühere Weltmeister erneut als Favorit in den Ring. Doch der Albaner bringt eine beeindruckende Bilanz mit - 20 seiner 21 Siege beendete er vorzeitig -, gerade seine enorme Schlagkraft macht ihn zu einem gefährlichen Gegner, der jederzeit für eine Überraschung sorgen kann. Für Joshua steht dabei mehr auf dem Spiel als nur der nächste Sieg. Mit einem Erfolg gegen Prenga will der Brite seine Rückkehr an die Schwergewichtsspitze weiter vorantreiben. Im Fokus steht dabei vor allem ein möglicher Blockbuster-Kampf gegen Tyson Fury.

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