Vergabe seit 1998
Drei Projekte aus Regensburg im Rennen um den Bauherrenpreis 2026

Stadt Regensburg, Stefan Effenhauser
Die Sanierung des Wiedamannhauses in der Brückstraße erhielt historische Oberflächen, Fenster, Türen und Einbauten.

Zum achten Mal vergibt die Arbeitsgemeinschaft Historische Städte den Bauherrenpreis für „Hervorragende Sanierungen oder Neubauten im historischen Stadtkern in den Mitgliedsstädten“. Teilnahmeberechtigt sind private Bauherrinnen und Bauherren sowie öffentliche und private Institutionen, die zwischen 2022 bis 2026 im Bereich der historischen Altstadt eine Gebäudesanierung durchgeführt oder einen Neubau errichtet haben.
Die Sitzung der Schlussjury findet im Rahmen der Tagung der Arbeitsgemeinschaft Historische Städte am 19. November in Stralsund statt. Die Preisverleihung in Regensburg ist für Januar 2027 geplant. Die anschließende Ausstellung wird die Preisträger aller sechs Mitgliedsstädte und alle Regensburger Arbeiten zeigen.
Das Regensburger Preisgericht - bestehend aus Oberbürgermeister Thomas Burger, Professorin Anne Beer von der Fakultät Architektur an der OTH Regensburg, Planungs- und Baureferent Florian Plajer, Christian Hartung als zuständiger Abteilungsleiter für Stadterneuerung im Amt für Stadtentwicklung sowie einem Vertreter der Unteren Denkmalschutzbehörde - kam Ende Juli zusammen, um aus den eingereichten Beiträgen drei Objekte auszuwählen, die der Schlussjury vorgestellt werden. Die örtliche Jury war sich laut einer Pressemitteilung der Stadt einig, dass die folgenden drei Beiträge die Leistungen der Bauherren und den Mehrwert für die Stadt Regensburg am besten repräsentieren.
Emmeram Forum: Das 1892 anstelle der Friedhofskapelle St. Michael errichtete Pfarr- und Mesnerhaus St. Emmeram wurde nach der Zusammenlegung der Innenstadtpfarreien nicht mehr benötigt. Mit dem Emmeram Forum erhielt das neugotische Gebäude nach Jahren des Leerstands eine denkmalgerechte neue Nutzung als Kultur- und Begegnungshaus. Die Baumaßnahme umfasste die behutsame Sanierung des Bestands sowie den Umbau mit Ausbau des Dachgeschosses. Ziel war es, die historische Bausubstanz weitgehend zu bewahren und zugleich moderne Anforderungen zu erfüllen. Der neue Veranstaltungssaal wurde nach dem Raum-im-Raum-Prinzip in den historischen Dachstuhl eingefügt. Im Kellergeschoss blieb das Beinhaus von St. Michael als „Raum der Stille“ erhalten. Mit Begegnungscafé, Katholischer Erwachsenenbildung und Seminarräumen entstand ein offenes Haus für Begegnung, Bildung und Kultur.

Stadt Regensburg, Stefan Effenhauser
Mit dem Emmeram Forum erhielt das neugotische Pfarrhaus St. Emmeram nach Jahren des Leerstands eine neue Nutzung.
St. Katharinenplatz 5: Das ursprünglich im 15. Jahrhundert als Pilgerhaus errichtete Gebäude wurde mehrfach umgenutzt und stand seit 2015 leer. Als Teil des Projekts Oikos der St. Katharinenspitalstiftung wurde das Schreiberhaus schließlich von 2022 bis 2024 saniert und umgebaut, um einen barrierefreien, inklusiven und nicht-kommerziellen Begegnungsort für Vereine und Initiativen zu schaffen. Gemeinsam mit dem nördlich angrenzenden Hochstall und einem neu gestalteten Innenhof entstanden attraktive Räume für die Stadtgesellschaft. Die bestehende Bausubstanz und historische Raumstruktur wurden weitgehend erhalten und die aktuelle Nutzung sowie eine neue skulpturale Treppenanlage behutsam integriert. Durch das Absenken des Fußbodens und die Öffnung des Hochstalls zum Innenhof konnte im Erdgeschoss eine durchgehende Barrierefreiheit geschaffen werden. Regionale und natürliche Baustoffe aus dem stiftungseigenen Forst unterstreichen den nachhaltigen Ansatz des Projekts.

Stadt Regensburg, Christian Kaister
Das Schreiberhaus wurde saniert und umgebaut, um einen nicht-kommerziellen Begegnungsort zu schaffen.
Brückstraße 4: Die Ursprünge des denkmalgeschützten Wiedamannhauses reichen bis ins 11. Jahrhundert zurück. In prominenter Lage zwischen Steinerner Brücke, Brücktor und Goliathhaus vereint das Gebäude zahlreiche Bauphasen, die bis heute ablesbar sind. Ziel der Sanierung war der größtmögliche Erhalt der historisch wertvollen Bausubstanz. Im Erdgeschoss blieb die gewerbliche Nutzung erhalten. In den Obergeschossen entstanden 16 Wohnungen. Das ehemalige Büro der Zinngießerei Wiedamann mit seinem Einbauschrank, Versteck und geheimen Gang aus den 1930er Jahren wurde bewahrt und ist weiterhin für die Öffentlichkeit erlebbar. Die zwischen 2021 und 2026 realisierte Sanierung erhielt historische Oberflächen, Fenster, Türen und Einbauten und integrierte die neue Nutzung behutsam in den Bestand. Künstlerateliers ergänzen das Nutzungskonzept. Jede Wohnung macht die außergewöhnliche Baugeschichte des Hauses erlebbar - von den mittelalterlichen Ursprüngen bis zur Wiedamann-Ära.
Hintergrund
Die Arbeitsgemeinschaft Historische Städte ist ein Zusammenschluss der Städte Bamberg, Görlitz, Lübeck, Meißen, Regensburg und Stralsund. Der Bauherrenpreis der Arbeitsgemeinschaft Historische Städte wird seit 1998 alle vier Jahre ausgelobt. Für die ausgewählten Arbeiten erhalten die Bauherren einen Preis in Höhe von 1.500 Euro sowie eine Bronzeplakette. Die beiden Anerkennungen erhalten einen Preis in Höhe von je 500 Euro.












