Ein Heimspiel

Landwirtschaftsminister Alois Rainer eröffnet das Gäubodenvolksfest

Staatsmännisch im Bierzelt: Alois Rainer meistert diesen Spagat problemlos. Auch Tobias Beck feiert als Landrat eine gelungene Premiere. Die Straubinger Volksfestwünsche kommen derweil vor allem dem BioCampus zugute.

Artikel vorlesen
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (Mitte) eröffnete am Samstagvormittag das Straubinger Gäubodenvolksfest. 

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (Mitte) eröffnete am Samstagvormittag das Straubinger Gäubodenvolksfest. 

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hat am Samstagvormittag das diesjährige Gäubodenvolksfest offiziell eröffnet. Für den gebürtigen Straubinger war der Auftritt im Festzelt Reisinger gleichzeitig Heimspiel und Premiere. Heimspiel, weil er das Straubinger Volksfest in- und auswendig kennt. Premiere, weil er es zum ersten Mal als Bundesminister selbst eröffnete. In seiner Rede ging Rainer vor allem auf die Wurzeln des Festes ein und hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für die Landwirtschaft. Gleichzeitig führte er auch die Tradition der Straubinger Volksfestwünsche weiter - was heuer vor allem dem städtischen BioCampus zugute kommen dürfte. 

Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr machte in seiner Festansprache schnell deutlich: So einfach wie heuer war die Auswahl des Eröffnungsredners für ihn noch nie. „Wenn wir schon einen Bundesminister in unserer Heimat haben, noch dazu vom zum Fest passenden Fach“, sagte er. Rainer erfülle auch darüber hinaus alle wichtigen Kriterien: „Er weiß, wo Straubing liegt, kann nachweislich mit einer Maß umgehen, sagt bestimmt nicht ab und tritt auch nicht kurz davor zurück.“ 

Der für seine launigen Ansprachen bekannte OB enttäuschte rhetorisch auch in diesem Jahr nicht, schlug in seiner Rede aber durchaus einen ernsten Ton an. Er ging etwa auf die finanziell angespannte finanzielle Lage in vielen Kommunen ein, die im Miteinander zwischen Bund und Ländern oft Leidtragende seien. Das sei, als würden der Kanzler und der Ministerpräsident aufs Gäubodenvolksfest kommen, es sich im Festzelt gut gehen lassen und die Rechnung dafür an ihn oder Landrat Tobias Beck schicken, zog Pannermayr einen Vergleich. 

Rainer lobte der OB dagegen als einen verlässlichen Unterstützer Straubings, der in der Vergangenheit viele Projekte in der Stadt entscheidend mitgefördert habe. Pannermayr nannte dabei vor allem Straubings Rolle als Universitätsstadt mit Fokus auf nachwachsende Rohstoffe. Diese wolle und müsse man noch weiter ausbauen. Und da die Forschung am BioCampus eng mit der Landwirtschaft verflochten sei, sah Pannermayr mit Rainer hierfür auch den richtigen Ansprechpartner am Rednerpult. 

Diesem Urteil schloss sich in seinem Grußwort auch Tobias Beck an. Für den - mittlerweile nicht mehr ganz so neuen - Landrat war der Auftritt auf dem Gäubodenvolksfest ebenfalls eine Premiere. „Aber ich hab ja selbst einen Hof daheim, von daher glaub ich, ich pass hier schon dazu“, sagte Beck - und sollte Recht behalten. Er lobte insbesondere die gute, parteiübergreifende Zusammenarbeit zwischen Straubing und dem Landkreis. Wenn sich ein CSU-Minister im Landkreis eines Freie-Wähler-Landrats wohlfühle, sei das jedenfalls ein gutes Zeichen. Auch Beck betonte die Bedeutung des BioCampus über Straubings Stadtgrenzen hinaus. „Wir wissen, dass die Finanzierung eine große Herausforderung darstellt“, sagte er mit Blick auf den derzeitigen Sparkurs der Politik. Trotzdem wolle man um Unterstützung bitten. 

Rainer selbst spannte Pannermayr und Beck in seiner Rede nicht lange auf die Folter: „Ich weiß, dass nur warme Worte nicht ausreichen. Und Ja, ich hab auch was dabei“, versprach er. Zuvor aber nutzte er seine Ansprache, um an die Wurzeln des Gäubodenvolksfestes zu erinnern, die bekanntlich in der Landwirtschaft liegen. Dass nach seiner bayerischen Amtskollegin Michaela Kaniber heuer schon wieder ein Landwirtschaftsminister das Fest eröffnen darf, bezeichnete er als besondere Ehre. Gleichzeitig erinnerte er daran: „Ohne Landwirtschaft hätten wir heute ganz andere Probleme. Wir hätten nichts zu essen, nichts zu trinken und auch kein Volksfest. Unsere Landwirte ernähren uns jeden Tag, decken jeden Tag unsere Tische.“ 

Zwar brachte auch Rainer das Publikum an manchen Stellen zum Schmunzeln, etwa mit Anekdoten seiner China-Reise vor wenigen Wochen („Wir verstehen in Bayern unter Gickerl-Haxen a bissl was anderes als die Chinesen“), über weite Strecken schlug er jedoch einen ernsten und staatsmännischen Ton an. Er erneuerte etwa sein Wahlversprechen, überbordende Bürokratie in der Landwirtschaft abbauen zu wollen, und den deutschen Markt so im internationalen Wettbewerb zu stärken. „Wer die besten Lebensmittel weltweit erzeugt, der muss sich nicht verstecken“, sagte Rainer. „Wir können Weltmarkt und Wochenmarkt. Wir stehen vor Herausforderungen, ja. Aber wir sollten das, was wir haben, auch wertschätzen und wieder stolz darauf sein.“ 

Wer habe etwa vor 15 Jahren gedacht, dass Straubing einmal Universitätsstadt sein werde, fragte Rainer in das Festzelt - und leitete so direkt auf den Straubinger Volksfestwunsch über. Er sicherte Unterstützung für den BioCampus zu. Konkret soll dort das Deutsche Biomasseforschungszentrum mit Sitz in Leipzig mit eingebunden werden. Dadurch soll Straubing zusätzliche Forschungsmöglichkeiten und Mittel erhalten, perspektivisch könnten über 100 Doktoranden für ihre Kolloquien nach Niederbayern kommen, schätzte Rainer. 2,5 Millionen Euro wolle der Bund mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank dafür bereitstellen. „Es ist richtig, dass sich der Bund jetzt einbringt. Und eigentlich wäre es schon länger Zeit gewesen“, konstatierte er unter dem Applaus des Publikums. 

Rainer versprach, auch selbst ein Auge auf die Unterstützung durch den Bund zu haben. „Aber wie ich die Förderanträge aus Straubing kenne - und ich kenne einige - sind die ohnehin von höchster Qualität. Und dann gehen sie auch meist durch.“ Einen anderen Förderbescheid brachte er gleich selbst mit: Das Straubinger Musikfestival Bluval wird mit 50.000 Euro unterstützt. Und für die anwesende Kapelle und die Trachtenvereine hatte Rainer ebenfalls noch ein Zuckerl: Er bot ihnen an, sie als Teil der Delegation des Landwirtschaftsministeriums mit zur Grünen Woche nach Berlin zu nehmen. 

„Eins hab ich mir vorgenommen, nicht zu vergessen, wenn ich mal eröffnen darf“, sagte Rainer zum Schluss seiner Rede. Und schloss mit einem „Auf unser Gaibonfest!“ Das Heimspiel und die Premiere - sie sind beide geglückt. 

Autoren des Artikels folgen

Themen des Artikels folgen

Alle Artikel zu gefolgten Themen und Autoren finden Sie bei mein idowa

Finden, was Sie suchen: Sie können sich Artikel von idowa in der Google-Suche nun bevorzugt anzeigen lassen. Mehr Informationen zur kostenlosen Google-Funktion finden Sie auf unserer Infoseite.

Keine Kommentare


Neueste zuerst Älteste zuerst Beliebteste zuerst
alle Leser-Kommentare anzeigen
Leser-Kommentare ausblenden

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert.