Autobahn wieder frei
Darum kippte auf der A3 bei Wörth an der Donau ein LKW-Anhänger um

Simon Rothfischer
Der Mobilkran bringt sich für die Bergung in Position. Mit schwerem Gerät soll der umgekippte Anhänger gedreht und zurück auf die Fahrbahn gehoben werden.
Die Einsatzkräfte der Wörther Stützpunktwehr haben auf der Autobahn schon einiges gesehen. Doch das Bild, das sich den Aktiven am Samstagmorgen bot, dürfte ihnen wohl noch einige Zeit in Erinnerung bleiben. „Das sieht man nicht alle Tage“, sagte Kommandant Andreas Binder. Als sie gemeinsam mit der Wiesenter Wehr kurz nach der Alarmierung gegen 6.30 Uhr am Unglücksort auf der A 3 eintrafen, ragte der Anhänger des havarierten Lastwagens mit den Rädern Richtung Himmel.
Ein gelbes Lastwagengespann aus Osteuropa, das laut Aufschrift eigentlich Post transportieren sollte, ist kurz vor der Anschlussstelle Wörth-Ost in Fahrtrichtung Passau von der Fahrbahn abgekommen – alleinbeteiligt, wie sich später herausstellte. Wie genau, blieb für die Einsatzkräfte am Unfallort rätselhaft – im Gegensatz zum Bergungsaufwand: Der Lastwagen stand nach dem Unfall zwar auf dem Standstreifen, doch eine Weiterfahrt war unmöglich. Der Anhänger lag auf dem Kopf. Da er über die Deichsel weiter mit dem Lastwagen verbunden war, drückte er dessen Hinterachse sichtbar in die Höhe. Zwischen Reifen und Fahrbahn hätte wohl nicht nur eine Getränkekiste gepasst. Der Container auf dem Anhänger pflügte durch den Grünstreifen und grub sich mehrere Zentimeter in die Erde. Die Polizei schätzt den Gesamtschaden auf etwa 15.000 Euro.
Alkoholtest bleibt unauffällig
Ein Dolmetscher sollte an der Unfallstelle Klarheit schaffen. Der Lastwagenfahrer sei der „deutschen Sprache nicht mächtig“, sagte eine Beamtin der Verkehrspolizei am Einsatzort. Klarer ist dagegen die Unfallursache: Wie die Polizei später auf Nachfrage unserer Mediengruppe mitteilte, kam der 60-jährige Fahrer alleinbeteiligt von der Fahrbahn ab. „Anscheinend wegen Sekundenschlaf“, sagte eine Sprecherin. Ein Alkoholtest, den die Beamten bei der Unfallaufnahme durchführten, schlug nicht an. Den Mann erwartet nun ein Strafverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Er blieb unverletzt, was die Arbeit für die Feuerwehr in Grenzen hielt: Gemeinsam mit den Aktiven der Feuerwehr Wiesent reinigten die Wörther die Fahrbahn. Die Fahrspur war zu diesem Zeitpunkt bereits zu. Begleitfahrzeuge eines Schwertransports hätten bereits Standstreifen und rechte Spur geschlossen und mit ihren Warntafeln abgesichert. „Das haben sie vorbildlich gemacht“, lobte Binder. Als die Polizei eintraf, war der Einsatz für die Feuerwehrler beendet. Insgesamt waren über 30 Kräfte im Einsatz, darunter Kreisbrandmeister Johannes Weig.
Für einige war es nicht der erste Einsatz an diesem Samstagmorgen. Bereits um 3.30 Uhr rückte Binder mit rund 15 Aktiven auf die A 3 Richtung Passau aus: Bei Pillnach verlor ein 26-Jähriger aus dem Landkreis Straubing-Bogen die Kontrolle über seinen Peugeot und rammte mit dem Auto zweimal die rechte Außenleitplanke, wie die Autobahnpolizei Kirchroth mitteilt. Danach stieß ein Sattelzug mit dem Auto zusammen. Binder spricht rückblickend von einem Trümmerfeld.
Mehrere Stunden war für die Bergung teilgesperrt
Mehr Arbeit hatten dagegen die Abschlepper: Mit mehreren Fahrzeugen – unter anderem einem Mobilkran – rückte ein Regensburger Bergungsunternehmen an, um den Laster wieder auf die Spur zu bringen. Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Kirchroth säuberten den Standstreifen und baggerten das Bankett aus. Laut Polizei entstand ein „erheblicher Schaden“ am Grünstreifen und nebenherlaufendem Kanal. Die Bergung dauerte rund drei Stunden, die rechte Spur war in dieser Zeit gesperrt. Gegen 11 Uhr waren wieder beide Spuren Richtung Passau frei. Zwischenfälle im Rückstau, der laut Navigationsapps zwischenzeitlich zur Donaubrücke reichte, gab es keine.
So aufwendig die Bergung des verkeilten Anhängers auch war, für Binder war der Unfall sicherheitstechnisch mustergültig. „Die Deichsel muss sich in alle Richtungen mitdrehen.“ Beim TÜV sei es ein Durchfallgrund, wenn die Verbindung zwischen Anhänger und Zugfahrzeug nicht beweglich sei – für Binder berechtigt. Der Kommandant will sich nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn der Anhänger nicht „nur“ umgekippt wäre. Wenn er sich losgerissen hätte, durch die Wucht möglicherweise auf die Fahrbahn geraten wäre. Bei diesem Lastwagen sei die Anhängerverbindung technisch einwandfrei gewesen. Es sei genau das eingetreten, was in so einem Fall passieren soll.
















