Saison endet am Samstag

Straubings Crazy Musical Company spielte zum zehnten Mal „Jesus Christ Superstar“

Die Crazy Musical Company vermeldet 15 ausverkaufte Aufführungen. Ein Besuch beim Ensemble.

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War fix eingeplant am Ostersonntag, bei der zehnten Aufführung: Ein Gruppenbild des Ensembles. Am kommenden Samstag öffnet sich zum letzten Mal der Vorhang für diese Erfolgs-Produktion.

War fix eingeplant am Ostersonntag, bei der zehnten Aufführung: Ein Gruppenbild des Ensembles. Am kommenden Samstag öffnet sich zum letzten Mal der Vorhang für diese Erfolgs-Produktion.

Fühlen sich die Akteure noch mittendrin oder schon auf der Zielgeraden? „Natürlich mittendrin“, sagt Gerd Lex, der in in dieser Inszenierung gleich in mehrere Rollen schlüpft. Überzeugende Bestätigung bekommt er auf seine allabendliche Anfeuerungsrede hinter der Bühne, auf die das Ensemble lautstark „Jesus Christ Superstar“ skandiert, sich gemeinschaftlich an den Schultern fasst und mit Leidenschaft singt „wir sind guter Laune“. Am Sonntag ging die zehnte von 15 Vorstellungen von „Jesus Christ Superstar“ der Crazy Musical Company über die Bühne des Theaters am Hagen. Wie immer vor ausverkauftem Haus. Und ausverkauft war diese jüngste Produktion des Vereins erstmalig in seiner Geschichte schon vor der Premiere. Und zwar 14 mal, eilends wurde eine Zusatzvorstellung, die 15. eingeplant. Wir haben - ob mittendrin oder auf der Zielgeraden - am Sonntag einen Besuch gemacht, in der „Maske“, ein Dreh- und Angelpunkt hinter den Kulissen.

Ein Dreh- und Angelpunkt hinter der Bühne, die „Maske“. Hier sorgt Jennifer Hübner für faszinierende Verwandlungen.
Ein Dreh- und Angelpunkt hinter der Bühne, die „Maske“. Hier sorgt Jennifer Hübner für faszinierende Verwandlungen.
Ein Dreh- und Angelpunkt hinter der Bühne, die „Maske“. Hier sorgt Jennifer Hübner für faszinierende Verwandlungen.
Ein Dreh- und Angelpunkt hinter der Bühne, die „Maske“. Hier sorgt Jennifer Hübner für faszinierende Verwandlungen.
Ein Dreh- und Angelpunkt hinter der Bühne, die „Maske“. Hier sorgt Jennifer Hübner für faszinierende Verwandlungen.
Ein Dreh- und Angelpunkt hinter der Bühne, die „Maske“. Hier sorgt Jennifer Hübner für faszinierende Verwandlungen.
Ein Dreh- und Angelpunkt hinter der Bühne, die „Maske“. Hier sorgt Jennifer Hübner für faszinierende Verwandlungen.
Ein Dreh- und Angelpunkt hinter der Bühne, die „Maske“. Hier sorgt Jennifer Hübner für faszinierende Verwandlungen.
Ein Dreh- und Angelpunkt hinter der Bühne, die „Maske“. Hier sorgt Jennifer Hübner für faszinierende Verwandlungen.
Und hier liegen zwei Perücken für hre Träger bereit.
Und hier liegen zwei Perücken für hre Träger bereit.
Und hier liegen zwei Perücken für hre Träger bereit.
Die Lavalier-Mikros werden unauffällig auf der Haut fixiert.
Die Lavalier-Mikros werden unauffällig auf der Haut fixiert.
Die Lavalier-Mikros werden unauffällig auf der Haut fixiert.
Die Lavalier-Mikros werden unauffällig auf der Haut fixiert.
Die Lavalier-Mikros werden unauffällig auf der Haut fixiert.
Die Lavalier-Mikros werden unauffällig auf der Haut fixiert.

41 Akteure stehen auf der Bühne. 15 Musiker spielen unter Leitung von Martin Wutz im Orchester und sieben Leute gehören zum Bühnenteam, das Requistenplazierung, Vorhang, Seilzüge bedient und auch mal als Springer aktiv ist, wenn Not am Mann ist. In der Maske kommen zwar nicht alle, aber doch viele Akteure vorbei. Die Hauptdarsteller natürlich - auf eine längere Sitzung vor dem Spiegel. Andere auf einen Ratsch oder Erste Hilfe, wenn das Mikro neu angeklebt werden muss oder der störrisch abstehende Haarschopf der Babypuppe, die Jesus als Kind verkörpert, mit Kamm und Taft besänftigt werden soll.

Manche Akteure verwandeln sich unter der Hand von Maskenbildnerin Jennifer Hübner - faszinierend zum Zuschauen - in ganz andere Typen. Hanna Turowski macht die größte Verwandlung durch. Von schulterlanger dunkler Haarpracht zur Glatze. Sie spielt den jüdischen Hohepriester Kajaphas. Anfangs, sagt sie, sei sie sich nicht sicher gewesen, ob sie sich so wohlfühlen würde. Aber ist tut es. Ihre zweite Haut ist aus flüssigem Kunststoff von Jennifer Hübner eigens angefertigt und ihren Kopfmaßen angepasst worden. Für jede Aufführung gibt es ein neues Unikat. Denn schließlich muss Hanna Turowski die Glatze auch wieder loswerden. Zurück zur gewohnten Haarpracht dauert es 20 Minuten, sagt sie lachend.

Herodes mit Glitzer und Federkleid

Julia Riepl steht vom Stuhl vor dem großen Spiegel mit großer blonder Perücke und schillerndem Makeup mit viel Farbe und Glitzer („mehr geht fast nicht“, sagt lachend Jennifer Hübner) als Herodes (!) auf. Danach schlüpft sie noch in ein schreiend-pinkes Feder-Showkostüm. So exzentrisch kommt in Andreas Wiedermanns Inszenierung Herodes daher.

Judasdarsteller Oliver Polenz braucht dagegen nur ein bisschen Puder und seine Dreadlocks-Perücke. Maria Magdalena (Stephanie Lorenz) wird wiederum aufwendig geschminkt, einschließlich künstlicher Wimpern, und ihre schwarzen langen Haare mit Hilfe von Papilotten gelockt.

Bayreuth, Salzburg, Straubing

Jennifer Hübner, professionelle Maskenbildnerin und Freelancerin, ist heuer - und nicht zum ersten Mal - bei den Bayreuther Festspielen verpflichtet. Auch bei den Salzburger Opernfestspielen ist sie schon mehrfach tätig gewesen. Darüber hinaus bei TV-Produktionen und Projekten an festen Theatern. Sie tingelt, wo immer sie engagiert wird, in Sachen Maske durch die Lande und ist längst Teil der Crazy-Musical-Familie, seit der ersten Produktion „Oliver“ 2013 immer wieder dabei. Neuerdings reist sie von ihrem Wohnort Coburg im Camper an, was ihr die Zimmersuche erspart, und in ihren Augen optimal ist. Ihren Beruf hat sie am Theater Cottbus gelernt, mit einer absolvierten Friseurlehre als Basis. Zu ihren Faibles gehört die Perückenherstellung.

Allein 28 Schauspieler kommen in der Maske vorbei, um sich ganz profan, aber eminent wichtig mit Lavalier-Mikrophon ausstatten zu lassen. Philipp Schötz und Hannah Lorenz sind dafür parat und wissen, dass es für manchen Akteur zu seinem persönlichen Glücks-Ritual gehört, dass immer dieselbe Person das Mikro fixiert. Es wird fürs Publikum unauffällig mit einem durchsichtigen Klebestreifen ins Gesicht montiert. Dazu gehört ein kleines Kästchen mit der Batterieversorgung an einem Gürtel um die Taille. Jedes Mikrophon ist nummeriert, auf den Träger geeicht und wird beim Line-Check jeden Aufführungsabend eigens auf der Bühne getestet. Netz und doppelter Boden.

Line-Check, Einsingen und Witz des Tages

Das Einsingen gehört ebenfalls zur Hinter-den-Kulissen-Routine, ehe sich um 19.30 Uhr der Vorhang hebt. Bis dahin haben die Akteure auch für schnelle Kostümwechsel alles Nötige am angestammten Platz deponiert, um in Sekundenschnelle in eine andere Haut zu schlüpfen. Und ehe es losgeht, kommt von Manuel Stegmann vom Stadttheater-Team „der Witz des Tages“ durch die Lautsprecher hinter der Bühne.

Regie-Assistentin Claudia Schötz ist jeden Aufführungsabend im Foyer beim Einlass präsent und bekommt aus erster Hand die Publikumsreaktionen mit. Sie bestätigt, dass jedes Publikum anders ist, mal gibt es viel Szenenapplaus, mal sitzen die Zuschauer ganz gebannt da. Viele bekundeten ihre Überraschung, dass die meisten Akteure Laien sind. Und die beiden für die Aufführung engagierten Profi-Schauspieleler Felix Deeg (Jesus) und Oliver Polenz (Judas) schätzten die Herzlichkeit im Umgang innerhalb des Ensembles.

Markus Wimmer, im richtigen Leben Leiter des Amts für soziale Dienste, ist zum ersten Mal im Ensemble. Der Hobbymusiker (Klavier) und -Sänger hat von den Musicalplänen gelesen und sich beworben. Er ist jetzt einer der zwölf Apostel und sagt, „das gehört seit Langem zum Besten, was ich musikalisch gemaht habe“. „Jesus christ Superstar“ liebe er seit seiner Jugend, da hat er die Gelegenheit beim Schopf gepackt. Am Sonntag abend erwartete er seinen 85-jährigen Vater als Zuschauer im Publikum. Wenn es ihm nicht gefallen sollte, solle er einfach sein Hörgerät rausnehmen, habe er geraten. Wimmer ist aber sicher, dass es ihm gefallen wird.

Um 19.30 Uhr wird das Publikum von Sonja Bartek begrüßt: „Tagesaktueller könnte unser Stück heute, am Ostersonntag, nicht sein.“

„Es schwingt schon etwas Wehmut mit“

Stephanie Lorenz ist die Vorsitzende der Crazy Musical Company und spielt im Andrew-Lloyd-Webber-Musical „Jesus Christ Superstar“ die Maria Magdalena. Wir haben Sie anlässlich der zehnten von 15 Aufführungen gesprochen.

Was haben Sie bisher an Rückmeldungen bekommen, womöglich auch für Sie überraschende?

Stephanie Lorenz: Einige Besucher berichten davon, dass sie den Film beziehungsweise das Musical aus den 70ern kennen und jetzt unbedingt das Musical einmal live sehen und hören wollten. Die meisten waren absolut begeistert. Es gibt immer wieder Zuschauer, die Tränen in den Augen haben. Sehr gut kamen die Videoeinspielungen mit historischen und aktuellen Ereignissen an.

Welche Szenen, Songs haben auf die Zuschauer am meisten gewirkt - gibt es da Resonanzen?

Lorenz: Die Kreuzigung ist wohl die beeindruckendste Szene für das Publikum. Aber auch die Solosongs der einzelnen Darsteller berühren immer wieder.

Sie hatten ja seit der letzten Aufführung eine (Zwangs-)Pause wegen anderweitiger Belegung des Theaters, wie ist der Wiedereinstieg für das Ensemble?

Lorenz: Wir hatten eine Wiederaufnahmeprobe, sodass jeder wieder ganz entspannt im Theater ankommen konnte. Dabei wurden die Choreos aufgefrischt, die Markierungen für die Requisiten wieder geklebt und das Licht fokussiert.

Wie geht es Ihnen allen mitten in der Musical-Saison?

Lorenz: Es war gut, dass wir eine kleine Pause hatten. Nach acht Aufführungen und einer anstrengenden Probenwoche tat allen ein bisschen Erholung gut. Aber jetzt genießen wir die letzten Aufführungen und es schwingt etwas Wehmut mit, dass es schon so bald wieder vorbei ist.

Fühlt es sich anders an, die Passion Christi in Form dieses Musicals an Ostern zu spielen im Vergleich zu anderen Tagen?

Lorenz: Das kann ich nur für mich beantworten. Ich habe am Palmsonntag die Passion in gelesener Form gehört und dachte bei mir, dass ich mich freue, diese Geschichte genau über die Osterfeiertage als Musical auf die Bühne zu bringen. Denn in dieser Form ist es viel intensiver. Die Musik, die Choreographien und viel mehr Emotionen machen die Geschichte einfach lebendiger.

 

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