15 Orte laden ein
Beim Regensburger Galerienabend geben Künstler Einblicke in ihre Arbeit

Galerie Erdel
„Lustvoller Panda 3“, Öl auf Leinwand, von Zhao Bin ist in der Galerie Erdel Schaulager zu sehen.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten gehört der Regensburger Galerienabend zu den festen Kulturereignissen der Welterbe-Stadt. Der Abend verwandelt die historische Altstadt alljährlich in einen lebendigen Parcours zeitgenössischer Kunst. Am Samstag, 26. September, von 18 bis 23 Uhr öffnen 15 Galerien, Kunstvereine und Projekträume ihre Türen und laden zu einem Streifzug durch die Kunstszene ein.
Besucherinnen und Besucher können ihren Rundgang individuell gestalten und dabei Malerei, Zeichnung, Grafik, Fotografie, Installation, Performance, Objektkunst und zeitgenössischen Schmuck erleben. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler sind anwesend, stehen für Gespräche zur Verfügung und geben Einblicke in ihre Arbeiten. Die Ausstellungen der Galerien und Ausstellungsräume sind im Folgenden entsprechend einem Spaziergang von West nach Ost geordnet.
Die Stadtkunst eröffnet den Galerienabend mit Wolfgang Herzers Werkzyklus „Pareidolien mit Hammer und Bleistift“. Der Künstler verbindet konzeptionelle Grafik mit surreal anmutenden Bildwelten und entwickelt seit mehr als zwei Jahrzehnten ein fortlaufendes Projekt über Wahrnehmung, Zeit und Veränderung. Seine Zeichnungen laden dazu ein, sich auf vielschichtige Assoziationen und überraschende Bildfindungen einzulassen.
Weiter stadteinwärts im Kunstkontor Westnerwacht steht mit Hans Meid (1883-1957) einer der bedeutendsten deutschen Grafiker des Impressionismus im Mittelpunkt. Die Ausstellung „Großes Theater“ - Die Othello- und Don-Juan-Zyklen (1911/12) und weitere Kaltnadel-Radierungen seiner Hauptschaffenszeit 1910 bis 1926“ vereint Kaltnadelradierungen des Künstlers und eröffnet einen facettenreichen Einblick in sein Schaffen.
Der Kunst- und Gewerbeverein Regensburg feiert mit der Gruppenausstellung „100 Jahre Jahresschau“ ein besonderes Jubiläum. Anhand bedeutender Werke aus einem Jahrhundert regionalen Kunstschaffens spannt die Schau einen Bogen von den Anfängen der traditionsreichen Jahresschau bis in die Gegenwart. Zahlreiche Leihgaben aus Museen und Privatsammlungen machen die Ausstellung zu einem außergewöhnlichen Rückblick auf die Kunstgeschichte der Region.
Der Kunstraum Sigismundkapelle präsentiert mit Toni Kiss die raumgreifende Installation „Monster /// Leben - Tod - per Du“. Zwischen Stoffobjekten, Collagen, Malerei und skulpturalen Elementen entstehen Erinnerungslandschaften, in denen organische Formen, Ironie und persönliche Erfahrungen miteinander verschmelzen.
In der Rote-Hahnen-Gasse zeigt der Kunstverein Graz mit Emil Borgeest die Ausstellung „Prospects [Ende in Sicht]“. Ausgangspunkt ist ein überdimensionaler Bühnenprospekt, der das Verhältnis von Realität und Imagination hinterfragt. Ergänzt wird die Installation am Galerienabend durch mehrere Performances, die das Publikum auf poetische Weise in alternative Wirklichkeiten eintauchen lassen.
Nur wenige Schritte weiter lädt Schmuck Galerie Hannah Rembeck gemeinsam mit der GEDOKmuc zur Ausstellung „Frei zu sein“ ein. Die von einer Jury gewählten Schmuckkünstlerinnen widmen sich dem Thema Freiheit in all seinen Facetten. Die entstandenen Arbeiten reichen von experimentellen Materialerkundungen bis hin zu persönlichen Statements über Identität, Selbstbestimmung und künstlerische Unabhängigkeit.
In der Bachgasse angekommen begegnen sich in der Galerie Isabelle Lesmeister unter dem Titel „Pink Silence“ die Arbeiten von Birgit Nadrau und Norihiko Terayama. Beide entwickeln ihre Werke in langsamen, präzisen Arbeitsprozessen und schaffen mit Licht, Farbe und Material Bildräume von stiller Intensität. Die Ausstellung lädt dazu ein, sich bewusst Zeit für das Betrachten zu nehmen.
Die Farbe steht auch bei der Galerie Art Affair im Vordergrund, die mit „Deepness In Color“ Werke von Raphael Rack zeigt. Der Künstler widmet sich dem abstrakten Expressionismus und erschafft leuchtende Kompositionen voller Dynamik und Tiefe. Je nach Blickwinkel entfalten die Werke immer neue Farb- und Formzusammenhänge und laden dazu ein, in vielschichtige abstrakte Bildwelten einzutauchen. Fotografische Perspektiven bietet die Galerie Claus: Sie widmet sich in der Ausstellung „Rainer & Hanna“ dem Fotografen Michael Friedel. Seine ikonischen Aufnahmen aus den 1970er Jahren zeigen Persönlichkeiten wie Rainer Werner Fassbinder, Hanna Schygulla oder Klaus Kinski und vermitteln zugleich ein Zeitbild der jungen Bundesrepublik.
An der nächsten Station, der benachbarten Galerie Erdel Schaulager versammelt die Ausstellung „Anima/l“ vier internationale künstlerische Positionen von Zhao Bin, Katharina Claudia Dobner, Wolfgang Domröse und Barbara Muhr. Tiere werden hier zu Sinnbildern für gesellschaftliche, emotionale und spirituelle Themen und eröffnen vielfältige Perspektiven auf das Verhältnis von Mensch und Natur.
Material und Form stehen anschließend in der Gallery Panta Rhei im Zentrum: Sie präsentiert unter dem Titel „Aufbau: Vision - Texture - Form“ neue Arbeiten von Jordana Rae Gassner und Bernhard Rauch. Während Gassner in farbintensiven Gemälden Fragen nach Identität und Wahrnehmung nachgeht, überschreitet Rauch mit seinen materialbetonten Arbeiten die Grenzen zwischen Malerei und Skulptur.
Auf dem weiteren Weg durch die Altstadt eröffnet die Galerie konstantin b. mit der traditionsreichen „Herbstauslese 26“ einen Überblick über ihr aktuelles Ausstellungsprogramm. Die Gruppenausstellung vereint Malerei, Fotografie, Grafik, Skulptur und Objektkunst von Künstlerinnen und Künstlern aus der Region sowie aus ganz Deutschland. Unterschiedliche künstlerische Handschriften spiegeln dabei die Vielfalt zeitgenössischer Kunst wider.
Am Schwanenplatz zeigt der Neue Kunstverein mit „Pathologie“ Arbeiten des Kölner Pathologen und Künstlers Andreas Szöke. Zeichnungen, Collagen und Objekte verbinden medizinische Präzision mit poetischer Bildfindung und eröffnen neue Perspektiven auf Anatomie und menschliche Wahrnehmung. So entstehen Bildräume zwischen wissenschaftlicher Beobachtung und künstlerischer Interpretation.
Einen ebenso präzisen Blick bietet die Galerie St. Klara mit der Ausstellung „Sehen und Gehen“. Christian Rebhan stellt hier sein ebenso ungewöhnliches wie persönliches Werk vor. Brillen, Füße und alltägliche Beobachtungen werden zu Ausgangspunkten einer ebenso humorvollen wie tiefgründigen Auseinandersetzung mit Erinnerung und Identität.
Den Abschluss des Rundgangs bildet die Stadelgalerie Andreasstadel, die im Rahmen der Ausstellungsreihe „Stadel temporär“ Arbeiten von Cristina Friedl präsentiert. Die Künstlerin verbindet in ihren Werken persönliche Erlebnisse mit Fragen nach Sehnsucht, Veränderung und dem eigenen Lebensweg. So entstehen poetische Bildwelten, die zum Innehalten und Entdecken einladen. (red)
Ein gedrucktes Booklet führt durch das Programm und ist in allen teilnehmenden Galerien erhältlich. Wer lieber digital unterwegs ist, findet alle Informationen unter www.regensburger-galerien.de.








